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Onkologie 15. Dezember 2010

Ziel ist die Heilung

Als Antwort auf die beträchtlichen Unterschiede innerhalb Europas hinsichtlich Monitoring und Behandlung der Philadelphia Chromosom-positiven chronischen myeloischen Leukämie (Ph+ CML) wurde 2007 die European Treatment and Outcome Study (EUTOS) for CML ins Leben gerufen. Ph+ CML betrifft ein oder zwei Personen pro 100.000 im Jahr. EUTOS for CML soll nun einheitliche Daten und damit einerseits ein besseres Verständnis der Erkrankung und andererseits eine optimierte Therapie in ganz Europa bewirken. Aufgrund der guten Erfahrungen mit diesem Programm wurde im vergangenen Herbst dessen Verlängerung um zwei weitere Jahre beschlossen.

Die Prävalenz der CML wird nach heutigen Prognosen in den kommenden Jahrzehnten nicht zuletzt aufgrund der Bevölkerungsentwicklung weiter zunehmen. Mit Imatinib stand im Jahr 2000/01 die erste gezielte Krebstherapie zur Verfügung, der andere Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) gefolgt sind. Die neueste Zulassung wurde für Nilotinib 2010 erteilt, für das ein Jahr zuvor die ersten Resultate der ENESTnd Studie präsentiert wurden. Das 5-Jahres-Überleben von CML-Patienten mit Imatinib beträgt derzeit mehr als 90 Prozent. EUTOS for CML ist eine Zusammenarbeit zwischen dem European LeukemiaNET (ELN) und dem Pharmaunternehmen Novartis mit dem gemeinsamen Ziel, die Behandlung und die Ergebnisse für die Patienten zu verbessern. Dafür wurden vier Schlüsselprojekte etabliert:

  • Ein Patientenregister, um die Inzidenz und die Behandlung der CML verfolgen zu können
  • ein molekulares Monitoring, um den Krankheitsstatus zu erfassen
  • ein Schulungsprogramm, um das klinische Expertenwissen weiterzugeben und
  • ein Blutspiegeltest, um das Therapiemanagement mit Imatinib zu unterstützen.

Insgesamt wurden 4.000 Patienten in EUTOS for CML erfasst. 51 Referenzlaboratorien für das molekulare Montoring konnten standardisiert werden, wobei molekulares Monitoring durch real-time quantitative Polymerase Kettenreaktion (RQ-PCR), dem sensitivsten und genauesten Test für das CML-Monitoring, durchgeführt wird. Ph+ CML ist durch die Abnormität des Philadelphia Chromosoms gekennzeichnet, aus dem das Protein Bcr-Abl hervorgeht, welches wiederum als kausal in der Entwicklung der CML identifiziert wurde. Der Bcr-Abl-Spiegel im Blut korreliert mit der Schwere der Krankheit. Die Experten des European LeukemiaNet empfehlen wiederholtes molekulares Monitoring währen der Targeted Therapy. Weiters sollte das molekulare Ansprechen bei Patienten mit Ph+ CML regelmäßig in dreimonatigen Intervallen erfasst werden. Ein kontinuierliches Absinken der Bcr-Abl Replikationen ist ein Zeichen für ein ideales Ansprechen auf die Therapie. Um allen Patienten die Möglichkeit der besten Behandlung zu geben und die optimale Imatinib-Dosis zu erhalten, stellte EUTOS for CML den kostenlosen Zugang zur Messung des Imabtinib-Spiegels im Blut zur Verfügung.

Verlängertes EUTOS-Programm für „path to cure“

Das verlängerte EUTOS Programm wird nun eine neue „Path to Cure“-Arbeitsgruppe für Ph+ CML einrichten, um Strategien und Projekte zu implementieren, die sich auf eine weiter verbesserte Behandlung konzentrieren. Ein prospektives, bevölkerungsbasiertes Patientenregister, an dem mehr als 2.000 Patienten teilnehmen sollen, wird zum ersten Mal die Behandlung neu diagnostizierter CML-Patienten in ganz Europa erfassen.

Bereits erzielte Ergebnisse und deren Auswirkung beinhalten, so Prof. Rüdiger Hehlmann, Vorsitzender von European LeukemiaNET, die Entwicklung einer neuen prognostischen Bewertung, die die Risikokalkulation der Krankheitsprogression gegenüber bisherigen Methoden vereinfachen soll.

Das neue EUTOS-Projekt wird auch mehr Gewicht auf die Bedeutung des molekularen Monitorings bei Ph+ CML legen, um einen Weg für die Heilung von CML zu finden. Dazu zählt auch die einheitliche Definition eines kompletten molekularen Ansprechens, die verbesserte Entdeckung und die Beobachtung einer Resterkrankung, die Individualisierung der Behandlung, die Optimierung der TKI-Therapie, die Kombination von Therapien ebenso wie Strategien zur Therapiebeendigung. Stehen derzeit Kombinationen mit Interferon α, Toleranzadaptierte Hochdosis Imatinib-Therapie, Zweitgenerations TKIs wie Nilotinib und Dasatinib und die Stammzelltransplantation als Therapieoptionen zur Verfügung, so sollen in Zukunft erweiterte Wege gegangen werden: Unter anderem neue Angriffspunkte, Kombinationstherapien mit zwei TKIs oder der gezielte Angriff auf Ph+ CML leukämische Stammzellen.

Derzeit überleben 90 Prozent der Patienten durch die Behandlung mit TKIs, aber nur bei zehn Prozent ist eine Heilung möglich. Herausforderungen bleiben bestehen, so Hehlmann. EUTOS for CML soll diese in einem gemeinsamen Forschungsansatz bewältigen.

Quelle: Presseinformationen Novartis Pharma

CML-Register für Europa

ENESTnd-Studie
Um die Wirksamkeit und Sicherheit von zwei unterschiedlichen Dosierungen des Zweitgenerations-Tyrosinkinase-Inhibitors (TKI) Nilotinib mit dem Erstgenerations TKI Imatinib bei Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia chromosom-positiver (Ph+) Chronisch Myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (CML-CP) zu vergleichen, läuft derzeit die ENESTnd-Studie. Es handelt sich um eine randomisierte, offene, multizentrische Phase III-Studie mit Cross-over Design mit 846 Patienten, deren primärer Endpunkt der Vergleich der Rate des major molecular response (MMR) gemessen mittels Echtzeit quanititativer Polymerase Kettenreaktion zum Zeitpunkt zwölf Monate ist. Erste Ergebnisse werden für 2013 erwartet.

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