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Bei der Behandlung von Brustkrebs ist die Versorgungsqualität wichtig.
 
Onkologie 4. Mai 2011

Qualitätsindikatoren in der Onkologie – Beispiel Brustkrebs

Belgisches Health-Technology Assessment zeigt Ergebnisunterschiede auf.

Belgien stellte nach einem ersten Projekt für Rektalkrebs (2004-08) zuletzt Leitlinien und Qualitätsindikatoren für den häufigen Brust- und den seltenen Hodenkrebs vor. Ziele sind die Reduktion diagnostischer und therapeutischer Variabilität und die Verbesserung der Behandlungsergebnisse.

Auf Basis der nationalen Leitlinien für Brustkrebs und der vorhandenen Evidenz wurden nun vom Belgischen Health Care Knowledge Center (KCE) in einem ersten Schritt 276 mögliche Qualitätsindikatoren identifiziert. Im zweiten Schritt waren die Auswahlkriterien Verlässlichkeit, Relevanz, leichte Interpretierbarkeit und Handlungsrelevanz. So wurden insgesamt 32 Qualitätsindikatoren für die Versorgungsqualität bei Brustkrebs definiert: fünf zur Ergebnisqualität, 27 zur Prozessqualität.

Im Anschluss wurde untersucht, welche der 32 Indikatoren auf Basis von bereits heute routinemäßig im belgischen Gesundheitssystem verfügbaren Daten messbar sind. Dazu wurden Daten aus dem (belgischen) Krebsregister mit zwei Routinedatensätzen kombiniert. Von den 32 Qualitätsindikatoren für Brustkrebs ließen sich so bereits 14 mittels Routinedaten auswerten.

Die Ergebnisse auf Grundlage von Daten der Jahre 2004 bis 2006 zeigen, dass in Belgien die Hälfte der Brustkrebspatientinnen in Krankenhäusern mit niedrigem Behandlungsvolumen – die Schwelle in Belgien lag damals bei einer jährlichen Fallzahl von unter 50 Patientinnen – behandelt wurden.

Mehr Fälle, besseres Ergebnis

Um das Alter der Patientin sowie um Stadium und Grad des Tumors bereinigt, ergab sich für Patientinnen, die in solchen Krankenhäusern betreut wurden, eine um 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, binnen fünf Jahren nach der Brustkrebsdiagnose zu versterben. Dies trifft jedoch nicht für jedes Krankenhaus mit niedrigem Volumen zu. In Zentren mit hohem Behandlungsvolumen gibt es mehr interdisziplinäre Fallkonferenzen, mehr brusterhaltende Operationen und mehr postoperative adjuvante Radiotherapie. Auch ist die Dokumentation der Tumorstadien dort besser.

 

Mag. rer. soc. oec. Nikolaus Patera ist am Ludwig-Boltzmann-Institut für Health Technology Assessment in Wien tätig.

 

Literatur: Health Care Knowledge Center (KCE)/Belgien 2010: Quality indicators in oncology: Breast cancer

 www.kce.fgov.be/Download. aspx?ID=2797

 

Quelle: HTA-Newsletter Nr. 96,

April 2011. Mit freundlicher Genehmigung des LBI-HTA, Wien

 

Von Mag. rer. soc. oec. Nikolaus Patera, Ärzte Woche 18 /2011

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