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Nephrologie 4. Dezember 2012

Geringes Risiko bei Nierenbiopsie

Bei Kindern noch niedriger als bei Erwachsenen.

Dass eine perkutane Nierenbiopsie als sicherer Eingriff angesehen werden kann, zeigt eine norwegische Studie.

97,9 Prozent aller Biopsien verliefen darin ohne Probleme. Die Gesamtrate größerer Komplikationen lag unter ein Prozent, bei Kindern noch niedriger als bei Erwachsenen. Riskanter wurde die Untersuchung bei schlechter Nierenfunktion des Patienten oder wenn ungeübte Ärzte am Werk waren.

Tausende Biopsien

Berichte über Komplikationen und eine heterogene Studienlage lassen immer wieder Skepsis gegenüber dieser Untersuchungsmethode aufkommen. Jetzt haben Autoren der Universität Bergen in einer landesweiten Studie die Sicherheit der Methode untersucht. Von den 9.288 Biopsien waren 715 an Kindern (2 Wochen bis 18 Jahre) und 8.573 an Erwachsenen durchgeführt worden. Anlass für den Eingriff war in den meisten Fällen eine Proteinurie. An zweiter Stelle stand Hämaturie, gefolgt von chronischem Nierenversagen, nephrotischem Syndrom und akuter Niereninsuffizienz, in seltenen Fällen lag eine rasch progrediente Glomerulonephritis vor. Jede dritte Biopsie wurde von einem Nephrologen, 54 Prozent von Radiologen und 13 Prozent von beiden gemeinsam durchgeführt.

Die Komplikationsrate war unabhängig davon, welchem Fachbereich der biopsierende Arzt angehörte. Auch die Zahl der Nadelpassagen (meist eine oder zwei) hatte keine Auswirkungen auf das Risiko. Allerdings beeinflusste die Nadelgröße die Häufigkeit kleinerer Nebeneffekte: 18G-Nadeln hinterließen signifikant mehr Hämatome als 16G-Nadeln. Bei Kindern traten Hämatome insgesamt deutlich häufiger auf als bei Erwachsenen (8,1% vs. 3,5%). Makroskopische Hämaturien fanden sich bei 1,9 Prozent der Erwachsenen und 1,5 Prozent der Kinder. 0,9 Prozent der biopsierten Erwachsenen und 0,1 Prozent der Kinder benötigten eine Bluttransfusion. Bei 0,2 Prozent der Erwachsenen und 0,1 Prozent der Kinder wurde ein chirurgischer Eingriff bzw. eine arterielle Embolisation nötig.

Riskant: niedrige GFR und unerfahrener Arzt

Ernste Komplikationen kamen selten vor (Erwachsene 1%, Kinder 0,3%). Als Risikofaktoren für größere Komplikationen erwiesen sich: Alter über 60 Jahre, eine eGFR <60 ml/min/1,73 m2, systolische Hypertonie, akute Niereninsuffizienz und wenig geübte Ärzte. In der alters- und/oder GFR-adjustierten Analyse blieben letztlich nur noch zwei Risiken signifikant: kleinere Kliniken mit weniger als 30 Biopsien pro Jahr und eine niedrige eGFR.

Fazit der Autoren

Die Studienlage zu den Risiken der Nierenbiopsie ist uneinheitlich. Einige Untersuchungen ergaben ähnlich niedrige Komplikationsraten, andere berichteten über fünf bis sieben Prozent Risiko. Grund hierfür ist offenbar die Heterogenität bei der Beurteilung der jeweils erfassten Komplikationen. So wurden in einige Studien auch klinisch weniger relevante Ereignisse einbezogen. In der vorliegenden Studie konzentrierte man sich dagegen auf makroskopische Hämaturien, nötige Bluttransfusionen oder operative Eingriffe bzw. Embolisationen, wovon 97,9 Prozent der Patienten nicht betroffen waren. Um das Biopsierisiko zu minimieren sei dennoch in jedem Fall eine sorgfältige Überwachung erforderlich, insbesondere bei reduzierter eGFR.

Tøndel et al.: Clin J Am Soc Nephrol 2012; 7: 1591-97

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 49/2012

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