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Onkologie 3. April 2010

Therapie des kolorektalen Karzinoms

Ewald Wöll, Zams

Toxizität bei älteren PatientInnen mit Komorbiditäten

Adjuvante Therapie

Die Wirkung der adjuvanten Therapie im Sinne einer Mortalitätsreduktion ist in den ersten Jahren nach Auftreten der Erkrankung besonders bedeutsam. Das bedeutet, dass in Abhängigkeit der Überlebenszeit auch bei älteren Patienten ein Vorteil durch eine adjuvante Therapie erzielt werden kann, wobei dieser, verglichen mit jüngeren Patienten, nicht wesentlich unterschiedlich ist. Eine rezente Metaanalyse zeigt jedoch, dass die Zugabe von Oxaliplatin mit erhöhter Toxizität verbunden ist.

Palliative Therapie

Auch bei älteren Patienten zeigt sich eine ähnlich geartete Lebenszeitverlängerung und Lebensqualitätsverbesserung wie bei jüngeren Patienten, wobei das auch für intensivere Kombinationstherapien sowie monoklonale Antikörper gezeigt werden konnte. Bei älteren Patienten, die in diesen Studien jedoch häufig unterrepräsentiert sind, ist die Verbesserung durch die Zugabe einer Zweierkombination erreichbar. Leider jedoch zum Preis einer etwas höheren Toxizität. In einer retrospektiven Auswertung von über 80-jährigen Patienten konnte gezeigt werden, dass ein medianes Überleben von 20,6 Monaten erreicht werden kann. 70 % der Patienten in der Studie mussten hospitalisiert werden und fast 50 % der Patienten entwickelten schwere Diarrhoen als Nebenwirkung. Bezüglich der monoklonalen Antikörper Cetuximab, Bevacizumab und Pamitumumab zeigt sich, dass diese auch bei älteren Patienten einsetzbar sind. Jedoch muss hier besonderes Augenmerk auf das Nebenwirkungsprofil gelegt werden.

Chemotherapie bei Komorbiditäten

5 FU

Hier ist bei über 70-Jährigen mit vermehrter Mukositis, Diarrhoe und Hämatotoxizität zu rechnen, der Metabolismus ist bei kontinuierlicher Infusion wenig unterschiedlich, bei kardialer Vorerkrankung, insbesondere KHK, ist jedoch eine kardiale Nebenwirkungsrate in 6 bis 16 % der Fälle zu erwarten, hier könnten Patienten möglicherweise von einer stationären Betreuung (Infusionales 5 FU) profitieren. Als Alternative wäre hier z. B. Raltitrexed anzusehen. Die Dosis muss jedoch bei Niereninsuffizienz angepasst werden. Besonders bei Patienten, die aufgrund von Medikamenten unter Sicca-Symptomatik leiden oder die steroidbedingte Schleimhautveränderungen aufweisen, ist mit einer erhöhten Mucositisrate unter 5 FU zu rechnen. Hier ist auf eine Prophylaxe Wert zu legen.

Capecitabin

Beim älteren Patienten ist hier eine Dosisreduktion durchzuführen. In mehreren großen Studien wird bei über 70-jährigen Patienten eine Maximaldosis von 2 g / m2 pro Tag angesehen. Bei Niereninsuffizienz (Kreatininclearance zwischen 30 und 50 ml pro Minute) ist die Dosis um weitere 25 % zu reduzieren. Zu beachten ist auch, dass bei diesen Patienten ein Hand-Fuß-Syndrom möglicherweise weitreichende Auswirkungen hat.

Irinotecan

Hier zeigt sich ein ähnliches Toxizitätsprofil, jedoch sind Diarrhoen bei älteren Patienten möglicherweise aufgrund der eingeschränkten Reservekapazität mit erhöhter Morbidität verbunden.

Oxaliplatin

Hier ist das Toxizitätsprofil ebenfalls ähnlich, jedoch aufgrund der Komorbiditäten (z. B. diabetischer Polyneuropathie) kann die Auswirkung stärker sein. Hier ist eine primäre Dosisreduktion oder eine Kontraindikation zu beachten.

Fazit

In Summe ist jedoch zu betonen, dass älteren Patienten aufgrund des chronologischen Alters eine Chemotherapie nicht grundsätzlich vorenthalten werden sollte.

Zur Person
Prim. Univ.-Doz. Dr. Ewald Wöll
Interne Abteilung
St. Vinzenz Krankenhaus
Sanatoriumstraße 43
6511 Zams
Fax: ++43/5442/600 7420
E-Mail:

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