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Onkologie 29. Oktober 2010

Medikamentöse Krebstherapien

Biotechnologie und Biosimilars in Targeted Therapies, Chemo- und Supportivtherapien

Biologika haben die internistisch-onkologische Therapie in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert: Effizientere, zielgerichtete Medikamente ebenso wie neue Instrumente für die Supportivtherapie verlängern das Überleben bei erhöhter Lebensqualität. Mit dem Auslaufen der Patente auf die Originalmedikamente kommen auch Biosimilars auf den Markt, die unter genauer Prüfung und jedenfalls unter Aufsicht des behandelnden Arztes eingesetzt werden können.

Als Begründer der zielgerichteten Therapie nannte Univ.-Prof. Dr. Gabriele Kornek, Univ.-Klinik für Innere Medizin, Klin. Abteilung für Onkologie, AKH Wien, kürzlich bei einer Expertenveranstaltung von AMGEN in Wien Paul Ehrlich. „Das in den frühen 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte Anti-Östrogen Tamoxifen war das erste rationell entwickelte zielgerichtete antitumorale Medikament.“ Mittlerweile, so Kornek, seien vier monoklonale Antikörper und sechs Tyrosinkinaseinhibitoren für die Behandlung solider Tumoren zugelassen.

Die hohe Komplexität der Behandlung aber auch die Komorbiditäten und möglichen Nebenwirkungen der Therapie bedürfen von Beginn an eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, unterstrich Kornek. Deshalb sollten Kompetenzzentren über regelmäßig stattfindende interdisziplinäre Tumorboards verfügen. Je nach Tumorentität sollten daran Diagnostiker (Radiologie, Nuklearmedizin, Endoskopie, Pathologie, Speziallabor), Fachärzte der chirurgischen Fächer (Chirurgie, HNO und Kieferchirurgie, Gynäkologen, Neurochirurgen, Urologen, Orthopäden, plastische Chirurgen, Dermatologen etc.), internistische Onkologen, Radioonkologen und interventionelle Radiologen beteiligt sein.

Ein wesentlicher Aspekt der medikamentösen Krebstherapie ist die Einhaltung der Dauer und Intensität, was durch supportive Therapien heute in höherem Maße möglich ist als noch vor 15 bis 20 Jahren. Wachstumsfaktoren tragen unter anderem zur besseren Verträglichkeit der Therapie bei, berichtete OA Dr. Clemens Leitgeb, Med. Abt. – Zentrum für Onkologie und Hämatologie, Wilhelminenspital, Wien. Diese gentechnisch hergestellten Medikamente werden zur Stimulation des hämatopoietischen Systems eingesetzt und sind vor allem für die Stimulatoren der weißen und der roten Blutzellen von größerer klinischer Relevanz – zur Aufrechterhaltung des Immunsystems einerseits und zur Behandlung der häufig auftretenden Anämie andererseits.

Als konkretes Beispiel der positiven Entwicklungen in der medizinischen Krebsbehandlung nannte Kornek das Kolorektalkarzinom: „Die mediane Überlebenszeit bei der metastasierten Erkrankung konnte von sechs Monaten (bis zu den frühen 90er-Jahren erfolgte in der Regel keine Chemotherapie) dank der neuen Zytostatika und der Verfügbarkeit monoklonaler Antikörper auf mittlerweile drei Jahre verlängert werden. Im Falle einer kurativen Lebermetastasenresektion, welche in etwa 30 Prozent der Patienten mit primär nicht-operablen Metastasen nach erfolgreicher Chemotherapie realisiert werden kann, sind Überlebenszeiten von mehreren Jahren möglich. Das 5-Jahresüberleben liegt zwischen 25 und 30 Prozent. Für einige maligne Erkrankungen wie das Nierenzellkarzinom, gastrointestinale Stromatumoren oder ZNS-Tumoren, die bislang als therapierefraktär galten, wurden darüberhinaus Substanzen entwickelt, die zu beachtlichen Therapieerfolgen geführt haben, stellte Kornek fest. Biomarkertests sollen in Zukunft für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept erstellen, um die Erkrankung noch effizienter bekämpfen zu können.

Als Beispiel für eine Umstellung von Biologika auf Biosimilars beschrieb Univ.-Prof. Dr. Günther Gastl, Medizinische Universität Innsbruck, die Supportivtherapien. Die Europäsiche Arzneimittelbehörde EMA gebe dazu in Leitlinien Regeln und Vorsichtsmaßnahmen ebenso vor, wie nationale und internationale Richtlinien von medizinischen Fachgesellschaften (z. B. ÖGHO-Positionspapier). „Die Verschreibung von Biosimilars muss in jedem Fall durch einen Arzt erfolgen“, betonte Gastl, „ein automatischer Wechsel von originärem Biopharmazeutikum auf ein Biosimilar z. B. durch einen Pharmazeuten/Apotheker ist unzulässig.“ Die EMA stellt an Biosimilars jedenfalls wesentlich höhere Anforderungen für die Zulassung als an Generika.

Quelle: Presseinformation AMGEN Press.Academy

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