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Onkologie 15. Dezember 2010

Österreichisches CML-Register

Eine Krankheit als Paradigma für die molekulare Medizin

Die chronisch myeolische Leukämie (CML) ist zum Paradigma für die molekulare Medizin geworden, da sie zeigt, wie das Verständnis für molekulare Vorgänge in eine erfolgreiche Therapie umgesetzt werden kann. Die Erfolgsgeschichte der Tyrosinkinasehemmer wird im Krankheitsmanagement dieser Erkrankung besonders deutlich. Allerdings, so die österreichischen onkologischen Experten, fehlen derzeit Langzeitdaten von Patienten, die nicht in klinischen Studien erfasst sind. Daher wurde unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (ÖGHO) das österreichische CML-Register gegründet, „um österreichweit Krankheitsverläufe, Behandlungen, Nebenwirkungen und Therapieansprechen insbesondere auch der nicht in klinischen Studien erfassten Patienten zu erheben und so ein besseres Bild der real-life Situation zu erlauben“, berichtet Stefan Schmidt in der wiener klinischen wochenschrift. Bis zum Auswertungszeitpunkt 20. 3. 2009 wurden 179 Patienten mit 1.012 Follow-ups und einer medianen Beobachtungszeit von 20 Monaten erfasst. „Bevölkerungsbasierte Daten sollen helfen, Probleme in der Langzeittherapie wie Verlust der Einnahmetreue, seltene Nebenwirkungen und die Entwicklung von Resistenzen zu erkennen.“

Die erste Auswertung gibt vor allem eine Bestandsaufnahme wider. So nahmen 26 Zentren an dem österreichweiten Register teil. Die mittlere Anzahl an Follow-Ups pro Patient betrug 4.45 mit einer erheblichen Spannbreite zwischen den einzelnen Zentren. Die mittlere Beobachtungszeit pro Patient betrug 20 Monate, wobei die längste Dauer bei 109 Monaten lag und 37 Patienten wurden seit mehr als fünf Jahren nachbeobachtet. 103 der 179 registrierten Patienten sind männlich, 76 weiblich. Das mittlere Alter zum Zeitpunkt der Diagnose betrug 53 Jahre, von 17 bis 88 Jahren reichend. Die mittlere Krankheitsdauer betrug insgesamt 4.6 Jahre. Fast alle Patienten befanden sich in einem guten Allgemeinzustand (ECOG 0–1). Die Mehrzahl der Patienten befand sich zur Zeit der Aufnahme in das Register in früher (n=126), später (n=22) oder sekundärer (n=3) chronischer Phase. Nur vier Personen befanden sich in der akzelerierten Phase, bei acht Patienten war die CML nicht spezifiziert.

Die Komorbiditäten wurden sechs Organsystemen zugerechet. Diese wurden für insgesamt 160 Patienten bezogen auf das kardiale (n=44), gastrointestinale (36), renale (n=26), pulmonale (n=21), neurologische (n=16) und hepatische (n=11) System erhoben.

Stellenwert der TKIs

Die Behandlungsoptionen wurden unterteilt in TKIs, Stammzelltransplantation, Cytarabin, Busulfan, Hydroxyurea, Interferon und Impfung. Die meisten Patienten, die einmal mit einem TKI begannen, (n=137) blieben bei dieser Therapie. Nur eine Minderheit von zwölf Patienten wechselte vorübergehend oder bleibend zu entweder einer Monotherapie mit Hydroxyurea, Interferon, Cytarabin oder Kombinationen daraus. Die Mehrheit der Patienten (n=81) erhielt den Erstgenerations-TKI (Imatinib) in unveränderter Dosis, bei 56 Patienten wurde die TKI-Behandlung entweder hinsichtlich der Dosis verändert oder es wurde ein anderer TKI der zweiten Generation eingesetzt. Der Grund für Behandlungsänderungen waren Toxizität bei sechs Patienten, Therapieversagen bei zwei Patienten und bei vier Patienten wurden keine Gründe angegeben.

15 Patienten erhielten niemals einen TKI während der Beobachtung, darunter befanden sich zehn, die eine Hydroxyurea-Monotherapie erhielten, ein Patient erhielt eine Cytarabin-Monotherapie und die anderen verschiedene Kombinationen. Jene Patienten, für die genügend Daten zur Verfügung standen, erhielten Imatinib für eine mediane Dauer von 756 Tagen, Dasatinib für 199 Tage und Nilotinib für 90 Tage. Fünf Patienten wurden wegen Auffälligkeiten im Ansprechen oder aus anderen Gründen auf Mutationen des Bcr-Abl Fusionsgens untersucht, es wurden jedoch keine Mutationen entdeckt. Zur Feststellung des Ansprechens ersetzen die ELN-Empfehlungen, die sich aus hämatologischen, zytogenetischen und molekularen Markern zusammensetzen, die früher gebräuchlichen.

Die Etablierung neuer TKIs ebenso wie die neuen Empfehlungen für das Therapieansprechen lassen die Studienautoren erwarten, dass bereits im nächsten Follow-Up Auswertungen über Subgruppen, die bereits früher diagnostiziert wurden und daher noch ältere Therapieregime aufwiesen, möglich sein werden. Auch erwartet man sich, dass das Register eine wertvolle Quelle für das Management bei Behandlungsversagen darstellen wird.

Im Gegensatz zu klinischen Studiendaten kann dieses bevölkerungsbasierte Register Aspekte des CML-Managements, wie die Einhaltung der ELN-Empfehlungen und die Brauchbarkeit und Durchführbarkeit diese Empfehlungen, in der Praxis aufzeigen. Viele wichtige Aspekte der Langzeittherapie mit TKIs ebenso wie der Verlauf bei mehrfach vorbehandelten Patienten können nur durch derartige bevölkerungsbasierte Studien erfasst werden, stellen die Autoren fest.

Quelle: Stefan Schmidt, Dominik Wolf, Josef Thaler, Sonja Burgstaller, Wolfgang Linkesch, Andreas Petzer, Michael Fridrik, Alois Lang, Hermine Agis, Peter Valent, Otto Krieger, Alois Walder, Markus Korger, Ernst Schlögl, Tamer Sliwa, Ernst Wöll, Manfred Mitterer, Wolfgang Eisterer, Michael Pober, Günther Gastl; on behalf of the ASHO CML registry: First annual report of the Austrian CML registry, in: Wien Klin Wochenschr (2010) 122: 558.566

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