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Nephrologie 1. Juni 2015

Bluthochdruck – ein Nierenkiller

Ein diabolisches Wechselspiel zwischen Bluthochdruck und Niereninsuffizienz

Die meisten Nierenkrankheiten entstehen als Folge eines hohen Blutdruckes, sind sich Internisten und Nephrologen einig. Es besteht ein diabolisches Wechselspiel zwischen Bluthochdruck und Niereninsuffizienz: Steigt der Blutdruck, steigt auch die Gefahr einer Nierenschädigung, ist die Niere nicht voll funktionsfähig, steigt in Wechselwirkung auch der Blutdruck.

„Die Hypertonie in den Griff zu bekommen, ist daher unabdingbar das erstrebte Ziel der Therapie für eine Nierenprotektion“, betonte Doz. René Wenzel, Krankenhaus Zell am See, bei der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche für Apotheker in Schladming im vergangenen Februar. Das Ziel wäre schon mit einem Wert von 140/90 erreicht, da ist Wenzel, insbesondere bei älteren Menschen, eher tolerant. Ist allerdings auch Eiweiß im Harn, soll der Blutdruck auf 130/80 gesenkt werden.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Jeder dritte Österreicher leidet an Bluthochdruck, jeder zehnte Österreicher hat eine eingeschränkte Nierenfunktion. Etwa 4000 Patienten erhalten eine Dialyse, über 4000 Patienten haben eine Nierentransplantation hinter sich.

Blutdruckmessung auch in der Apotheke

Ein besonderes Problem bei diesem Wechselspiel ist die lange Zeit der Beschwerdefreiheit für den Betroffenen. Wenn dann Kreislaufprobleme, Müdigkeit oder Beinödeme auftreten, ist der Krankheitsprozess bereits weit fortgeschritten. Frühzeitige Kontrolle ist daher die beste Vorbeugungsmaßnahme.

Bei der Blutdruckmessung durch den Patienten selbst werden leider oft Fehler gemacht. „Vorher keinen Kaffee trinken, keine Zigarette rauchen, die Blase entleeren, mindestens fünf Minuten Ruhe vorher einhalten, die Manschette richtig anlegen“, zählt Dr. Katharina Hohenstein-Scheiben- ecker, Univ.-Klinik für Nephrologie und Dialyse, Wien, einige wichtige Vorbereitungen auf. Sicher und einfacher ist aber jedenfalls, den Blutdruck beim Arzt oder in der Apotheker messen zu lassen

Vor allem bei älteren Patienten, die schon eine eingeschränkte Nierenfunktion haben und oft einen Cocktail verschiedener Medikamenten einnehmen, empfiehlt Wenzel, zusätzlich zur Blutdruckkontrolle eine Hämodialyse zu machen, die leider zu wenig durchgeführt werde.

Ganz besonders ist auch auf die Interaktion von Arzneimitteln zu achten. Immerhin werden etwa 20 Prozent aller akuten Nierenversagen im stationären Bereich durch Arzneimittel verursacht. Um so mehr ist darauf auch bei der Bedienung des Patienten an der Tara zu achten. Lieber rückfragen, wenn Unklarheiten bestehen!

Vorsicht mit Schmerzmitteln

NSAR sind mit Vorsicht einzusetzen. „Weil sie auf unterschiedliche Weise nephrotoxisch wirken und gerade bei vorgeschädigten Patienten zu einem akuten Nierenversagen führen können. Deshalb sollte man keine Scheu vor Opiaten haben, eine Umstellung auf diese Substanzen ist viel nutzbringender, als langfristig Schmerzmittel zu nehmen“, empfiehlt Wenzel. Dabei kann auch der Rat des Apothekers sehr hilfreich sein, wenn ihm auffällt, dass ein Kunde etwa nach einer Hüftoperation immer wieder zu NSAR für die Schmerzlinderung greift. Die dadurch entstehende Schädigung der Niere wird erst spät bemerkt, wenn die Funktionseinschränkung bereits weit fortgeschritten ist.

„Besonders in Kombination mit ACE Hemmern und Angiotensin-Rezeptorblockern sind NSAR gefährlich“, warnt Wenzel. Deshalb ist es wichtig, gerade bei nephrotoxischen Substanzen wirklich eine Therapiebefristung durchzuziehen. Auch in dieser Hinsicht kann der Apotheker kontrollierend wirken. Eine weitere wichtige Botschaft ist, immer für ausreichende Hydrierung des Patienten zu sorgen, wobei eineinhalb bis zwei Liter pro Tag genügen.

RAAS – ACE-Hemmer: Neue Studien

„An erster Stelle in der Therapielinie stehen die Blocker des Renin-Angiotensin-Aldosteron Systems (RAAS)“, so Wenzel. Sie sind prinzipiell nicht nephrotoxisch und verbessern die Nierenfunktion. Allerdings sollte man, neuesten Studien zufolge, einen ACE-Hemmer nicht mehr mit einem Angiotensin-Rezeptorblocker kombinieren, da die Patienten hier vermehrt zu Hypotonien, akutem Nierenversagen und zu Hyperkaliämien neigen. Die Nierenfunktion muss dabei besonders streng kontrolliert werden. Auch die Aufmerksamkeit des Apothekers ist hier gefragt, er kann etwa die Rücksprache mit dem Arzt empfehlen. Besonders wichtig ist der Hinweis auf mögliche unerwünschte Interaktionen durch die Fachkräfte in der Apotheke im Sinne eines Kontrollsystems . Bei Diabetikern und älteren Patienten sollte man diese Kombination mit ACE-Hemmern überhaupt vermeiden. „Eine weitere Therapiemöglichkeit sind Diuretika, die allerdings nicht in zu hoher Dosis und nicht über längere Zeit verabreicht werden dürfen, da es zu einem Nierenversagen kommen kann“, rät Wenzel.

Die wichtigsten Guidelines für eine Nierenprotektion sind daher:

• Senkung des Blutdrucks

• ständige Kontrolle der Nierenfunktion

• keine NSAR, besonders bei älteren Patienten

• Vermeidung von Medikamenten-Interaktionen

• Therapiekontrolle in einem hilfreichen Zusammenspiel von Patient, Arzt und Apotheker.

Medikament Lifestyle – zwei Fliegen auf einen Schlag

Auch eine Änderung der Lebensgewohnheiten kann als „nebenwirkungsarmes“, wenngleich oft mühsames Medikament eingesetzt werden: Rauchen und Alkohol-Konsum einschränken, gesunde Ernährung und viel Bewegung !

Quelle: Wissenschaftliche Fortbildungswoche für Apothekeri – Auf Niere geprüft: Medikationsmanagement in der Apotheke, Schladming, 22.bis 28. Februar 2015

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 5/2015

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