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Onkologie 28. September 2009

Update zum Bronchuskarzinom

O. C. Burghuber, Wien

Neue Daten zum nicht kleinzelligen Bronchuskarzinom (NSCLC)

Ein wichtiges Highlight des diesjährigen ASCO-Meetings war die Diskussion um die neue Stadieneinteilung des nicht kleinzelligen Bronchuskarzinoms, welche von der IASLC (Internationalen Association for the Study of Lung Cancer) anhand von mehr als 100.000 Fällen erarbeitet worden ist und vermutlich die alte Stagingnomenklatur (Mountain et al. Chest 1997) ablösen wird. Wichtigste neue Erkenntnisse sind, dass

  1. die Tumorgröße eine größere prognostische Bedeutung hat als angenommen,
  2. Sekundärabsiedelungen innerhalb desselben Lappens bzw. auf der ipsilateralen Seite des Primärtumors prognostisch günstiger zu werten sind als angenommen und keine Kontraindikation zu einem operativen Eingriff darstellen und
  3. maligne Pleuraergüsse als Metastasierung anzusehen sind und somit eine dismale Prognose darstellen (Stadium IV).

An der bislang gesicherten Tatsache, dass der Lymphknotenstatus für die Prognoseabschätzung von großer Bedeutung ist, hat sich nichts geändert, bzw. ist die alte Einteilung in N0, N1, N2, und N3 unverändert geblieben.

Langzeitdaten zur adjuvanten Chemotherapie

Ein weiterer Höhepunkt waren die von Vincent et al. präsentierten Langzeitdaten der adjuvanten Chemotherapiestudie JBR.10, welche über einen Beobachtungszeitraum von > 9 Jahren bestätigte, dass vor allem im Stadium II die adjuvante Chemotherapie bestehend aus Cisplatin und Vinorelbine einen Überlebensvorteil bringt im Vergleich zu „Best Supportive Care“; Ergebnisse, die insofern besondere Bedeutung haben, nachdem im Vorjahr Le Chevalier et al. ebenfalls während des ASCO-Meetings die Langzeitdaten der IALT-Studie präsentierten, die im Langzeitverlauf (< 7,5 Jahre) die ursprünglich positiven Ergebnisse im Langzeitverlauf nicht mehr bestätigen konnte.

Keine signifikanten Unterschiede im NATCH-Trial

Weiters präsentierten Felip et al. den NATCH-Trial. In einem dreiarmigen Ansatz (neoadjuvante Chemotherapie gefolgt von Chirurgie vs. Chirurgie allein vs. adjuvante Chemotherapie nach Chirurgie) konnte kein unterschiedlicher Outcome (overall survival) gefunden werden. Lediglich im Stadium II (T3N1) dürfte die neoadjuvante Chemotherapie den anderen Modalitäten überlegen sein.

Die Autoren schließen allerdings, dass auch die Ergebnisse dieser Studie keinen Beweis für die Wertigkeit einer neoadjuvanten Chemotherapie beim Bronchuskarzinom darstellen.

Leider wurde auch in dieser Studie festgestellt, dass die derzeit dem Kliniker zur Verfügung stehenden Maßnahmen der Stadieneinteilung nicht ausreichend exakt sind, sodass für die Zukunft hohe Erwartungen auf neue innovative Methoden (PET/CT, EBUS, EOS) ruhen.

Zur Person
Prim. Univ.-Prof. Dr. O. C. Burghuber
1. Interne Lungenabteilung
Otto Wagner Spital
Sanatoriumstraße 2
1140 Wien
Fax: ++43/1/91060-49 823
E-Mail:

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