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Foto: WelldoneWerbeagentur/APA-Fotoservice/Hautzinger
Prof. Dr. Christoph Wiltschke Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien.
 
Onkologie 8. Februar 2011

„Rehabilitation ist keine Wellness-Medizin!“

Nach einer Krebserkrankung brauchen die Patienten gezielte Unterstützung.

In Österreich besteht kein Anspruch auf onkologische Rehabilitation. Und lediglich eine Handvoll Einrichtungen bietet überhaupt die Möglichkeit dazu. Dabei erkranken etwa 36.000 Österreicher jedes Jahr an Krebs. Noch vor zwei Jahrzehnten verhieß die Diagnose „Krebs“ in den meisten Fällen nur einen letalen Ausgang. Die Fortschritte in der Medizin ermöglichen es heute immerhin rund 80 Prozent aller Krebspatienten, entweder Heilung oder Langzeitremission zu erreichen.

 

Mit dem Ende einer Krebsbehandlung beginnen viele Probleme erst: „Bei der Tumornachsorge ist die lebenserhaltende körperliche und psychosoziale Rehabilitation der Patienten von hoher Priorität“, sagte Prof. Dr. Christoph Wiltschke von der Klinik für Innere Medizin I an der Medizinischen Universität Wien, als er anlässlich eines Journalistenworkshops über das Thema onkologische Rehabilitation sprach.

Das Ende der Akutbehandlung einer Krebserkrankung bedeutet für viele Patienten die Rückkehr in den Alltag. Nebenwirkungen der Therapie, psychische Probleme und eine deutlich erniedrigte Belastbarkeit erschweren diese Rückkehr erheblich. Eine umfassende Rehabilitation wäre angezeigt, allein: Einen Rechtsanspruch auf eine solche Versorgung gibt es nicht.

Rechtsanspruch auf Reha

Ganz anders stellt sich dagegen die Situation in (fast) allen Ländern der Europäischen Union dar: In Deutschland beispielsweise (rund 246.000 Krebsneuerkrankungen pro Jahr) existieren mittlerweile 200 Einrichtungen zur onkologischen Rehabilitation. 2008 hat die Deutsche Rentenversicherung über 150.000 onkologische Rehabilitationsmaßnahmen bezahlt.

Diese Möglichkeit existiert in Österreich nicht. Lediglich eine Handvoll Einrichtungen bietet onkologische Rehabilitation an. Der Weg zu einer solchen Behandlung ist allerdings steinig: „Onkologische Rehabilitation als Begriff existiert für die Pensionsversicherungsanstalt nicht“, hielt Wiltschke fest. Lediglich über den Umweg einer organspezifischen Rehabilitation erreicht eine geringe Anzahl von Krebspatienten die Möglichkeit einer solchen Nachbehandlung.

Spezielle Bedürfnisse

In Österreich wird Rehabilitation organspezifisch verstanden – also etwa Reha für Menschen mit Lungenkrankheiten, Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates oder Herz-Kreislauferkrankungen. Krebspatienten passen nicht in ein solches Schema. Wiltschke fordert daher die Einrichtung spezieller Rehabilitationszentren für Menschen nach einer onkologischen Therapie. Auch deshalb, weil nach einer Krebserkrankung ganz andere Bedürfnisse vorhanden sind als etwa nach einem Schlaganfall oder einem Bandscheibenvorfall.

„Die onkologische Rehabilitation gewährleistet eine breite Palette an Betreuungs- und Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene“, erklärte Dr. Gabriela Payer-Neundlinger, Betriebsärztin der OMV, im Rahmen des Workshops. „Das Ziel ist es, die Patienten wieder möglichst weitgehend in das berufliche und soziale Umfeld einzugliedern.“

Hilfe bei der Neuorientierung

Die dazu erforderlichen Maßnahmen müssen individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sein und erfordern ein multidisziplinäres Team sowie eine Umgebung, die den Betroffenen die Möglichkeit gibt, so intensiv wie möglich an ihrer Gesundung zu arbeiten.

„Rehabilitation nach einer Krebserkrankung ist keine Wellness-Medizin“, sprach sich Christoph Wiltschke gegen ein weit verbreitetes Vorurteil aus. „Die Akutbehandlung einer Krebserkrankung fordert viel von den Betroffenen.“ Oft führen die therapeutischen Maßnahmen zu unangenehmen Nebenwirkungen, die lange Zeit über das Ende der Akuttherapie hinaus anhalten und das Leben der Patienten beeinflussen.Ein wesentlicher Bestandteil der onkologischen Rehabilitation ist die Psychoonkologie. „Diese Disziplin innerhalb der Psychologie hilft vor allem bei der Neuorientierung und der Suche nach neuen Perspektiven, wenn die Akutbehandlung der Krebserkrankung abgeschlossen ist“, so Prof. Dr. Karin Kalteis vom Berufsverband der PsychologInnen in ihrem Statement.

Von Daten zu Taten

Mit einer ganzen Reihe von internationalen Studien konnte die Wirksamkeit der onkologischen Rehabilitation inzwischen nachgewiesen werden. An der Medizinischen Universität Wien beginnt heuer eine Untersuchung an 50 Patienten, die neue Daten für die Sinnhaftigkeit der Rehabilitation nach einer Krebserkrankung liefern soll. Und eine Arbeitsgruppe innerhalb des Onkologiebeirats arbeitet derzeit an Kriterien, wie onkologische Rehabilitation in Österreich verankert werden kann.

Von Sabine Fisch, Ärzte Woche 6 /2011

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