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Onkologie 22. April 2010

Bessere Wirkung, weniger Nebenwirkungen

Neue Therapieoptionen bei hämato-onkologischen Erkrankungen

Neue Medikamente und neue Therapiestrategien bei einzelnen onkologischen Erkrankungen des Blutsystems ermöglichen in vielen Fällen besseres Therapieansprechen, längeres Überleben und eine Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Der aktuelle Stand der Dinge stand beim 41. Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie Ende vergangenen Jahres in New Orleans zur Diskussion.

Jüngere Patienten mit einem Alter unter 65 Jahren profitieren von einer Behandlung mit Kombinationstherapien, die neue Medikamente enthalten und vor der Stammzelltransplantation verabreicht werden: Sie zeigte, so Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig in einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse, im Vergleich zu Kombinationen mit „älteren“ Medikamenten signifikant bessere Ansprechraten vor und nach der autologen Stammzelltransplantation (ASCT) und längeres progressionsfreies Überleben (PFS). Die zur Anwendung kommenden neuen Medikamente waren Bortezomib und Lenalidomid, die jeweils mit Dexamethason, Thalidomid und/oder Cyclophosphamid verabreicht wurden. Die so erreichten Remissionsraten vor ASCT konnten dann durch die Transplantation weiter gesteigert werden. Der Vergleich von Bortezomib plus Dexamethason mit niedrig dosiertem Bortezomib plus Thalidomid und Dexamethason ergab eine höhere Ansprechrate für die Tripplekombination bei sehr guter Toleranz. Die Inkludierung von Bortezomib oder Lenalidomid in die Konsolidierungstherapie nach Stammzelltransplantation erhöhte die Rate kompletter Remissionen nach Transplantation signifikant.

Bei älteren Patienten wurde, so Ludwig, der Vorteil einer Erhaltungstherapie mit Lenalidomid nun klar bestätigt. Weiters wurde in dieser Patientengruppe gezeigt, dass eine Induktionstherapie mit Bortezomib, Melphalan, Prednisolon und Thalidomid (VMPT) mit nachfolgender Erhaltungstherapie aus Bortezomib plus Thalidomid gegenüber einer Induktionstherapie ohne Thalidomid und ohne Erhaltungstherapie eine bessere Remissionsqualität als auch eine längeres PFS erreicht. Eine verbesserte Verträglichkeit und damit auch weniger Therapieabbrüche mit einer Kombinationstherapie mit Bortezomib konnte durch die Reduktion der Häufigkeit der Bortezomib-Applikation von zweimal wöchentlich auf einmal wöchentlich bei gleichbleibender Wirkung erzielt werden. Bortezomib-basierte Therapien seien auch in der Lage, die meisten negativen Auswirkungen einer ungünstigen zytogenetischen Konstellation zu überwinden.

Eine Metaanalyse von fünf Studien zeigte nun nach zuvor uneinheitlichen Ergebnissen für Thalidomid in der Kombination mit Mephalan und Prednisolon eine signifikant höhere Ansprechrate, längere PFS und auch längere Gesamtüberlebenszeit (OS) gegenüber einer Kombination ohne Thalidomid.

Wichtig für den Therapieerfolg: Der Allgemeinzustand

Es kommt aber nicht nur auf das Alter des Patienten an, sondern auch auf seinen Allgemeinzustand, stellt Univ.-Prof. Dr. Johannes Drach, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Wien, fest. Ein guter Allgemeinzustand auch des jüngeren Patienten sei für die Induktionstherapie vor der geplanten ASCT wesentlich, um gute Ergebnisse zu erreichen. Dann kann mit Bortezomid-hältigen Kombinationen in drei bis vier Zyklen bei 90 Prozent der Patienten zumindest einen partielle Remission erzielt werden, in einem erheblichen Anteil sogar bereits eine komplette Remission. Die Nebenwirkungen seien, so Drach, meist gering. Auch für Lenalidomid liegen nun erste vielversprechende Ergebnisse beim Einsatz in der Induktionstherapie mit gutem Ansprechen und zur möglichen Stammzellsammlung vor. Beide neuen Substanzen – Bortezomib und Lenalidomid – haben in neueren Studien darüberhinaus zu Verbesserungen des Remissionsstatus in der Konsolidierungsphase nach Transplantation geführt.

In der Rezidivtherapie stehen bereits zahlreiche neue Substanzen zur Verfügung. So scheint beispielsweise die alkylierende Substanz Bendamustin beim relapsierten Myelom in Kombination mit Cortison oder auch mit Bortezomib eine sehr effektive Therapieoption darzustellen.

Als aussichtsreichste neue Substanzen führten Ludwig und Drach den neuen Protease-Inhibitor Carfilzomib und den oral verabreichbaren Immunmodulator Pomalidomid an, die derzeit in klinischen Studien geprüft werden. Ansprechraten von 45 Prozent als Monotherapie Carfilzomib bei Patienten mit relapsierten/refraktären Multiplen Myelomen, gute Verträglichkeit ohne Auftreten signifikanter Neuropathien und beträchtliche Wirkung von Pomalidomid bei umfangreich vorbehandelten Patienten zeigen ein großes Potential dieser Substanzen. Selbst bei mit Bortezomib oder Lenalidomid vorbehandelten Patienten konnte in einigen Fällen noch ein Ansprechen erreicht werden.

Gute Verträglichkeit der neuen Substanzen

Bei Hochrisikopatienten mit Myelodysplastischem Syndrom ist die Therapie mit Azacytidin seit der Aza 001-Studie etabliert, stellte Univ.-Doz. Dr. Michael Pfeilstöcker, 3. Med. Abt. für Hämatologie und Onkologie am Hanusch Krankenhaus in Wien fest. Bei Patienten mit Niedrig Risiko lassen sich mit Lenalidomid sehr hohe Ansprechraten erzielen. Ältere Patienten, die für eine Chemotherapie nicht mehr geeignet sind, profitieren, Studienergebnissen zufolge, besonders aufgrund der guten Verträglichkeit von Azacytidin. Untersucht wird derzeit die Wirksamkeit von Alemtuzumab als immunsuppressive Substanz bei MDS, wobei Daten einer Phase II-Pilotstudie anhaltende Remissionen bei Patienten mit mittlerem Risiko, günstigem Alter und passendem HLA-Status zeigten, berichtet Pfeilstöcker. Um die transfusionsbedingte Eisenüberladung bei Niedrigrisiko MDS-Patienten zu therapieren, hat sich der orale Eisenchelator Deferasirox etabliert.

Bendamustin verbessert Theapie bei NHL

Bei Non-Hodgkin-Lymphomen konnte gezeigt werden, dass die Kombination von Bendamustin mit Rituximab in der Erstlinienbehandlung von Patienten mit therapiebedürftigen indolenten B-zelligen Non Hodgkin Lymphomen in allen relevanten Studienendpunkten signifikant besser abschnitt als die Standardinduktions-Chemo/Immuntherapie.

Die mediane Zeit bis zur nächsten notwendigen Behandlung war länger, das PFS konnte um 20 Monate verlängert werden und die Anzahl der kompletten Remissionen stiegt von 30 auf 40 Prozent. Darüberhinaus war die Kombination mit Bendamustin deutlich besser verträglich und Haarausfall blieb in dieser Gruppe fast gänzlich aus. Rituximab + Bendamustin hat ein großes Potential, ein neuer Standard bei der Erstlinientherapie indolenter Non-Hodgkin-Lymphome zu werden“, stellte Dr. Thomas Nösslinger, 3. Med. Abt. für Hämatologie und Onkologie am Hanusch Krankenhaus in Wien, fest.

Erstmals Therapiefortschritt bei CLL

Im Zusammenhang mit Chronisch-lymphatischer Leukämie (CLL) zeigte das beim ASH präsentierte Update der CLL-8-Studie eine Verdoppelung der CR-Rate von 22 auf 44 Prozent mit der um Rituximab erweiterten Kombination Fuldarabin + Cyclophosphamid. Das progressionsfreie Überleben konnte um 20 Monate verlängert werden. Erstmals, so Nösslinger, konnte damit in einer randomisierten Studie ein signifikanter Überlebensvorteil für ein Therapieschema in der Erstbehandlung der CLL gezeigt werden.

Quelle: http://www.myelom.at/de/neues/ash2009.htm

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