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Kardiologie 19. März 2008

Impfen statt Pillen schlucken

Eine Impfung gegen Angiotensin II könnte den Blutdruck von Patienten mit Hypertonie erniedrigen, die Therapietreue verbessern und so im Endeffekt die traditionellen Medikamente zur Behandlung dieser häufigen Erkrankung ersetzen. So lauten die Schlussfolgerungen der Autoren eines Artikels in der aktuellen Ausgabe des Lancet. Dr. Martin Bachmann von Cytos Biotechnology in Schlieren, Schweiz, und seine Kollegen unternahmen eine Phase II Studie mit 72 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Hypertonie (Lancet 2008; 371: 821-827). Die Patienten wurden zufällig einer von drei Behandlungen zugeordnet: subkutane Injektionen von 100 Mikrogramm des Impfstoffes (CYT006-AngQb, 24 Patienten), 300 Mikrogramm des Impfstoffes (24 Patienten) oder einem Placebo (24 Patienten). Die Injektionen wurden jeweils in Woche 0, 4 und 12 verabreicht. Mittels eines tragbaren Blutdruckmessgeräts wurde der Blutdruck (zum Beispiel über 24 Stunden gemessen) vor der Behandlung und in der 14. Woche bestimmt. Die primären Endpunkte waren Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffes.
Die Forscher fanden in der 300-Mikrogramm-Gruppe eine Reduktion des Ausgangswertes des mittleren Blutdrucks in der 14. Woche um
-9/-4 mm Hg im Vergleich mit dem Placebo. Die 300-Mikrogramm-Dosis reduzierte den frühmorgendlichen Blutdruckanstieg im Vergleich zum Placebo (Veränderung um 8.00 Uhr: -25/-13 mm Hg). Fünf schwere Nebeneffekte wurden über alle drei Gruppen berichtet, doch kein Fall wurde als behandlungsbedingt eingestuft. Die meisten Nebenwirkungen bestanden aus vorübergehenden Reaktionen an der Injektionsstelle. Drei Patienten aus der 100-Mikrogramm-Gruppe und sieben aus der 300-Mikrogramm-Gruppe zeigten leichte transiente grippeähnliche Symptome. Die Autoren halten diese für Indikatoren einer systemischen Antwort, wie sie auch bei anderen Impfstoffen beobachtet wird, und erklären: „Der Abfall des Blutdrucks war besonders in den frühen Morgenstunden ausgeprägt, wenn das Renin-An­giotensin-Aldosteron-System aktiv ist und die meisten kardiovaskulären Vorfälle auftreten.“
Sie berichten weiters, dass die Halbwertszeit der gebildeten Antikörper nach der dritten Injektion etwa vier Monate beträgt. Sie schließen: „Der Impfstoff ist mit einem Behandlungsschema kompatibel, bei dem nur einige Injektionen pro Jahr verabreicht werden müssen. Die Impfungen könnten im Rahmen regelmäßiger Kontrolluntersuchungen vorgenommen werden. Ein solches Behandlungsschema wird von den Patienten vermutlich befolgt, auch wenn dazu noch klinische Daten erhoben werden müssen.“

Lancet

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