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Abb. 1: NSABP-Studie C-08: Chemotherapie + Bevacizumab
 
Onkologie 28. September 2009

Adjuvante Therapie des Kolonkarzinoms

Josef Thaler, Wels

Eine Menge neuer Studienresultate

Die ACCENT-Gruppe hat die Patientendaten der großen randomisierten Studien zur adjuvanten Therapie des Kolonkarzinoms zusammenfasst. Beim ASCO 2009 wurden die sechs wesentlichen Studien zur Feststellung des Stellenwertes von Oxali-platin, Irinotecan und den oralen 5-Fluorouracil Prodrugs gemeinsam ausgewertet. Es zeigte sich, (1) dass auch mit diesen neueren Therapien das DFS nach 2 bzw. 3 Jahren mit dem Langzeitüberleben korreliert (Sargent et al., Abstract 4011) und (2) dass der Vorteil für die Oxaliplatin-Kombination (FOLFOX) nur bei Patienten unter 70 Jahren gegeben ist (Meyerhardt et al, Abstract 4010).

Bevacizumab

Besonders erwartet wurden die ersten Effektivitätsdaten einer Studie zur Untersuchung des Stellenwertes von Bevacizumab (Avastin®) in der adjuvanten Therapie des Kolonkarzinoms. In Rahmen der NSABP C-08 Studie wurde die Wirksamkeit der Chemotherapie nach dem FOLFOX VI-Schema (5-Fluoruracil, Leucovorin, Oxaliplatin) mit oder ohne Bevacizumab auf das krankheitsfreie Überleben bei Patienten mit kurativ operierten Kolonkarzinom im Stadium II/III überprüft. Obwohl die Resultate keine signifikante Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens nach drei Jahren (primärer Studienendpunkt) zeigten, konnte eine transiente Verringerung der Rezidivrate während der einjährigen Behandlung mit Bevacizumab beobachtet werden. Dieser Effekt war jedoch im weiteren Studienverlauf kontinuerlich rückläufig (Abb. 1).

Somit hat Bevacizumab derzeit keinen Stellenwert in der adjuvanten Behandlung des Kolonkarzinoms. Mit Spannung werden nun die Ergebnisse weiterer Studien (AVANT, QUASAR-2) erwartet, die ebenfalls den Nutzen von Bevacizumab im adjuvanten Setting untersuchen.

Suche nach prädiktiven Markern

Eine Reihe von Beiträgen befasste sich mit neuen prognostischen oder prädiktiven Markern. Ein Rezidivscore aus 7 Genen konnte für Stadium-II-Patienten aus der Quasar I Studie das 3-Jahres-Rezidivrisiko in 3 Gruppen mit 12 %, 18 % und 22 % unterteilen (Kerr et al., Abstract 4000). Die Bedeutung der MSI für die Prognose im Stadium II wurde unterstrichen, sein prädiktiver Wert für die Chemotherapiewirksamkeit jedoch relativiert (Tejpar et al., Abstr. 4002).

Eine Untersuchung mit spezifischen Markern kam zum Schluss, dass es sich beim Stadium II und III um unterschiedliche Erkrankungen handeln könnte (Roth et al., Abstract 4002).

 

Insgesamt lassen diese und weitere Beiträge (Glas et al., Abstract 4036, Kennedy et al., Abstract 4041) hoffen, dass es demnächst gelingen könnte, validere Parameter für die Prognoseabschätzung und Therapieplanung verfügbar zu haben.

Zur Person
Prim. Univ.-Prof. Dr. Josef Thaler
Abteilung für Innere Medizin IV
Hämatologie und internistische Onkologie, Nephrologie und Dialyse, Palliativmedizin und Remobilisation/Nachsorge
Klinikum Wels – Grieskirchen
Grieskirchner Straße 42
4600 Wels, Österreich
Fax: ++43/7242/415-3956
E-mail:

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