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Foto: Buenos Dias/photos.com
Schützt Aspirin vor Darmkrebs?
 
Onkologie 29. Oktober 2009

Aspirin wirkt möglicherweise präventiv gegen Darmkrebs

Schutzmechanismus der Acetylsalicylsäure gegen Tumorzellen muss noch näher untersucht werden.

Eine viel diskutierte Studie über die präventive Wirkung von Aspirin gegen Darmkrebs wurde auf dem Europäischen Krebskongress in Berlin, ECCO15-ESMO 34, vom Humangenetiker Prof. Dr. John Burn, vorgelegt. Er und seine Mitarbeiter haben möglicherweise eine einfache Methode gefunden, um Krebsstammzellen, die entscheidend für die Bildung maligner Tumoren sind, zu kontrollieren.

 

„Die tägliche Verabreichung von Aspirin kann bei Personen mit genetischer Prädisposition für das Lynch-Syndrom, einer Krebsrisikoerkrankung, die für rund fünf Prozent aller Kolonkarzinome verantwortlich ist, den Ausbruch der Krebserkrankung verhindern“, erklärte Prof. Dr. Burn, Institut für Humangenetik, Newcastle University, New Castle, UK. Das Lynch-Syndrom, oft auch als erblicher, nichtpolypöser Dickdarmkrebs (HNPCC) bezeichnet, ist eine Art autosomale Krebserkrankung des Verdauungstrakts, besonders im Bereich des Kolon und Rektums. Personen mit Lynch-Syndrom haben aber auch ein erhöhtes Krebsrisiko in Organen wie Magen, Dünndarm, Leber, Gallenblasen, obere Harnwege und Prostata. Bei Frauen besteht ein erhöhtes Risiko für Gebärmutter- und Eierstockkrebs.

Die klinische Studie, die 1.071 Patienten mit Lynch-Syndrom-Mutation in weltweit 42 Zentren umfasste, traf eine randomisierte Auswahl von Probanden, die eine tägliche Dosis von 600 mg Aspirin erhielten. „Es gelang uns, die meisten Patienten, die den Versuch abgeschlossen hatten – rund 75 Prozent der ursprünglichen Kohorte – bis zu zehn Jahre nach der Randomisierung weiter zu beobachten. Dabei stellten wir fest, dass rund vier Jahre nach der Randomisierung ein Unterschied hinsichtlich des Auftretens von Krebs zwischen Aspirin- und der Placebogruppe festzustellen war. Bis heute sind in der Aspirin-Gruppe nur sechs Fälle von Darmkrebs aufgetreten, hingegen 16 in der Placebo-Gruppe. Auch die Häufigkeit von Gebärmutterkrebs ist geringer“, berichtete Burn.

Obwohl vor allem die Ernährung als Hauptfaktor für die Entwicklung von Darmkrebs angesehen wird, liegen keine randomisierten Studien vor, die diesen Faktor eindeutig beweisen. Denn kontrollierte Studien, die sich ausschließlich auf die Ernährung beziehen, sind schwierig. Aufgrund dieser neuen Studie muss man nun wohl noch mehr als bisher erbliche Faktoren in Betracht ziehen.

Problem Nebenwirkungen

Bekanntlich hat Aspirin aber auch Nebenwirkungen, die ebenfalls vor allem Magen und Darm betref-fen. Von mehr als 1.000 Personen kam es bei elf Teilnehmern der Aspirin-Gruppe zu signifikanten gastrointestinalen Blutungen und Magengeschwüren, verglichen mit neun Personen in der Placebo-Gruppe. Als positive Auswirkung sind allerdings weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte in der Aspirin-Gruppe aufgetreten. Der Schutzmechanismus, den Aspirin gegen Krebs entfaltet, muss noch näher untersucht werden, die Wissenschafter nehmen aber an, dass Krebsstammzellen dabei eine Rolle spielen. Burn: „Wir glauben, dass Aspirin eine Wirkung auf das Überleben von entarteten Stammzellen im Dickdarm haben kann. Diese Krebsstammzellen sind normalerweise resistent gegen Chemotherapien. Wenn Aspirin die Überlebenschancen dieser mutierten Stammzellen reduzieren kann, würde das unsere Ergebnisse erklären.“

In der Diskussion wurde einerseits die Möglichkeit positiv hervorgehoben, mit einem billigen Medikament, wie es Aspirin ist, „pre-cancerose“ Zellen zu bekämpfen, bevor sie maligne werden. Andererseits wurde vor den Nebenwirkungen gewarnt. Bei einer derart hohen Dosis sei das Risiko der Nebenwirkungen, vor allem für das Auftreten von Blutungen zu hoch! Weitere Forschungen müssten zum Ziel haben, eine Dosis zu finden, die ihre Wirkung beibehält, aber die Nebenwirkungen so niedrig wie möglich hält.

Um signifikante Ergebnisse zu erzielen, müssten mindestens zehnmal so viele Teilnehmer in die Studie aufgenommen werden, wobei auch die Ernährungsgewohnheiten der Probanden berücksichtigt werden sollten.

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 44 /2009

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