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Nephrologie 1. April 2010

Schwere Proteinurie und subakutes Nierenversagen nach Koronarangiographie – Ein Fallbericht über Cholesterinkristallembolisation

Ein 55-jähriger Mann türkischer Herkunft wurde mit neu manifestierten deutlich erhöhten Nierenretentionparametern, ausgeprägter Proteinurie und schwer einstellbarer arterieller Hypertonie stationär aufgenommen. Neben einer Hypercholesterinämie ist eine koronare Herzkrankheit bekannt, weswegen der Patient ein Monat zuvor diagnostisch angiographiert wurde. Die rapide Dynamik der Nierenfunktionsverschlechterung einhergehend mit schwerer Proteinurie (4,6 g/Tag) führten zu einer umfassenden Suche nach einer möglichen Systemerkrankung, insbesondere einer systemischen Vaskulitis. Es fanden sich weder aus der Antikörperdiagnostik noch aus anderen Serum-, Harn- und bildgebenden Untersuchungen Hinweise auf einen entzündlichen oder auch malignen Prozess abgesehen von einer signifikanten Eosinophilie. Erst die folgende Nierenbiopsie ergab multiple Cholesterinkristallembolien in Arteriolen und kleinen Arterien mit prominenten eosinophilen Infiltraten, vermutlich verursacht durch die letzte Angiographie. Weder eine antiproteinurische Therapie mit AT1R-Blockade (Candesartan) noch hochdosiertes Statin (Atorvastatin) konnten die progrediente Niereninsuffizienz und Proteinurie positiv beeinflussen, sodass der Patient schließlich für ein Nierenersatzverfahren evaluiert wurde. Renale Cholesterinkristallembolisation mit begleitender Proteinurie ist eine seltene Manifestationsform des akuten Nierenversagens nach Manipulationen an der Aorta. Die deutliche Proteinurie ist potentiell irreführend und verzögert dadurch die korrekte Diagnose. Die Identifikation von Hochrisiko-Patienten ist von größter Bedeutung da wirksame Therapieoptionen nicht existieren.

Peter Biesenbach, Thomas Gremmel, Walter H. Hörl, Renate Kain, Marcus D. Säemann, Wiener klinische Wochenschrift 7/8/2010

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