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Nephrologie 26. Jänner 2015

Nachts zur Blutwäsche

Kommen Patienten nachts zur Dialyse, so erhöht das einer Studie zufolge ihre Lebenserwartung und Lebensqualität.

Eine retrospektive Kohortenstudie mit über 1.000 Nachtdialysepatienten ergab eine um 17 Prozent verminderte Sterblichkeit im Lauf von vier Jahren im Vergleich zu anderen Dialysepatienten.

Die Analyse der Behandlungsdaten von Nachtdialysepatienten wurde vom KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. in Neu-Isenburg (Deutschland) initiiert und liefert erstmalig in Europa den wissenschaftlichen Beleg darüber, in welchem Ausmaß sich diese Behandlungsmethode steigernd auf die Lebenserwartung von Nachtdialysepatienten auswirkt.

Als Ursache gilt die längere und schonendere Entgiftungs- und Entwässerungsbehandlung (24 statt 12 Stunden pro Woche). Gestützt wird diese Auffassung durch die bessere Blutdruck- und Stoffwechseleinstellung und eine Umfrage bei Nachtdialysepatienten aus 76 KfH-Nierenzentren. So hatten sie eine geringere Phosphatbelastung und brauchten weniger Tabletten.

Ein Patient versus fünf andere

Genutzt wurden die Methode der „propensity scores“ und konventionelle Überlebensanalysen: Jeder Nachtdialysepatient wurde fünf anderen Dialysepatienten mit identischem Risikoprofil gegenübergestellt. Ermöglicht wurde dieser anerkannte Vergleich durch das langjährige KfH-Qualitätsregister QiN (Qualität in der Nephrologie). Ergänzend erfolgte eine anonyme Befragung bei rund 500 Nachtdialysepatienten aus dem QiN-Register per Fragebogen. Thema waren die Erwartungen an die Nachtdialyse und inwieweit sie erfüllt wurden.

Für 31 Prozent stand die Erwartung nach weniger Tabletteneinnahme an erster Stelle, was zu 42 Prozent erfüllt wurde. Bei der Erwartung einer höheren Lebensqualität war der Erfüllungsgrad 85 Prozent, hier wurden ein normaler Tagesablauf und Berufstätigkeit als besonders wichtig erachtet. 76 Prozent der Nachtdialysepatienten empfanden geringere Einschränkungen beim Essen und Trinken, sie beurteilten also die Dialysediät als liberaler.

Beide Erhebungen wurden bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie in Berlin vorgestellt. Dort war es möglich, die Erkenntnisse mit anderen internationalen Studien zu vergleichen. Hierdurch ließ sich nachweisen, dass die Nachtdialyse bei den Patienten große Vorteile gegenüber den Standardverfahren hat.

Risiko von Nadelverlust möglichst gering halten

Beleuchtet wurde in Berlin auch die Behandlungssicherheit. Im Gegensatz zu den am Tag stattfindenden Dialyseverfahren bergen die reduzierten Lichtverhältnisse bei schlafenden Patienten Risiken durch die eingeschränkte Shuntüberwachung. Um das Risiko eines Nadelverlustes zu reduzieren, müsse daher genau auf die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen, wie eine gute Fixierung des Arms und eine entsprechende Einstellung des venösen Druckalarms, geachtet werden. Apparativ-automatisierte Überwachungsmöglichkeiten zur optischen Bluterkennung seien laut KfH noch nicht ausreichend untersucht. Doch beinhalten sie mögliche Sicherheitserhöhungen bei zugleich höheren Kosten.

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