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Onkologie 28. September 2009

Metastasiertes kolorektales Karzinom: potenziell kurative Optionen

Basis ist das interdisziplinäre Tumor-Board

Zur Therapie des kolorektalen Karzinoms (CRC), bei dem bereits zum Diagnosezeitpunkt eine Metastasierung besteht (synchrones mCRC), existieren bisher nur retrospektive Daten, die zum Teil widersprüchlich sind. In der Studie von Poultsides benötigte der Großteil der Patienten (93 %) nach der initialen Chemotherapie nie eine chirurgische Palliation, und bei 20 % konnte im Endeffekt kurativ operiert werden.

Im Gegensatz dazu ergab die Untersuchung von Sobhani, in der die Hälfte der Patienten primär operiert und die andere initial chemotherapeutisch behandelt wurde, einen Vorteil der Resektion im Hinblick auf das progressionsfreie Überleben und andere Endpunkte.

RNH bei prolongierter Oxaliplatin-Gabe

Eine Studie zur Leberresektion nach Bevacizumab-Therapie bestätigt, dass die postoperative Leberfunktion durch eine Vorbehandlung mit dem VEGF-Antikörper nicht beeinträchtigt wird. Langzeit-Chemotherapien hinterlassen dagegen in Abhängigkeit von der verwendeten Substanz Spuren. Sinusoidale Obstruktion werden durch Oxaliplatin begünstigt, wobei die Maximalvariante die zirrhoseähnliche regenerative noduläre Hyperplasie (RNH) ist, die zu einer substanziellen Erhöhung der postoperativen Morbidität führt.

In einer Studie an 146 Patienten, die mehr als sechs Chemotherapie-Zyklen erhielten, entwickelten 22 % der Teilnehmer in der Oxaliplatin-Gruppe und nur 4 % in der Nicht-Oxaliplatin-Gruppe eine RNH. Prädiktoren für Auftreten einer RNH sind Gamma-GT-Werte > 80 U/l und Serumbilirubinspiegel oberhalb der Normgrenze. Allgemein soll daher versucht werden, die Dauer der Chemotherapie bei potenziell kurativer Behandlung kurz zu halten, um Leberschäden zu minimieren. Die Zugabe von Bevacizumab zu einer konventionellen Chemotherapie erwies sich als signifikant protektiv.

Wichtigkeit der interdisziplinären Patientenbetreuung

Zwei Untersuchungen an Patienten mit Peritonealkarzinose belegen trotz der ausgeprägten postoperativen Morbidität hohe langfristige Überlebensraten durch eine zytoreduktive Operation und hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion (HIPEC). Gleichzeitig verdeutlichen die Daten aber auch die Bedeutung der ärztlichen Spezialisierung in diesem Zusammenhang. Die beste Indikation für die Intervention stellt das Pseudomyxom dar. Bei Patienten mit mCRC wurde ein medianes Gesamtüberleben von immerhin 30 Monaten ermittelt.

Radiologisch detektierbare nach Chemotherapie verbleibende Metastasen in der Leber sollen reseziert werden; radiologisch nicht mehr nachweisbare Metastasen findet man intraoperativ bei ehemals subkapsulärer Lage zumindest als Narbe; verschwundene ehemals tief intraparenchymatöse gelegene Läsionen sollen kurzfristig bildgebend nachgesorgt werden und erst bei Lokalrezidiv chirurgisch saniert werden.

 

Insgesamt kommt der Behandlung von mCRC-Patienten auf der Basis eines interdisziplinären Tumor-Boards essenzielle Bedeutung zu. Wenn die Therapie durch ein spezialisiertes Team erfolgt, ist die Erkrankung prinzipiell heilbar.

Redaktion: Dr. Judith Moser
Zur Person
Univ.-Prof. Dr. Thomas Grünberger
Klinische Abteilung für Allgemeinchirurgie
Universitätsklinik für Chirurgie
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40400-6918
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