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Onkologie 17. November 2009

Tumorschmerz ist häufig unterbehandelt

Verbesserungsbedarf besteht sowohl auf onkologischen als auch nicht-onkologischen Stationen.

Eine italienische Studie ging der Frage nach, ob Krebspatienten bezüglich ihres Schmerzmanagements in onkologischen oder in nicht-onkolgischen Spitalsstationen besser betreut werden. Die Ergebnisse geben zu denken.

 

In 164 italienischen Krankenhausstationen wurden Patienten mit medikamentöser Schmerztherapie identifiziert. Tumorschmerz war sowohl auf onkologischen als auch auf nicht-onkologischen Stationen (Chirurgie, Innere Medizin, Orthopädie) der häufigste Grund für eine analgetische Behandlung. Ziel der Studie war es, das Tumorschmerzmanagement in den verschiedenen Stationen zu vergleichen.

Gesammelt wurden epidemiologisch-klinisch-therapeutische Daten sowie die Schmerzintensität während der letzten 24 Stunden. Mit Hilfe des Pain Management Index (PMI) wurden die Effektivität und Angemessenheit der Therapie bewertet.

Schmerzlinderung im Vergleich

Insgesamt wurden 1.023 Patienten, davon 526 in onkologischen und 497 in nicht-onkologischen Abteilungen, eingeschlossen. Statistisch signifikante Unterschiede wurden bezüglich Alter und Metastasierung festgestellt. Patienten in onkologischen Abteilungen waren jünger (Durchschnittsalter 63,4 versus 68 Jahre) und hatten häufiger Metastasen (79,9 versus 63,2 Prozent).

Der Einsatz von Schmerzmedikation nur bei Bedarf war in nicht-onkologischen Stationen wesentlich häufiger als in onkologischen (9,1 versus 3,6 Prozent). Die Wahrscheinlichkeit für Patienten, eine hochdosierte analgetische Therapie zu erhalten, war auf onkologischen Stationen doppelt so hoch wie auf nicht-onkologischen Abteilungen.

819 Patienten (80,1 Prozent) waren bereit, Fragen im Interview-Setting zu beantworten. Demnach litten 83,1 Prozent in der Onkologie und 84,2 Prozent in nicht-onkologischen Stationen unter Schmerz. Dieser war in 24,6 bzw. 30,5 Prozent moderat, in 33,8 versus 30,5 Prozent schwer. Eine inädaquate Schmerztherapie (negativer PMI) war in nicht-onkologischen Abteilungen häufiger als in onkologischen (18,8 versus 11,3 Prozent).

Die Ergebnisse lassen folgende Schlussfolgerungen zu: Patienten mit Tumorschmerzen werden sowohl in onkologischen als auch nicht-onkologischen Stationen behandelt. Die Schmerzintensität war nach der Patienten-Evaluierung zwischen den Abteilungen vergleichbar, aber die verwendeten Theapiestrategien unterschieden sich. Angesichts des hohen Anteils von Patienten, die trotz Behandlung unter Schmerzen leiden, erscheint eine Verbesserung des Tumorschmerzmanagements nicht nur auf nicht-onkologischen, sondern auch auf onkologischen Stationen verbesserungswürdig.

 

Quelle: Fosco B et al.: ItJClinPharm 2008;22:300.

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