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Onkologie 22. April 2010

Auch ältere Patienten profitieren

Blutbildende Stammzellen als große Hoffnung der Hämato-Onkologie

Der Opernsänger José Carreras ist wohl der bekannteste Patient mit einer hämato-onkologischen Erkrankung, der durch eine Knochenmarktransplantation geheilt werden konnte. Jährlich werden weltweit mehr als 50.000 Patienten mit einer Knochenmarktransplantation behandelt. Die Therapiemöglichkeiten konnten mit dieser Methode ausgeweitet und verbessert und die Heilungsraten verbessert werden. Neue Konzepte und Erkenntnisse standen vom 21. bis 24. März im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung der European Group for Blood and Marrow Transplantation in Wien.

Schwerpunkte des Treffens bildeten die allogene Stammzelltransplantation beim älteren Patienten, das alternde Immunsystem und die Immunregeneration, Stammzellforschung und die Toleranzinduktion im Rahmen einer Transplantation solider Organtransplantation durch allogene Stammzelltransplantation, Nabelblutstammzelltransplantation, Biomarker und die Abstoßungsreaktion in der Form der Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung (graft versus host disease = GVHD) sowie pädiatrische Perspektiven.

Die Hämatopoietische Stammzelltransplantation (HCT) kann entweder mit Zellen des Patienten selbst mit entsprechender Konditionierung, also autolog, erfolgen oder die Zellen können von einem passenden Spender stammen und in Form einer allogenen Transplantation verabreicht werden. Die im Knochenmark liegenden Stammzellen und die von ihnen krankhaft verändert gebildeten Blutzellen werden durch hochdosierte Chemo- und Strahlentherapie zerstört und anschließend die gesunden Stammzellen in den Blutkreislauf infundiert, die sich in die Markhöhlen der Knochen bewegen, wo sie nun gesunde Blutzellen bilden. Verbesserte Behandlungsmaßnahmen, eine präzisere Gewebetypisierung, die Umstellung von Knochenmark auf Blutstammzellen und bessere Möglichkeiten der Immunsuppression haben zu mittlerweile hohen Erfolgsraten bei der Behandlung geführt.

Die Liste der Krankheiten, bei welchen eine HSCT durchgeführt wird, wächst schnell. Mehr als die Hälfte der autologen Transplantationen werden bei multiplem Myelom und Non-Hodgkin-Lymphom durchgeführt. Der überwiegende Anteil der allogenen Transplantationen werden bei hämatologischen oder Lymphkrebserkrankungen angewendet. Bei vielen der Indikationen für eine allogene Transplantation kommt eine Nabelschnurtransplantation zum Einsatz, wenn kein geeigneter HLA-passender Spender gefunden werden kann oder die Zeit für diese Suche zu knapp ist. Die Erfolge der allogenen HCT hängen sehr stark von internationalen Kooperationen ab, die möglichst gut übereinstimmende, nicht-verwandte Stammzellspender innerhalb kurzer Zeit auffinden können.

Für die Gruppe der Patienten mit schweren Vorerkrankungen oder höherem Alter, für die eine hochdosierte Chemotherapie bisher zu belastend war, konnte eine Forschungsgruppe am Wiener AKH eine Methode entwickeln, die durch Nutzung der Graft-versus-Host-Reaktion in Kombination mit einer vorgeschalteten, dosisreduzierten Chemotherapie die Leukämie- und Tumorzellen zerstören und damit beträchtliche Heilungserfolge erzielen kann. Schwere Verlaufsformen der GVHD konnte die Wiener Gruppe mit Hilfe einer extrakorporalen Photopherese unter Kontrolle bringen.

Grundsätzlich, so Prof. Dietger Niederwieser, der Präsident der EBMT, habe man gelernt, dass die möglichst genaue Typisierung des Empfängers und des Spenders bei der allogenen HCT von großer Bedeutung für den Behandlungserfolg sei, aber auch die Auswahl des Zeitpunkts für die Transplantation.

ki

Quelle: Pressekonferenz 36. Jahrestagung der European Group for Blood and Marrow Transplantation, 21. Bis 24. März 2010, Wien

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