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Onkologie 28. September 2009

Update Strahlentherapie

Therapie des Anal- und Rektumkarzinoms anhand von neuen Studienergebnissen

Beim diesjährigen ASCO in Orlando wurden Fragen aus dem Bereich der kombinierten Radiochemotherapie von Rektum- und Analkanalkarzinomen im Rahmen von prospektiv-randomisierten Studien untersucht und beantwortet.

Rektumkarzinom

In der Behandlung des fortgeschrittenen Rektumkarzinoms hat sich die präoperative Kurzzeitradiotherapie oder die präoperative kombinierte Radiochemotherapie als Standard etabliert. Bei der kombinierten Radiochemotherapie ist nach den Ergebnissen der deutschen und der französischen Studien (Sauer R et al. 2004, Bosset JF et al. 2006, Gerard JP 2006) 5-FU die Standardchemotherapie.

 

 

Abstrakt 4014: Capecitabine (Cape) versus 5-fluorouracil (5-FU)-based (neo-)adjuvant chemoradiotherapy (CRT) for locally advanced rectal cancer (LARC): Safety results of a randomized. Hofheinz et al.

 

Diese Studie untersuchte bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Rektumkarzinom, ob Capecitabine anstelle von 5-FU in der Kombinationstherapie gegeben werden kann. Die Gruppe therapiert mit Capecitabine hatte eine nicht signifikante höhere T-Downstaging- (ypT0-2, 52 vs. 39 %, p = 0,16) und ypN0-Rate (71 vs. 56 %, p = 0,09). Bezüglich Toxizität gab es signifikant mehr Hand-Fuß-Syndrome in der Capecitabine-Gruppe, aber dafür signifikant weniger Leukopenien, ansonsten keine eindeutigen Unterschiede bezüglich der Toxizität. Die Autoren schlossen auf einen kleinen Vorteil Cap gegenüber 5-FU, zumindest aber keine Unterlegenheit. Letztendlich muss die Auswertung des primären Parameters Gesamtüberleben abgewartet werden.

 

Abstrakt LBA4007: Randomized multicenter phase III trial comparing two neoadjuvant chemoradiotherapy (CT-RT) regimens (RT45-Cap versus RT50-Capox) in patients (pts) with locally advanced rectal cancer (LARC): Results of the ACCORD 12/0405 PRODIGE 2; Gerard J, et al.

Abstrakt CRA 4008: Preoperative fluorouracil (FU)-based chemoradiation +/- weekly oxaliplatin in locally advanced rectal cancer. Pathologic response analysis of the STAR (Studio Terapia Adiuvante Retto)-01 randomized phase III trial; Aschele C, et al.

 

Diese Studien untersuchten, ob durch die Zugabe von Oxaliplatin das Therapieergebnis bezüglich Remissionsrate verbessert werden kann. Diese Hypothese konnte in beiden Studien nicht bestätigt werden. In beiden Studien zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich kompletter Remission (RTx Cap vs. RTx CapOx; ACCORD: 13 % vs. 18,8 %, p = 0,11; STAR: 16 % vs. 15 %, p = 0,982). Dagegen gab es zuungunsten CapOx signifikante Unterschiede bezüglich Toxizität (11 % vs. 25 %, p < 0,005; 8 % vs. 24 %, p < 0,005).

 

Der zusätzlich ausgewertete Parameter Metastasierungsrate zeigte in beiden Studien einen kleinen Vorteil zugunsten CapOx.

Die beiden letzten Studien zeigen wieder einmal, dass Phase-II-Studien einer Bestätigung durch Phase-III-Studien bedürfen, bevor eine Therapie als neuer Standard erklärt werden darf. Die Ergebnisse der ACCORD-Studie sind schwer zu interpretieren, da gleichzeitig zwei Parameter, die eindeutigen Einfluss auf das Therapieergebnis haben (RTx Dosis und Chemotherapie), geändert wurden. Die Hypothese, dass 5-FU durch Capecitabine ersetzt werden kann, muss letztendlich noch durch die Überlebensdaten bestätigt werden. Bisher gibt es aber keine gegenteiligen Daten. Die Hypothese, dass durch die Zugabe von Oxaliplatin in der präoperativen Radiochemotherapie bessere Ergebnisse erzielt werden können, konnte nicht bestätigt werden. Somit ist die präoperative Radiochemotherapie mit 5-FU oder Capecitabine Standard. Mehrere Studien haben die Radiochemotherapie mit Mitomycin (MMC) und 5-FU als Standard der Therapie des Analkanalkarzinoms etabliert. Wiederholt wurde versucht, durch Intensivierung der Chemotherapie oder der Bestrahlung die Ergebnisse zu verbessern. Eine Intensivierung mittels Induktionstherapie mit Cisplatin zeigte ernüchternde Ergebnisse (Ajani JA, et al. JMA 2000).

 

Abstrakt LBA 4009: A randomized trial of chemoradiation using mitomycin or cis-platin, with or without maintenance cisplatin/5FU in squamous cell carcinoma of the anus (ACT II); James R, et al.

 

Im Rahmen dieser Studie (über 900 Patienten) wurden die Hypothesen

a) Verbesserung der Therapie durch Ersatz von MMC durch CDDP und

b) Erhaltungstherapie ja – nein untersucht.

Beide Hypothesen konnten nicht bestätigt werden (CR MMC vs. CDDP 94 % vs. 95 %, nicht signifikant; Kolostomierate 18 vs. 14 nicht signifikant; Erhaltungstherapie ja – nein RFS HR 0,89, nicht signifikant, OS HR 0,79 nicht signifikant).

 

Abstrakt 4033: Treatment intensification by induction chemotherapy (ICT) and radiation dose escalation in locally advanced squamous cell anal canal carcinoma (LAAC): Definitive analysis of the intergroup ACCORD 03 trial. Conroy T, et al.

 

Geprüft werden sollte, ob eine zusätzliche Induktionschemotherapie, eine Intensivierung der Bestrahlung oder eine Kombination beider Verfahren zu einer geringeren Rate an erforderlichen Kolostomien als Ausdruck eines Rezidivs führt („colostomy-free survival“, CFS). Ergebnisse nach 3 Jahren: CFS kein signifikantem Unterschied bezüglich des Einsatzes von Induktionschemotherapie oder Dosiseskalation. Weiterhin keine signifikanten Unterschiede bezüglich lokaler Tumorkontrolle, ereignisfreiem Überleben und Gesamtüberleben.

 

Erneut ist durch eine Intensivierung der Chemotherapie oder Bestrahlung nicht gelungen, die Behandlungsergebnisse des fortgeschrittenen Analkarzinoms zu verbessern. Somit ist weiterhin Standardtherapie Strahlentherapie plus MMC / 5-FU, wobei das MMC durch CDDP ersetzt werden kann.

 

Wichtig hierbei aus Sicht der Strahlentherapie erscheint, dass die Strahlentherapie ohne Pause durchgeführt wurde, so konnte es zu keiner Repopulation der Tumorzellen unter Therapie kommen, was wahrscheinlich laut Autoren mit ein Grund für die guten Ergebnisse ist.

Zur Person
Prim. Univ.-Doz. Dr. Alexander De Vries
Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie
Landeskrankenhaus Feldkirch
Carinagasse 47
6807 Feldkirch
Fax: ++43/5522/303-7527
E-Mail:

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