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Abb. 1: Graphische Oberfläche des EORTC–QLQ-C30 am Tablet-PC

Abb. 2: Graphische Darstellung der Auswertung am PC

 
Onkologie 3. April 2010

Erfassen der Lebensqualität in der Onkologie

In die tägliche onkologische Routine implementieren

Der Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wird im Rahmen onkologischer Behandlungen seit einiger Zeit zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Der Faktor Lebensqualität spielt in unserer Wahrnehmung gerade dann eine wichtige Rolle, wenn Patienten ausschließlich palliativ behandelt werden und wenn der Zugewinn an Lebenszeit durch eine Therapie eher gering ausfällt. Trotz laufender Bemühungen, die gesundheitsbezogene Lebensqualität in die Entscheidungen der onkologischen Routinearbeit zu integrieren, sind die Fortschritte in der klinischen Praxis noch sehr gering.

Schwierigkeiten beim Erfassen der Lebensqualität

Die Erfassung der Lebensqualität sowie einzelner Parameter außerhalb der klassischen Symptomkomplexe, wie z. B. gastrointestinaler Störungen oder Schmerzen und ihre Wahrnehmung als wesentliche Entscheidungsgrundlage für unser ärztliches Handeln, werden durch folgende Umstände erschwert:

 

  • Es existiert keine allgemeingültige Definition der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Eine zumindest weithin akzeptierte operationale Definition lautet: „Gesundheitsbezogene Lebensqualität ist ein multidimensionales Konstrukt, das körperliche, emotionale, mentale, soziale, spirituelle und verhaltensbezogene Komponenten des Wohlbefindens und des Handlungsvermögens aus der subjektiven Sicht des Betroffenen beinhaltet.“
  • Lebensqualität darf demnach nicht einfach mit dem Begriff Wohlbefinden gleichgesetzt werden.
  • Das ärztliche Gespräch ist oft unzureichend, um wesentliche Parameter der Lebensqualität außerhalb einfacher Symptomkomplexe zu erfassen. Die Selbsteinschätzung durch Patient und Arzt divergiert oft erheblich.
  • Nachdem krankheits- und behandlungsbezogene Symptome oder Beschwerden im Laufe einer Erkrankung bzw. Behandlung unterschiedlich bewertet werden können und auch einen unterschiedlichen Einfluss auf die Gesamtlebensqualität haben, erfordert die Interpretation von Lebensqualitäts-scores die Verfügbarkeit von Referenzwerten spezifischer Vergleichsgruppen.
  • Erhebungen der Lebensqualität im Rahmen klinischer Studien beziehen sich auf Vergleichsgruppen und lassen keine Rückschlüsse auf den einzelnen Patienten zu. Ihre Resultate ergeben nur grobe Richtwerte für die klinische Routine.
  • Nachdem zahlreiche klinische Studien meist keine oder nur sehr wenige ältere Patienten (> 70a) einschließen, ist unser Wissen, was die Lebensqualität dieser Patientengruppe während einer onkologischen Therapie betrifft, sehr beschränkt.

Verbesserungsansätze

Eine Verbesserung dieser Situation kann letztendlich nur durch die Implementierung eines validierten Fragebogens zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität in die tägliche Routinearbeit erzielt werden. Damit erhält der behandelnde Arzt jene Patienten-bezogenen und damit individuellen Informationen zur Lebensqualität, die sonst oft unzureichend erfasst werden, und die eine, für die meisten Ärzte neue, qualitativ hochwertige Gesprächsbasis darstellen. Die derzeit weltweit am häufigsten verwendeten Fragebögen zur Erfassung der Lebensqualität in der Onkologie sind der FACT-G und der EORTC QLQ-C30. Diese Fragebögen sind bei allen onkologischen Patientengruppen einsetzbar und können jeweils mit spezifischen Modulen für verschiedenste onkologischen Diagnosen ergänzt werden. Um eine rasche Analyse der Fragebögen und auch eine graphisch aufbereitete, ansprechende Darstellung der Ergebnisse zu erhalten, ist eine computergestützte Erhebung unverzichtbar.

Langzeiteffekte schwierig zu erkennen

Offen bleibt derzeit noch die Frage der in den klinischen Alltag integrierbaren Erhebungssequenz und der Dauer der Lebensqualitätserhebung nach Ende einer Behandlung, um Langzeiteffekte zu erkennen. Obwohl die Verwendung von Computern zur Erhebung der Lebensqualität in der klinischen Routine notwendig ist, stellt diese technisierte Form für einige ältere Patienten ein erhebliches Problem dar. Deshalb ist gerade bei diesen Patienten die assistierte Form der Erhebung durch eine geschulte Person eine sinnvolle Lösung, um valide LQ-Daten zu erhalten.

Umgang mit der Problematik im KH Kufstein

An der Abteilung für Innere Medizin des Krankenhauses Kufstein erfolgt, in enger Zusammenarbeit mit dem Department für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Innsbruck, routinemäßig die computergestützte Erhebung der LQ bei Patienten, die zur Chemotherapie tagesklinisch oder für kurze Zeit stationär aufgenommen werden. Verwendet wird auf einem Tablet-PC der validierte Fragebogen EORTC – QLQ-C30 mit einer eigens dafür entwickelten Software (CHES) (Abb. 1 und 2). Damit erfolgen die elektronische Auswertung und graphische Darstellung der LQ-Daten ohne Zeitverlust.

Im Rahmen der Präsentation erfolgt eine kurze Darstellung der bisher im Rahmen dieses Projektes erhobenen Daten von etwa 700 Patienten, 226 davon älter als 65 Jahre, mit 1013 LQ-Erhebungen bei den älteren Patienten.

Zur Person
OA Dr. August Zabernigg
Abteilung Innere Medizin II, Onkologie
A. ö. Bezirkskrankenhaus Kufstein
Endach 27
6330 Kufstein
Fax: ++43/5372/6966-1930
E-Mail:

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