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Abb. 1: PFS nach Stratifikationsfaktoren
 
Onkologie 28. September 2009

Überraschungen mit Kombinationen und Single Agents

Michael Seifert, Wien

Aktuelle Daten zum HER2-negativen Mammakarzinom

Die Phase-II-Studie von O’Shaughnessy prüfte die Wirksamkeit des PARP-Inhibitors BSI-201 bei tripelnegativem metastasiertem Mammakarzinom. Patientinnen mit einer ungünstigen Prognose erhielten randomisiert entweder nur Gemcitabin/Carboplatin oder zusätzlich BSI-201.

Trotz der schlechten Ausgangslage fielen die Effektivitätsdaten erstaunlich gut aus; das progressionsfreie Überleben (PFS) konnte durch die Kombination signifikant verlängert werden (6,9 vs. 3,3 Monate p < 0,0001), aber auch hinsichtlich des Gesamtüberlebens (OS) manifestierte sich ein signifikanter Vorteil (9,2 vs. 5,7 Monate; p = 0,0005). Die klinische Benefitrate (CR + PR + Krankheitsstabilisierung ≥ 6 Monate) betrug 62 % vs. 21 % (p = 0,0002), die Gesamtansprechrate 48 % vs. 16 % (p = 0,002).

Vorteil durch Taxane unabhängig vom ER-Status

Nicht positiv verlief dagegen die Phase-III-Studie von Seidman, in der Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom bei Eintritt einer Progression nach einer Therapie mit Gemcitabin plus Docetaxel oder Capecitabin plus Docetaxel einen geplanten Crossover zum jeweils anderen Single Agent durchführten.

Das Gesamtansprechen unterschied sich nach beiden Therapiephasen nicht signifikant zwischen den Behandlungsarmen. Ebenso erbrachte eine andere Phase-III-Studie keinen Vorteil durch die Kombination aus Gemcitabin und Docetaxel gegenüber Docetaxel alleine als Erstlinientherapie bei metastasiertem, Anthrazyklin-vorbehandeltem Mamma- karzinom.

 

Eine gepoolte Analyse von vier randomisierten Studien nahm Bezug auf die Frage, inwieweit der Östrogenrezeptorstatus den Benefit einer Taxan-Therapie vorhersagen kann. Wie die Auswertung ergab, profitieren sowohl Östrogenrezeptor-positive als auch -negative Patientinnen von der Behandlung.

VEGF-Blocker in der First Line

Ein ASCO-Highlight war RIBBON1, nach E2100 und AVADO die dritte positive Phase-III-Studie im Zusammenhang mit Erstlinien-Bevacizumab plus Chemotherapie bei metastasiertem Mammakarzinom. Nachdem die beiden älteren Untersuchungen Taxane als Basistherapie enthielten, wurde nun der Effekt einer Zugabe von Bevacizumab zu Capecitabin bzw. Taxanen/Anthrazyklinen evaluiert.

 

Gegenüber der alleinigen Chemotherapie bewirkte die Kombination in der Taxan-/Anthrazkylingruppe einen signifikanten PFS-Vorteil (10,7 vs. 8,3 Monate laut unabhängigem Komitee; p = 0,040). Die objektiven Ansprechraten stiegen von 37,9 % auf 51,3 % an (p = 0,0054). Auch im Capecitabin-Arm resultierten Verbesserungen im Bereich von PFS (9,8 vs. 6,2 Monate; p = 0,0011) und objektiver Ansprechrate (35,4 % vs. 23,6 %; p = 0,0097). Laut Subgruppenanalyse profitierten alle Patientinnen (Abb. 1).

 

In Hinsicht auf das Gesamtüberleben war das Follow-up noch zu kurz, nach einem Jahr waren aber etwa 80 % der Patientinnen am Leben. Die Sicherheitsdaten standen in Übereinstimmung mit der bekannten Evidenz.

Redaktion: Dr. Judith Moser
Zur Person
Univ.-Prof. Dr. Michael Seifert
Klinische Abteilung für Spezielle Gynäkologie
Univ.-Klinik für Frauenheilkunde
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40400-2323
E-Mail:

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