zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer Chefredakteurin
 
Onkologie 6. Oktober 2009

Meinung

Die Macht der Verdrängung – Fluch oder Segen?

Der Mensch ist ein Meister des Verdrängens. Das hat seine guten Seiten – sonst müssten wir angesichts unseres sicheren Todes von früh an in Angst und Schrecken leben. Aber es hat auch seine schlechten Seiten – sonst würden wir uns nicht mit Ignoranz und in Anlehnung an das Floriani-Prinzip – frei nach dem Motto „Der Opa von Frau X war auch Kettenraucher und ist 97 Jahre alt geworden“, also pfeifen wir auf die Statistik – durch Zigaretten, Alkohol, Schweinsbraten und körperliche Faulheit schädigen. Aber im Ernstfall wird alles anders, da verschieben sich die Prioritäten. Spätestens dann, wenn ein Mensch mit der Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit, wie beispielsweise Krebs, konfrontiert ist, werden in ihm alle Kräfte wach, gesund zu werden und zu bleiben. Sollte man annehmen – stimmt aber so gar nicht. Zu dieser überraschenden Erkenntnis haben aktuelle amerikanische Studien geführt, die zeigen, dass viele Frauen nach einer Brustkrebsoperation ihre adjuvante medikamentöse Langzeittherapie nicht durchhalten. Warum ist das so? Unter anderem, weil sie bald nicht mehr an ihre Krankheit erinnert werden wollen und ihr altes Leben unbeeinträchtigt und möglichst unverändert wieder aufnehmen wollen. Keine unangenehmen Gedanken verlieren, keine nebenwirkungsbehafteten Tabletten schlucken, quasi innerlich ab in den Süden! Verständlich wohl, mitunter jedoch fatal. Pfeif‘ drauf!

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche 41 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben