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Onkologie 8. September 2009

Lebensqualität bei Palliativpatienten

Die Verbesserung und Erhaltung der Lebensqualität (LQ) ist das zentrale Anliegen aller palliativmedizinischen Bemühungen. Die Lebensqualität ist allerdings ein recht subjektiver Parameter ...

Ein Forscherteam der MedUni Wien (I) hat untersucht, wie nahe Ärzte und Pflegende auf Palliativstationen der Selbsteinschätzung des Patienten hinsichtlich seiner LQ kommen.

 

In einer Querschnittsuntersuchung auf 20 Palliativstationen in Österreich wurden 153 Patienten mittels Fragebogen (EORTC QLQ-C15-PAL) zu ihrer LQ befragt. Weiters ließ man deren betreuende Ärzte (n = 53) und Pflegende (n = 70) die LQ der Patienten einschätzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die LQ der Patienten von den Betreuenden generell signifikant unterschätzt wird, obwohl beide Berufsgruppen davon ausgingen, die LQ des Patienten gut einschätzen zu können. Die Einschätzung des körperlichen Zustandes und der Schmerzen von Patienten gelingt dabei eher gut, die der sozialen und emotionellen Funktionalität gelingt sehr schlecht, wobei hier eine signifikante Unterschätzung durch die Betreuenden besteht. Insgesamt divergiert die Einschätzung der LQ des Patienten zwischen den beiden Betreuungsgruppen massiv. Generell gilt, dass Patienten mit einem Karnofsky Index (KI) < 50 hinsichtlich LQ, physischer Funktionen, Fatigue und Schmerzen signifikant schlechter einschätzbar sind als solche mit KI > 50. Männer können hinsichtlich Schmerzen und sozialer Bedürfnisse signifikant besser, hinsichtlich Angst signifikant schlechter eingeschätzt werden als Frauen. Die Daten zeigen, dass Betreuende die LQ ihrer Patienten nicht zutreffend einschätzen können. Dabei spielen Variablen wie Ausbildung, Berufserfahrung, Alter oder das Ausmaß der Zeit mit persönlichem Patientenkontakt keine Rolle.

Zuweisungsverhalten

Eine andere Studiengruppe (II)untersuchte das Zuweisungsverhalten 785 österreichischer OnkologInnen zu palliativmedizinischen Einrichtungen. Sie wurden an Hand einer detaillierten Fallbeschreibung einer Patientin mit primär metastasierendem Mammakarzinom strukturiert befragt, zu welchem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf sie die Patientin über die Malignität ihrer Erkrankung und die damit verbundene Einschränkung ihrer Lebenserwartung aufklären würden und wann sie die Errichtung einer Patientenverfügung mit ihr besprechen würden. Des Weiteren wurde gefragt, wann sie Kontakt mit palliativmedizinischen und wann mit Hospiz-Einrichtungen aufnehmen würden. Abgefragt wurden auch die Gründe, warum sie zu vorgegebenen Zeitpunkten die Maßnahmen noch nicht setzen würden.

Die erhobenen Daten zeigten unter anderem, dass die Mehrheit der 176 antwortenden Onkologen palliativmedizinische Einrichtungen ab einem Karnofsky Index von 50 und Hospizeinrichtungen ab einem Index von 40 kontaktieren würden. Onkologen mit palliativmedizinischer Ausbildung gaben signifikant frühere Zeitpunkte an als Onkologen ohne diesbezügliche Ausbildung. Die Angst, Hoffnung zu zerstören, war die Hauptursache, warum diese Betreuungsangebote der Patientin nicht früher angeboten worden wären. 67 Prozent der teilnehmenden Onkologen gaben an, diese Patientin zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sowohl über die Malignität ihrer Erkrankung als auch über die Begrenzung ihrer Lebenserwartung aufzuklären. Über die Möglichkeit der Erstellung einer Patientenverfügung würden nur 25% zu diesem Zeitpunkt aufklären.

 

(I) B. Hladschik-Kremer1,2, K. Kierner1, V. Gartner1, H. Hassler1, H. Watzke1

(II) K. Kierner1, V. Gartner1, H. R .Bartsch1, H. Watzke1

1 Klinik für Innere Medizin I, MUW

2 Zentrum für Public Health, MUW

 

Quelle: Wien Klin Wochenschr (2009) 121/15-16, © Springer-Verlag 2009

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