zur Navigation zum Inhalt
© Sport Moments / fotolia.com
 
Nephrologie 21. März 2014

Harnsäuresenkung schützt die Niere

Niedrigeres Risiko für renale Ereignisse bei Zielwerterreichung.

Ein erhöhter Harnsäurespiegel wird heute als Risikofaktor für Entwicklung und Progression einer chronischen Niereninsuffizienz angesehen. In einer aktuellen Kohortenstudie korrelierte eine Zielwerteinstellung der Harnsäure mit einem um ein Drittel niedrigeren Risiko renaler Ereignisse.

In randomisiert-kontrolliertem Design adressierte eine Studie mit Allopurinol diese Fragestellung (Goicoechea M; Clin J Am Soc Nephrol 2010; 5: 1388–9). 113 Patienten mit einer geschätzten GFR (eGFR) von unter 60 ml/min und einer Harnsäure-Serumkonzentration zwischen 7 und 8 mg/dl erhielten entweder 100 mg Allopurinol oder wurden behandelt wie zuvor. „Nach zwei Jahren war die eGFR in der Kontrollgruppe um 3,3 ml/min abgesunken, während sie in der Gruppe mit Harnsäuresenkung um 1,3 ml/min angestiegen war“, sagte Professor Dr. Jan T. Kielstein von der Medizinischen Hochschule in Hannover.

Aktuelle Studie bestätigt Benefit

Eine aktuelle Studie bestätigte dies. Über 16.000 Patienten mit einer Serumharnsäure von mindestens 7mg/dl wurden im Hinblick auf drei renale Endpunkte untersucht, nämlich einen mehr als 30-prozentigen Abfall der GFR, den Beginn einer Dialysetherapie oder einen GFR-Abfall auf unter 15 mg/dl (Levy G; ACR 2013, Abstract 857). „Die Studie zeigte, dass eine Senkung der Harnsäure auf Werte unter 6 mg/dl über 36 Monate mit einem mehr als einem Drittel niedrigeren Risiko einhergeht, einen dieser renalen Endpunkte zu erreichen“, betonte Kielstein.

Nicht vernachlässigt werden dürfe bei der Therapieentscheidung die Verträglichkeit der Medikation, betonte der Nephrologe. So gelte Allopurinol in Europa als häufigste Ursache einer toxischen epidermalen Nekrolyse (TEN). Das Risiko korreliere mit der Dosis, was in der Nephrologie deswegen problematisch sei, weil die Patienten oft hohe Allopurinol-Dosierungen erhielten. Bei Febuxostat sei das TEN-Risiko geringer. Auch für diesen Xanthinoxidasehemmstoff konnten günstige Effekte auf die Niere nachgewiesen werden. In einer offenen Studie mit 551 Patienten aus zwei randomisierten Studien entsprach die Reduktion der Serumharnsäure mit Febuxostat um 1 mg/dl einer Verbesserung der eGFR relativ zum natürlichen Verlauf um 1,15 ml/min pro Jahr. Bei einer eGFR unter 60 ml/min waren es 4,6 ml/min pro Jahr (Whelton A; Postgraduate Medicine 2013; 125 (1): 106–114).

Quelle: Interdisziplinärer Harnsäure-Gipfel „Niereninsuffizienz, Bluthochdruck, Diabetes - Welche Rolle spielt die Harnsäure?“, Veranstalter: Berlin Chemie

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben