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Kardiologie 3. Oktober 2007

Psychosomatisches Wissen für Kardiologen

Zum zweiten Mal startet Mitte Oktober das zweisemestrige Curriculum Kardiologische Psychosomatik. Es richtet sich an Ärztinnen und Ärzte ebenso wie an Psychologen, Assistenz- und Pflegepersonal sowie Physiotherapeuten, und soll eine umfassende bio-psycho-soziale Betreuung von Herzpatienten gewährleisten.

„In der Facharztausbildung zum Kardiologen, aber auch in der allgemeinen medizinischen Ausbildung, werden die psychosomatischen Faktoren von Krankheit zu wenig ausgeführt“, erklärt Dr. Georg Titscher, leitender Oberarzt des psychosomatischen Schwerpunkts an der 2. Medizinischen Abteilung im Hanuschkrankenhaus in Wien, warum er sich so sehr für das Curriculum kardiologische Psychsomatik einsetzt. Schon zum zweiten Mal startet die zweisemestrige Ausbildung für zehn bis 16 Teilnehmer.

Arzt-Patienten-Gespräch

Auch die kommunikativen Fertigkeiten, betont der Psychokardiologe, würden in der ärztlichen Ausbildung zu wenig berücksichtigt. Dabei wiesen immer mehr Studien darauf hin, dass psychosoziale Faktoren und Herzerkrankungen zusammenwirken. „Es war für mich ein Aha-Erlebnis, festzustellen, wie wenig ich die psychosomatische Komponente aufgrund meiner bisherigen ärztlichen Ausbildung wahrgenommen habe“, erzählt Prof. Harald Gabriel, Sportkardiologe an der MedUni Wien über seine Erfahrungen als Absolvent des Curriculums. „Es war sehr interessant, wie hoch der Wert der körperlichen Therapie im Zusammenhang mit Depressionen ist. Training verbessert die Herzfrequenzvariabilität, diese ist z. B. bei depressiven Patienten vermindert. In der Folge kann es zu Depressionen kommen. Umgekehrt kann das ‚Syndrom des vollen Terminkalenders‘ z. B. durch regelmäßiges Laufen und nachfolgende Entspannungsphasen erfolgreich therapiert werden.“

Bewusster Umgang mit Patienten

Die Ausbildung öffnet den Teilnehmern den Weg, mehr über sich selbst und ihre Reaktionen auf schwierige Patienten zu erfahren. „Unsere Gefühle sind ein wichtiges diagnostisches und therapeutisches Mittel,“ weiß Titscher. „Statt sie zu verdrängen, ist es besser, sie nützlich einzusetzen. Etwa, wenn ein Patient innerlich aggressiv ist und negative Gefühle beim Arzt auslöst. Das beugt auch dem ärztlichen Burnout vor.“
Nach Beendigung des Curriculums berichteten Ärzte, dass sie überrascht waren über den Prozentsatz unter ihren Patienten, die soziale oder psychische Probleme haben, und dass sie sich nun nicht mehr scheuen, diese Probleme auch anzusprechen.
Informationen über das Curriculum Kardiologische Psychosomatik: www.psychokardio.at oder unter Tel.: 91021-57114

Inge Smolek, Ärzte Woche 40/2007

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