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Kardiologie 1. September 2006

Ventrikuläre Tachykardie bei einer gesunden jungen Frau nach Einnahme von Ephedrin

EINLEITUNG: Ephedrin, beziehungsweise pflanzliche Ephedra-haltige Produkte werden gelegentlich zur Verbesserung sportlicher Leistungen und zur unterstützung der Gewichtsabnahme verwendet. Die schwerwiegendsten Nebenwirkungen sind kardiovaskulärer Natur – nämlich akuter Myokardinfarkt, ausgeprägte Hypertonie, Myocarditis und schließlich letale kardiale Arrhtymien.

FALLBERICHT: Eine 19-jährige Frau nahm Ephedrin zur Verbesserung ihrer sportlichen Leistung ein. Nach zehntägiger Einnahme entwickelte sie eine hämodynamisch wirksame ventrikuläre Tachykardie, welche weder auf Kardioversion noch auf Amiodaron ansprach. Nach 60 Stunden – wahrscheinlich nach ausreichendem Abfall ihrer Plasma-Ephedrin-Spiegel – konvertierte sie wieder in Sinusrhythmus. Elektrophysiologisch konnte ihre ventrikuläre Tachykardie ausgelöst und erfolgreich abliert werden. Innerhalb der einjährigen Kontrollzeit kam es zu keinem Rezidiv.

DISKUSSION: Die Einnahme von Ephedrin kann nicht als der einzige Grund für die Rhythmusstörung unserer Patientin angesehen werden. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass Ephedrin die Attacke bei vorbestehender, zu Grunde liegender idiopathischer ventrikulärer Tachykardie ausgelöst hat. Obwohl die Patienten die erste Attacke der ventrikulären Tachykardie zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens hätte haben können, erscheint ein nur zufälliges Auftreten nach dem Ephedrin-Abusus sehr unwahrscheinlich.

SCHLUSSFOLGERUNG: Unserer Fallbericht zeigt, dass Ephedrin alleine – oder in Kombination mit Substanzen, die seine Wirkung auf das kardiovaskuläre System verstärken – paroxysmale ventrikuläre Tachykardien auf nicht ischämischer Basis auslösen kann. Da die Verwendung von Ephedrin das Risiko des Auftretens von lebensbedrohlichen Arrhythmien in sich birgt, sollte von seiner Einnahme dringend abgeraten werden.

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