zur Navigation zum Inhalt
 
Kardiologie 5. Juli 2007

Neue Zielwerte für Hypertoniker

Für Hypertoniker mit hohem kardiovaskulären Risiko werden jetzt generell niedrigere Blutdruckwerte als bisher empfohlen. Diese neuen Empfehlungen sind in gemeinsamen Leitlinien der Europäischen Hypertoniegesellschaft und der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft zur antihypertensiven Therapie enthalten. Darin gibt es zudem Empfehlungen für die Auswahl von Antihypertensiva etwa bei metabolischem Syndrom und
Diabetes.

Die neuen Leitlinien wurden beim European Meeting on Hypertension in Mailand vorgestellt sowie im „Journal of Hypertension“ (25, 2007, 1105) veröffentlicht worden. Dort heißt es: Ein Zielwert von unter 130/80 mmHg sollte für Patienten angestrebt werden, die bereits Zeichen für eine zerebrovaskuläre Erkrankung hatten. Ein solches Ziel sollte desgleichen bei Patienten mit KHK angestrebt werden.

PROGESS und HOT

Grund für die Neufassung der Leitlinien in diesem Punkt ist eine Nachanalyse der PROGRESS-Studie. In dieser Untersuchung hatten Schlaganfall-Patienten von einer Sekundärprophylaxe profitiert, sofern ihr systolischer Blutdruck durch eine antihypertensive Therapie Werte zwischen 120 und 130 mmHg erreichte. Für die Patienten mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko haben die Autoren ihre Empfehlungen aus Ergebnissen der HOT-Studie hergeleitet. Ausdrücklich wird betont, dass trotz eindeutiger Studien-Belege viele Patienten den bisherigen Zielwert von 140 mmHg systolisch nicht erreichen konnten.

Die Arznei ist keineswegs egal

Zur Differenzialtherapie werden je nach Erkrankung bestimmte Wirkstoffklassen präferiert. So gibt es nun eine Empfehlung für Patienten mit metabolischem Syndrom. Sie haben oft Hypertonie und immer ein hohes kardiovaskuläres Risiko. Zur Therapie werden für sie in erster Linie ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Antagonisten und Kalzium-Antagonisten empfohlen. In den Empfehlungen für Diabetiker heißt es: primär ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Antagonisten.
Die Autoren erteilen damit dem Prinzip „ein Blutdrucksenker für alle“ eine deutliche Absage. Lediglich für Schlaganfall-Patienten gilt: der Blutdruck muss runter, egal womit.

 Fakten

Der Artikel erschien zuerst in der deutschen Ärzte Zeitung am 21.06. 2007.

Dr. Heinz Dieter Rödder, Ärzte Woche 27/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben