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Die Inhaltsstoffe der Cranberry hemmen die Adhäsion von Bakterien an den Zellwänden.
© Ellie Nator/fotolia.com

Die Inhaltsstoffe von Ginkgo biloba verbessern die Nierenfunktionsparameter.

 
Nephrologie 27. April 2015

Pflanzen & chronische Nierenleiden

Vertrauen auf die Kraft der Natur nur mit fundiertem Wissen über Wirkung und Nebenwirkung.

„Phytotherapie, richtig eingesetzt und mit Sorgfalt angewandt, kann für die Prophylaxe und vielleicht in Zukunft auch adjuvant für die Behandlung von Symptomen und Komorbiditäten der chronischen Niereninsuffizienz herangezogen werden, aber weitere Studien für einen größeren Wissenszuwachs wären wünschenswert“, umreißt Univ. Doz. Mag.pharm. DDr. Ulrike Kastner, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde die derzeitigen Therapiemöglichkeiten.

Da gerade bei der Anwendung von Naturheilmitteln Patienten oft zur Selbstmedikation ausweichen, kommt der beratenden Funktion des Apothekers eine wichtige Stellung zu, wie auch die Diskussion bei der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Apotheker in Schladming im vergangenen Februar zeigte.

Selbstmedikation – Tendenz steigend

Pflanzliche Heilmittel sind zwar nachgewiesener Maßen wirkungsvoll, aber nicht immer harmlos. Deshalb ist die Beratung durch den Arzt und den Apotheker besonders wichtig. „Für den Konsumenten ist es außerdem nicht leicht, ein Phytopharmakon von einem Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichem Inhalt zu unterscheiden. Noch schwieriger ist festzustellen, welche Inhaltstoffe in welcher Mengen in der jeweiligen Darreichungsform enthalten sind“, gibt Kastner zu bedenken. Aber auch dabei kann der Apotheker helfen.

Phytopharmaka unterliegen dem Arzneimittelgesetz und der Apothekerpflicht, haben ein behördliches Zulassungsverfahren zu durchlaufen, eine Zulassungsnummer, müssen registriert werden und Indikationen aufweisen. Darauf kann der Apotheker den Konsumenten aufmerksammachen. Nahrungsergänzungsmittel hingegen unterliegen dem Lebensmittelgesetz und brauchen weder Zulassung noch Registrierung.

Teedroge als „Spülmittel“

Die Gefahr bei einem unreflektierten Einsatz von pflanzlichen Heilmitteln kann schon bei der Wirkung von harntreibenden Teegetränken beginnen. Sie verbessern die renale Durchblutung, steigern die glomeruläre Filtrationsmenge und hemmen die Wasserrückresorption. Die vermehrte Flüssigkeitszufuhr verstärkt die Harnausscheidung. Als positiv monographierte Aquarelika sind u.a. Birkenblätter, Brennesselkraut, Goldrutekraut oder Schachtelhalmkraut bekannt. Als Prophylaxe helfen sie bei Entzündungen der Harnwege, bei Harnstein, Harngrieß und bei Harnwegsinfektionen. Das ist die „Freundesseite“ der Teedrogen. „Da jedoch eine minimale tägliche Flüssigkeitszufuhr von zwei Litern empfohlen wird, kann das bei einer beginnenden Niereninsuffizienz bereits zu Problemen wie Ödembildung, Blutdruckschwankung, Kreislaufbeschwerden führen“, verweist Kastner auf den zum „Feind“ gewordenen „Freund“.

Preiselbeere – Cranberry

Ob heimische oder amerikanische Beere, es gibt sie in vielen Darbietungen, als Granulat, als Pille, Saft oder Tablette. Ihre Inhaltstoffe, die Anthocyane, hemmen die Adhäsion von Bakterien an den Zellwänden von Blase und Niere und senken dadurch die Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen. Das Problem bei diesen Präparaten ist die fehlende Möglichkeit, den Gehalt an Wirkstoffen klar festzustellen.

Therapieansatz mit Ginkgo biloba

Flavonoide und Terpenoide, die in Ginkgo biloba-Zubereitungen enthalten sind, haben einen positiven Effekt auf die Blutviskosität, die Mikrozirkulation und verbessern die Nierenfunktionsparameter.

Pflanzliche Antibiotika – Arbutin und Glycosinolatin

Eine adjuvante Therapie bei Harnwegsinfektionen bietet Arbutin, das vor allem in Bärentraubenblättern und Preiselbeerblättern enthalten ist. „Es ist eine der wichtigsten antibiotischen und antimikrobiellen Substanzen in der Phytotherapie und wirkt auch gegen eine Vielzahl von Bakterien“, unterstreicht Kastner den Stellenwert dieses pflanzlichen Heilmittels. In Form von Tee, Tabletten oder Tropfen wirkt es bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege. Noch wirksamer ist eine Kombination mit Meerrettichwurzel – Kren – oder Brunnenkressekraut. Zu hohe Dosen können allerdings mitunter zu Erbgutveränderungen führen. Deshalb soll Arbutin nicht länger als eine Woche und nicht öfter als fünfmal im Jahr eingenommen werden. Die freigesetzten Senföle bei einer längeren Anwendung von Glycosinolaten sind außerdem schleimhautreizend, bei einer schon bestehenden Nierenerkrankung kann es zu einer Albuminurie kommen.

Cave bei Niereninsuffizienz

Die als harmlos eingeschätzten Naturheilmittel wie Wachholderbeeren oder Lakritze, Süßholzwurzel, können Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion schaden. Süßholzwurzel, in hoher Dosis konsumiert, kann Ödeme und Bluthochdruck auslösen, Wacholderbeeren beeinträchtigen, in hohen Dosen eingenommen, die Nierenfunktion. Vorsicht ist auch bei Johanniskraut geboten, es kann zu Interaktionen mit anderen Medikamenten kommen, u.a. mit Cyclosporin, mit oralen Kontrazeptiva oder Erythromycin.

„Zu den Pflanzen, die in besonderer Weise nephrotoxisch sind, zählt vor allem die Aristolochiasäure als Auslöser der sogenannten Chinese herb nephropathy“, warnt Kastner.

Beratung schützt vor Schaden

Jedenfalls sollte der Patient seinen Arzt informieren, wenn er Phytotherapeutika einnimmt, der Arzt soll den Patienten über Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen aufklären, und schließlich liegt es beim Apotheker, in Beratungen die richtige Auswahl von Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmitteln zu geben. Die adjuvante Therapie von Nierenerkrankungen und erste Therapieansätze bei Begleiterkrankungen sind möglich, wenngleich weitere Studien erforderlich sind. Die Problematik liegt aber bei der Zulassung von Phytopharmaka, dem unreflektierten Einsatz und den Interaktionen bei multimorbiden Patienten.

Quelle: Wissenschaftliche Fortbildungswoche für Apothekerinnen Schladming, 22. – 25. 2. 2015; „Auf Nieren geprüft: Medikationsmanagement in der Apotheke“

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 4/2015

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