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Kardiologie 28. Jänner 2008

Statine bei Diabetes

Laut einer kürzlich veröffentlichten Meta-Analyse reduziert Statin-Therapie das Risiko für schwere kardiovaskuläre Erkrankungen und die Notwendigkeit präventiver Eingriffe bei vielen Diabetikern, unabhängig davon, ob sie bereits kardiovaskulär erkrankt sind, und unabhängig von Alter, Geschlecht und anderen klinischen Vorerkrankungen (Lancet 2008; 371: 117-125). Beide Diabetestypen sind mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert, daher ist die Suche nach präventiven Maßnahmen in diesem Bereich von hoher Wichtigkeit. Obwohl frühere Studien gezeigt hatten, dass Statintherapie bei Diabetikern wirksam schwere vaskuläre Vorfälle verhindern kann, war das Ausmaß der durch Statine erzielbaren Vorteile bezogen auf schwere koronarer Ereignisse, Schlaganfälle oder koronare Revaskularisierung unklar. Ebenso war fraglich, ob Statine bei Diabetikern genauso wirksam sind wie bei Nichtdiabetikern, und ob Statine bei Diabetikern ohne vaskuläre Vorerkrankungen ebenfalls Vorteile bringen.
Wissenschaftler der Universitäten Oxford und Sydney suchten die offenen Fragen zu beantworten: dazu führten sie eine Meta-Analyse mit den Daten von 14 randomisierten Studien durch, an denen insgesamt 18.686 Diabetiker und 71.370 Patienten ohne Diabetes teilgenommen hatten.
Während der mittleren Nachuntersuchungszeit der berücksichtigten Studien von 4,3 Jahren gab es 3.247 klinische Vorfälle bei den Diabetikern. Die Forscher fanden bei den Diabetikern eine proportionale Reduktion der Gesamtsterblichkeit von neun Prozent je ein Millimol/Liter Reduktion des LDL-Cholesterins. Bei Nichtdiabetikern zeigte sich eine ebensolche Reduktion um dreizehn Prozent. Bei gesonderter Betrachtung der vaskulären Vorfälle zeigte sich sowohl bei Diabetikern als auch bei Nichtdiabetikern eine signifikante Reduktion der Geschehnisse um etwa ein Fünftel pro Reduktion des LDL-Spiegels um ein Millimol/Liter. Wie die Studienautoren erklären, fällt die Risikoreduktion bei beiden Patientengruppen tatsächlich ähnlich hoch aus, unabhängig von vaskulären Vorerkrankungen, Alter, Geschlecht und anderen Grunderkrankungen. In Zahlen ausgedrückt, gab es durch Statintherapie unter 1.000 Diabetikern binnen fünf Jahren 42 schwere vaskuläre Vorfälle weniger.
Die Autoren erklären: „Diese Meta-Analyse zeigt überzeugend, dass die proportionalen Vorteile der Statintherapie, bezogen auf schwere vaskuläre Ereignisse, bei Diabetikern und bei Personen ohne Diabetes ähnlich sind.“ Und weiter: „Die meisten Diabetiker sollten nun für eine Statintherapie in Betracht gezogen werden, es sei denn, ihr Risiko liegt niedrig (etwa bei Kindern), oder wenn gezeigt wurde, dass Statintherapie nicht ratsam ist, wie etwa in der Schwangerschaft.“

MedAustria, Ärzte Woche 4/2008

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