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Kein lebensverlängernder Nutzen durch die Axilladissektion?
 
Onkologie 22. Juni 2010

Knoten dürfen bleiben

Keine Unterschiede in Bezug auf Fünf-Jahres-Überleben und Rezidive mit oder ohne Axilladissektion: So lautet das Ergebnis der ACOSOG Studie Z0011, die den Nutzen einer Axilladissektion bei Frauen mit klinisch nodal-negativem Mammakarzinom und positiver Sentinel-Node-Biopsie untersuchte.

Z0011 schloss 891 Frauen mit klinisch nodal-negativer Erkrankung ein, die drei oder weniger Sentinel-Lymphknoten mit Metastasen (HE Färbung) aufwiesen. 446 Patientinnen wurden auf keine weitere axilläre Behandlung randomisiert, 445 auf eine Axilladissektion. Da einige Patientinnen beschlossen, aus der Studie auszutreten, betrug die schlussendliche Intent-to-treat-Population jeweils 436 und 420. Bei 106 Patientinnen der Axilladissektionsgruppe wurden über den Sentinel-Lymphknoten hinaus weitere positive Lymphknoten entfernt. Die beiden Gruppen waren ähnlich bezüglich Alter, Tumorgröße, Bloom-Richardson Score, Östrogenrezeptor-Status, adjuvanter systemischer Therapie, Tumortyp und Tumorstadium. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 6,3 Jahre.

Überlebensrate gleich

Dr. Armando E. Giuliano vom John Wayne Cancer Institute in Kalifornien, der die Studie beim ASCO vorstellte: „Wir konnten keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich 5-Jahres-in-Brust-, nodalem oder gesamtem lokoregionalen Rezidiv beobachten. Das 5-Jahres-Überleben war ebenfalls für beide Gruppen gleich.“ Auch hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens wurde kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt.

Dr. Giuliano wies außerdem darauf hin, dass die Studie zwar wegen ungenügender Patientinnenrekrutierung frühzeitig geschlossen werden musste. Trotzdem handle es sich hierbei „um die größte Phase-III-Studie der axillären Lymphknotendissektion für Sentinel-Node-positive Frauen. Und sie zeigte keinen Trend für einen klinischen Nutzen der Axilladissektion in dieser Patientenpopulation. Trotz des weit verbreiteten Glaubens, dass die Axilladissektion das Überleben verbessert, deuten die Ergebnisse unserer Studie darauf hin, dass die Operation vielleicht nicht nötig sein müsste.“ Der Experte betonte jedoch, dass dies nur für Frauen gelte, die sich nach der Lymphadenektomie einer Strahlentherapie der gesamten Brust unterziehen. Frauen, bei denen eine komplette Mastektomie durchgeführt wird, seien von dieser Schlussfolgerung ausgeschlossen, da diese Patientinnen typischerweise keine Strahlentherapie erhalten.

Nur bei guter Prognose gültig

Am ASCO selbst kommentierte Dr. Jennifer K. Litton vom M.D. Anderson Cancer Center in Houston: „In diese Studie wurden nur Patientinnen mit relativ guter Prognose eingeschlossen, außerdem benötigen wir eine längere Nachbeobachtungszeit. Grundsätzlich könnten diese Ergebnisse zu einer Änderung in der Praxis führen, allerdings wird dies sicher nicht über Nacht passieren. “

Von Lydia Unger-Hunt , Ärzte Woche 25 /2010

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