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Onkologie 22. Juni 2010

Vielversprechende neue Technik bei rezidivierendem Glioblastom

Elektrische Wechselfelder an der Kopfhaut

Bei der neuen Behandlungsmethode namens NovoTTF werden elektrische Wechselfelder (Tumortherapiefelder oder TTFelder) an der Kopfhaut der Patienten angebracht, erklärte Dr. Roger Stupp vom Universitätsspital Lausanne. Die vom NovoTTF-100A Gerät erzeugten elektrischen Wechselfelder (100 bis 300 kHz) stören die Zellteilung und das Zusammensetzen von Organellen; die Hypothese lautet, dass dadurch das Tumorwachstum gehemmt wird.

Bei der vorliegenden Untersuchung wurden Patienten mit rezidiverendem Glioblastom entweder auf die TTF-Behandlung (20 oder mehr Stunden täglich, sieben Tage pro Woche) oder auf die aktive Kontrollbehandlung mit bester Standard-Chemotherapie randomisiert. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben; als sekundäre Endpunkte galten progressionsfreies Überleben zu sechs Monaten, die Ansprechrate und Messungen der Lebensqualität. Analysiert wurden sowohl die Intent-to-treat (ITT) Population (n=237) als auch die per-Protokoll (PP) Population (185), die zumindest eine einmonatige NovoTFF-Behandlung oder einen Chemotherapie-Zyklus erhalten hatte.

Minimale Toxizität

Die Ansprechrate war 11,7 Prozent in der Behandlungsgruppe und 5,9 Prozent in der Kontrollgruppe der ITT-Population und 15,1 Prozent beziehungsweise 7,6 Prozent in der PP-Population. Hinsichtlich des Gesamtüberlebens zeigte sich ein nicht-signifikanter Unterschied zugunsten von NovoTTF. Die Toxizität war minimal und die Compliance der Patienten in der Behandlungsgruppe sehr gut.

„Nichts weist darauf hin, dass diese Behandlung inferior zur Chemotherapie ist“, betonte Stupp. „Meiner Meinung nach sind dies beeindruckende Ergebnisse für Patienten, die ohne Chemotherapie behandelt wurden.“

In einem Kommentar meinte die Diskutantin Dr. Alba A. Brandes vom Azienda Unità Sanitaria Locale in Bologna: „Obwohl der primäre Endpunkt in der ITT-Evaluation nicht erreicht wurde, zeigte das Überleben in der PP-Analyse eine signifikante Verlängerung – 7,8 Monate verglichen mit 6,1 Monaten. Ein weiterer Vorteil der Behandlung ist, dass es keine pharmakokinetischen Interaktionen mit zytotoxischen Wirkstoffen geben sollte und daher dieser Ansatz potenziell auch mit anderen Behandlungen kombiniert werden könnte.“

Von Lydia Unger-Hunt, Ärzte Woche 25 /2010

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