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Kardiologie 27. Mai 2008

Wie tibetanische Gebetsmühlen

Am 17. Mai wurde der Welthypertonietag ausgerufen. Größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit – trotz regelmäßiger Kampagnen wird die Wichtigkeit des richtigen Blutdrucks noch viel zu wenig gesehen.

Prof. Dr. Jörg Slany, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (ÖGH) ist ein beharrlicher Kämpfer. Jedes Jahr versammelt er Mitstreiter an seiner Seite und versucht das scheinbar Unmögliche: Nämlich den Menschen klar zu machen, dass ein zu hoher Blutdruck nicht hingenommen werden muss. „Ebenso wenig muss man sich nur mit Teilerfolgen zufrieden geben“, erklärte er auf einer Pressekonferenz am 14. Mai in Wien anlässlich des Welthypertonietages und verwies auf eine weltweite Erhebung, die für unser Land düster aussieht: In Österreich lagen von 1.300 Hochrisikopatienten nur 34 Prozent unter 140/80 mmHg, in den USA waren es rund 60 Prozent. Den von allen Hochdruckgesellschaften empfohlenen Zielblutdruck von unter 130/80 mmHg erfüllen hierzulande gar nur knapp zehn Prozent der Patienten.

Auch ein Kostenfaktor

„Es mag zwar wie eine tibetanische Gebetsmühle klingen, wenn wir ständig Alarm schlagen, aber trotzdem werden wir scheinbar nicht genug ernst genommen“, zeigte sich Slany verärgert. Dabei wäre es auch für die scheinbar allgegenwärtige Spardebatte rund um das Gesundheitssystem sinnvoll, sich mehr mit der Hypertonie auseinanderzusetzen. Schließlich sei der Bluthochdruck auch ein Kostentreiber. So sind etwa Hypertonie-assoziierte Erkrankungen wie kardiale Probleme (Herzinfarkt, Herzinsuffizienz usw.), Nierenversagen und zerebrovaskuläre Krankheiten für einen Großteil der Spitalsaufenthalte verantwortlich. Slany schätzt, dass eine adäquate Blutdruckeinstellung die Spitalsaufnahmen für Herzkreislauferkrankungen in Österreich um mindestens ein Drittel verringern würde.
Eine Beurteilung, die Prof. Dr. Bruno Watschinger, Klinische Abteilung für Nephrologie, MedUni Wien, teilt: „Die Zahl der Dialysepatienten und Nieren-transplantierten Patienten in Österreich stieg in den letzten zehn Jahren um rund 50 Prozent an. Mit 40.000 Euro pro Patient und Jahr schlagen sich die Dialysekosten zu Buche, nach einer Transplantation fallen sogar rund 20.000 Euro an.“
Ein wirklich probates Mittel im Kampf gegen die Hypertonie sei die 24-Stundenmessung, sagte Prof. Dr. Heidemarie Pilz von der 1. Medizinischen Abteilung im Kaiserin Elisabeth Spital in Wien. Hier beeinflussten weder „Weißkitteleffekt“ noch andere, nur kurz anhaltende Faktoren die Messung, zudem könne der diagnostisch wichtige nächtliche Blutdruck erfasst werden. Pilz: „Die einzelnen in der Ordination festgestellten Messungen sind zwar schön und gut, aber für eine exakte Diagnose kaum nützlich. Da helfen sogar die Selbstmessgeräte mit Oberarm-Manschette weiter! Ein Einzelwert sagt uns gar nichts, drei Werte kaum etwas, erst mit 300 Messungen können wir wirklich etwas anfangen.“

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 22/2008

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