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Abb. 1: Subgruppenanalyse: PFS unter Pazopanib versus Plazebo
 
Onkologie 28. September 2009

Metastasiertes Nierenzellkarzinom

Zukunftsaspekte einer Erfolgsstory

Avastin ® – AVOREN-Studie

Die AVOREN-Studie demonstrierte bereits die Überlegenheit von Bevacizumab plus Interferon(IFN) gegenüber IFN alleine in der Erstlinientherapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms (mRCC). Nachdem viele Patienten in beiden Armen in der Folge hochwirksame Therapien erhielten, unterschied sich das Gesamtüberleben (OS) nicht signifikant. Betrachtet man jedoch die Subgruppen, die nach Avastin® einen TKI bekommen hat, wurde dadurch ein medianes Gesamtüberleben von über 3 Jahren erreicht. Das OS bei mRCC konnte so innerhalb weniger Jahre von 15 auf bis zu 43,6 Monate (Avastin® gefolgt von Sutent®) gesteigert werden, da den Patienten nun eine Fülle an wirksamen Therapien in sequenzieller Form zur Verfügung steht. Die IFN-Dosis und damit die Häufigkeit von Grad-3/4-Nebenwirkungen konnte ohne Wirkungsverlust reduziert werden.

Für drei Substanzen bzw. Regimes existieren in der Erstlinientherapie somit klare Überlebensdaten (Sunitinib, Temsirolimus, Bevacizumab plus Interferon). Die optimale Sequenz muss erst in prospektiven Studien ermittelt werden.

Erweiterung der First Line?

Mit Pazopanib existiert nun möglicherweise eine vierte potente Erstlinienoption. Eine Phase-III-Studie an therapienaiven bzw. mit Zytokinen vorbehandelten Patienten belegte eine OS-Rate von 30 % unter Pazopanib (Plazebo: 3 %) und eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (PFS; 9,2 versus 4,2 Monate; p < 0,0000001) in der Gesamt- population. Therapienaive Patienten profitierten in größerem Ausmaß als vorbehandelte. Der PFS-Benefit war in allen Subgruppen gegeben (Abb. 1). Es fand sich eine gute Verträglichkeit mit einer geringen Rate an Grad-3/4-Nebenwirkungen. Die Lebensqualität war zwischen den beiden Gruppen vergleichbar.

Das Bisphosphonat Zoledronat erwies sich in einer prospektiven Studie als effektiv in der Prävention skelettbezogener Ereignisse (29 % versus > 70 % in einer historischen Kontrollgruppe). Daraus lässt sich schließen, dass Patienten mit mRCC regelmäßig Zoledronat erhalten sollen.

Nephrektomie ist ein Überlebensfaktor

Kombinationstherapien haben in Studien bis jetzt noch keine dramatischen Steigerungen der Raten an komplettem Ansprechen (CR) herbeigeführt. Sunitinib plus Everolimus bewirkte eine Gesamtansprechrate von 25 %, unter Bevacizumab in Kombination mit Temsirolimus wurde eine CR von 16 % verzeichnet, dafür ein CBR von 88 %. Nicht klarzellige Nierenzellkarzinome stellen nach wie vor eine therapeutische Herausforderung dar.

Auf dem Gebiet von Prognose und Prädiktion bestätigte eine Studie die Bedeutung der Nephrektomie als unabhängiger Prädiktor für das progressionsfreie Überleben unter VEGF-Inhibiton. Die palliative Nephrektomie bleibt somit vorläufig der Standard, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Der neoadjuvante Einsatz von Anti-VEGF-Strategien ist retrospektiven Analysen zufolge vorerst zu hinterfragen. Eine Studie an 19 Patienten erbrachte zwar eine Verkleinerung des Primärtumors in einem hohen Prozentsatz, die absolute Schrumpfung war jedoch gering und vitales Tumorgewebe weiterhin vorhanden.

Redaktion: Dr. Judith Moser
Zur Person
Univ.-Prof. Dr. Manuela Schmidinger
Klinische Abteilung für Onkologie
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40400-4461
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