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Kardiologie 29. Jänner 2008

Modulation des Immunsystems als Therapie

Ein Eingriff in die Immunantwort bei Patienten mit Herzinsuffizienz verringert in Folge die Zahl erstmaliger stationärer Aufnahmen auf Grund von Herz-Kreislauf-Störungen sowie das Sterblichkeitsrisiko aus jeglichem Grund. Derartige nichtspezifische Immunmodulationstherapien (IMT) könnten bei einer großen Anzahl betroffener Patienten eine Rolle spielen, folgert daher ein aktueller Artikel.
Die Aktivierung des Immunsystems bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz geht mit erhöhten Werten von entzündungsfördernden Zytokinen im Blut und Gewebe einher. Zudem treten für eine Reihe kardialer Antigene spezifische Autoantikörper auf. Tierversuche lassen vermuten, dass einige dieser Moleküle das Herz in einer Art und Weise schädigen, die zum Herzversagen führen könnte. Die Modifizierung dieser Immunreaktion ist somit eine ansprechende therapeutische Zielsetzung.
Prof. Dr. Guillermo Torre-Amione und Kollegen des Methodist-DeBakey-Herzzentrums am Methodist Hospital in Houston unternahmen eine 2.426 Patienten umfassende Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie einer gerätegestützten IMT (Lancet 2008; 371: 228). Alle Patienten hatten eine chronische Herzinsuffizienz der Klasse II-IV (NYHA) sowie systolische linksventrikuläre Fehlfunktionen und wurden innerhalb der vergangenen 12 Monate auf Grund des Herzversagens stationär aufgenommen oder einer ambulanten intravenösen Therapie zugeführt. Die Patienten erhielten per Zufallsverfahren IMT (1213) oder Placebo (1213). Die Studie wurde so lange fortgeführt, bis alle Patienten über 22 Monate behandelt waren. Als primärer Endpunkt galt der Tod (aus jeglichem Grund) oder eine nachfolgende erstmalige stationäre Aufnahme auf Grund von Herz-Kreislauf-Beschwerden.
Während der mittleren Nachbeobachtungsphase von 10,2 Monaten gab es 399 primäre Ereignisse in der IMT-Gruppe und 429 in der Placebogruppe, was für die IMT-Gruppe eine Risikoverringerung von acht Prozent bedeutet. In zwei zuvor festgelegten Patienten-Untergruppen (ohne Herzinsuffizienz-Vorgeschichte, NYHA-II-Herzinsuffizienz) war die IMT jedoch mit einer 26-prozentigen und das Risiko eines primären Ereignisses mit einer 39-prozentigen Verringerung verknüpft.
Die Autoren folgern: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die nichtspezifische Immunmodulation für einen großen Anteil der an Herzinsuffizienz erkrankten Bevölkerung als Behandlung eine Rolle spielen könnte – darunter auch Patienten ohne Vorgeschichte eines Myokardinfarkts und jene mit NYHA-II-Klassifizierung.“

Quelle: The Lancet

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