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Foto: wikipedia
Da bei der ablativen Behandlung selbst kein Material zur histologischen Untersuchung gewonnen werden kann, ist es wichtig, den Behandlungserfolg durch eine bioptische Untersuchung abzusichern (abgebildet: Hypernephrom).
 
Onkologie 20. August 2009

Kleine Nierenkarzinome minimalinvasiv behandeln

Eine genaue präoperative Diagnostik liefert Informationen zu Malignität, histologischem Subtyp und Grading.

Minimalinvasive Methoden zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms gewinnen immer mehr an Bedeutung, weil durch die Verbreitung moderner Bildgebungsverfahren eine wachsende Anzahl kleiner Tumoren zufällig entdeckt wird.

 

Die Nephron-sparende Chirurgie ist Goldstandard bei der Behandlung der kleinen Tumoren mit krebsspezifischen Überlebensraten von über 95 Prozent nach fünf Jahren, aber sie ist auch mit signifikanten Morbiditäten assoziiert. Daneben zeigen ablative Verfahren gute Ergebnisse mit krebsspezifischen 5-Jahres-Überlebensraten von mehr als 90 Prozent. Am häufigsten werden derzeit Kryotherapie und Radiofrequenzablation (RFA) angewendet; andere wie der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) befinden sich noch in Erforschung.

Etwa 20 Prozent aller kleinen Nierentumoren sind benigne, so Dr. Mesut Remzi, MedUni Wien. Metaanalysen kleiner retrospektiver Studien, die sich auf den natürlichen Verlauf solcher Tumoren konzentrieren, zeigten für die Mehrzahl von ihnen kein oder geringes Wachstum über die Zeit (im Mittel 0,28 cm pro Jahr).

Essenziell ist die Frage, ob alle kleinen Nierentumoren harmlos sind. Remzi und seine Arbeitsgruppe fanden, dass die Häufigkeit fortgeschrittener Stadien (≥ pT3a) von 10,9 Prozent auf 35,7 Prozent und der Anteil von Tumoren mit hohem Fuhrman-Grad von 4,7 Prozent auf 25,5 Prozent zunehmen, sobald die Nierenzellkarzinome 3–4 cm anstatt weniger als 3 cm im Durchmesser aufweisen. In einer weiteren Untersuchung starben immerhin 3,9 Prozent der Patienten mit klarzelligen Tumoren des Stadiums pT1a, die sich einer partiellen Nephrektomie unterzogen hatten, nach median zwei Jahren an den Folgen einer metastasierten Erkrankung.

Rezidivrate von sieben Prozent

Eine weitere Studie zeigte die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten kleiner, nicht metastatischer Nierenzellkarzinome (Nx/N0M0) bei 96 Prozent bzw. 91 Prozent. Die Rezidivrate fünf Jahre nach Nephrektomie war allerdings mit sieben Prozent auch nicht zu vernachlässigen. Unabhängige prognostische Faktoren für das krebsspezifische Überleben waren ECOG-Performancestatus, T-Stadium, das Vorhandensein von Metastasen und der Fuhrman-Grad. Nicht alle kleinen Nierentumoren sind also harmlos, so Remzi. Rezidiv, Metastasierung und Tod sind auch bei ihnen möglich.

Ablative Verfahren geraten daher in den Fokus des Interesses. Eine Metaanalyse identifizierte 99 Studien, in denen der Nutzen von Nephron-sparender Chirurgie, Kryoablation, RFA und Überwachung bei diesen Tumoren untersucht wird. In einer Multivarianzanalyse betrug das relative Risiko für ein Rezidiv gegenüber der Nephron-sparenden Operation 7,45 für die Kryoablation und 18,23 für die RFA. Der Erfolg der Therapie wurde mittels radiologischer Bildgebung bestimmt, wobei man davon ausging, dass nicht kontrastverstärkte Läsionen im CT oder MRT auch nach Ablationsbehandlung nicht maligne sind, wie dies für neu diagnostizierte Tumoren allgemein angenommen wird. Dabei ist bekannt, dass etwa nach RFA eine unvollständige Tumornekrose („Skipping“), d.h. vitales Tumorgewebe, auch in nicht verstärkten Läsionen zu finden ist.

Die bioptische Untersuchung der Tumoren hat sich in solchen Fällen als hilfreich erwiesen, um den Behandlungserfolg zu bestätigen. Denn es ist zu bedenken, so Remzi, dass bei der ablativen Behandlung selbst kein Material zur histologischen Untersuchung gewonnen werden kann. Nur bei gut 80 Prozent der mit Kryotherapie und bei weniger als 60 Prozent der mit RFA behandelten Patienten war die behandelte Tumormasse zuvor pathologisch charakterisiert worden. Eine genauere präoperative Diagnostik, vor allem Tumorbiopsien, die mehr Informationen zu Malignität, histologischem Subtyp und Grading geben, würde eine bessere Information des Patienten auch zur weiteren Therapie seines kleinen Nierentumors gestatten.

 

Quelle: InFo Onkologie 2009/12(4)

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