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Onkologie 14. Oktober 2009

Onkologie- Fortbildung kompakt

Teilnehmer können in drei Tagen ihren Wissensstand auf breiter Basis aktualisieren.

Der Fortbildungskurs „Onkologie in Klinik und Praxis“ findet heuer bereits zum 15. Mal in Wien statt und informiert in komprimierter Form umfassend über die wichtigsten Grundlagen für eine optimale Betreuung von Patienten mit Tumorerkrankungen. Der Vortragsbogen spannt sich von Themen über die molekulare Pathogenese von Krebserkrankungen über moderne Diagnostik bis zur multimodalen Behandlung von Patienten mit den häufigsten Tumorerkrankungen.

 

Der von Prim. Prof. Dr. Heinz Ludwig geleitete Kurzlehrgang richtet sich an Ärzte aller Fachrichtungen sowie an Interessierte aus Industrie und Forschung. Programmthemen und Referenten bleiben – gewollt – von Jahr zu Jahr weitgehend ident, da das Hauptaugenmerk auf die Vermittlung von aktuellem Basiswissen gelegt wird. Auch heuer stehen den Teilnehmern – erwartet werden etwa 80 – während des Seminars im Wiener Wilhelminenspital ausgewiesene Experten als Referenten und im Anschluss an ihre Präsentation für Diskussionen zur Verfügung. Die Seminarunterlagen inkludieren ein Arbeitsbuch mit einer detaillierten Zusammenfassung der Referate. Im Gespräch mit der Ärzte Woche gibt Ludwig einen Überblick über wesentliche Neuheiten.

 

Welche neuen Erkenntnisse werden heuer vorgestellt?

LUDWIG: Auf den Gebieten Mamma-, Kolorektal- und Bronchuskarzinom, aber auch bei der Resektabilität von Lebermetastasen haben sich durch die Einführung von kombinierten Immunochemotherapien neue Möglichkeiten ergeben. Beispielsweise können Lebermetastasen bei Patienten mit Dickdarmkarzinom, die aufgrund ihrer Größe primär nicht resektabel sind, durch eine kombinierte Chemo-Immuntherapie z.B. mit Bevacizumab (Avastin®) oder Cetuximab (Erbitux®) so weit verkleinert werden, dass diese mit großer Wahrscheinlichkeit einer Resektion zugeführt werden können.

Durch die beträchtliche Antitumorwirkung dieser Chemo-Immuntherapien erlangt die Metastasenchirurgie einen beträchtlichen Stellenwert, da sie nun leichter oder überhaupt erst realisierbar wird. Gemäß diesem Konzept können nun nach einer erfolgreichen neoadjuvanten Chemo-Immuntherapie die Metastasen häufiger als früher reseziert werden. Nach der Operation werden die Patienten für kurze Zeit noch adjuvant weiterbehandelt. Damit kann bei einem Teil der Patienten eine lange Tumorfreiheit bzw. sogar eine Heilung erreicht werden.

 

Welche Fortschritte werden aktuell in der Behandlung von Brustkrebs erzielt?

LUDWIG: Neu ist die Erkenntnis, dass bei HER2-Rezeptor-positiven Patientinnen eine Ergänzung der Hormontherapie durch den Tyrosinkinase-Hemmer Lapatinib Vorteile bringt. Dies zeigen rezente, erst kürzlich vorgestellte Studien, in denen sowohl mit Letrozol als auch Anastrozol in Kombination mit Lapatinib bei Patientinnen mit HER2- und Hormonrezeptor-positiven Tumoren in der Palliativsituation bessere Ergebnisse erzielt wurden: Die Remissionsrate war höher, die progressionsfreie Zeit länger. Frauen mit Hormonrezeptorpositivität und HER2-Überexprimierung stellen eine kleinere Subgruppe dar, die Behandlungsergebnisse waren jedoch bisher schlechter als bei HER2-negativen Hormonrezeptor-positiven Patientinnen.

 

Was gibt es Neues beim Bronchuskarzinom?

LUDWIG: Beachtenswert ist hier die Wiederauferstehung von Gefitinib (Iressa®). Die Studie von Tony Hok aus Hongkong hat gezeigt, dass Frauen, mit nichtkleinzelligem Bronchuskarzinom (NSCLC) und sensitiven EGFR-Rezeptor-Mutationen mit Gefitinib behandelt, ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben erzielen als Frauen, die mit der gängigen Standard-Chemotherapie therapiert werden.

Vorteile dieser individualisierten Therapie: Man erspart sich mit diesem sogenannten small molecule, welches gut verträglich ist und sogar zu einer Verlängerung der progressionsfreien Zeit führt, die Chemotherapie mit ihren negativen Effekten. Gefitinib wurde ja bereits vor einigen Jahren in klinischen Studien geprüft, aber dann wegen ungenügenden Erfolgs in den USA vom Markt genommen. Jetzt wissen wir, dass die im Codon 19 EGFR-Mutierten jene Kandidaten sind, die mit größerer Wahrscheinlichkeit ansprechen. Alle anderen sollten gar nicht erst mit Gefitinib therapiert werden. Weiters gibt es eine rezente Studie bei Patienten mit NSCLC (außer Patienten mit Plattenepithelkarzinom), die Pemetrexed (Alimta®) als Erhaltungstherapie erhalten haben, eine signifikante Verlängerung der progressionsfreien Zeit.

 

Wie lautet der aktuelle Wissensstand bezüglich dem Prostatakarzinom?

LUDWIG: Die letzten großen Screeningstudien, die vor wenigen Monaten im New England Journal of Medicine publiziert wurden, haben gezeigt, dass das Screening von marginaler Bedeutung ist. Man müsste 1.500 Männer einem PSA-Screening unterziehen und danach bei 49 von diesen eine Prostatektomie vornehmen, um einen Todesfall an Prostatakarzinom zu verhindern. Relativ neu sind zum Prostatakarzinom zwei Aspekte: Theoretisch könnte man bei Risikopersonen für ein Prostatakarzinom eine Chemoprävention mit einem Alpha-2-Reduktasehemmer durchführen. Die damit erzielbare Reduktion des relativen Erkrankungsrisikos liegt in der Größenordnung von 25 Prozent – nicht allzu hoch, aber auch nicht schlecht. Chemoprävention beim Prostatakarzinom ist allerdings, ähnlich wie beim Mammakarzinom, noch nicht als Standard etabliert; dennoch stellen die vorliegenden Studien ein wichtiges „prove of principle“ sozusagen.

Zweitens wird gegenwärtig der klinische Nutzen von Arbiraterone, einem neuen Hormontherapeutikum, in Studien überprüft. Die Substanz führt im Gegensatz zu den gegenwärtig verfügbaren Hormonblockern auch zu einer kompletten Blockade der adrenalen Testosteronproduktion. Daher lässt sich damit auch bei Personen, die auf übliche Hormontherapie resistent sind, noch ein Therapieerfolg erzielen. Neben dieser Auswahl an Innovationen wird in den Vorträgen natürlich eine Reihe weiterer Neuigkeiten präsentiert.

 

Das Gespräch führte Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer

 

 Link: Anmeldung:

Tel.: (+43/1) 49150/2101, Fax: (+43/1) 49150/2109

E-mail:

www.onkologie.at

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche 42 /2009

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