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Kardiologie 17. Oktober 2016

Ein Biomarker reicht aus

Herzinfarkt. Innsbrucker Forscher zeigten, dass die Bestimmung von nur einem Entzündungsmarker, wie etwa CRP, für eine Prognose ausreicht.

Die Daten der Forscher rund um den Studien-Erstautor Dr. Martin Reindl, von der Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Innsbruck, die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) präsentiert wurden, zeigen erstmals, dass die Bestimmung von nur einem der systemischen Entzündungsmarker C-reaktive Protein (CRP), Leukozyten-Konzentration oder Fibrinogen ausreicht, um die akute und chronische Herzmuskel-Schädigung und somit die Prognose von Patienten nach einem akuten Herzinfarkt (STEMI) abzuschätzen.

Äquivalente Marker

„Wir konnten deutlich zeigen, dass erhöhte Konzentrationen der Entzündungsmarker eine ausgeprägtere Schädigung des Herzmuskels anzeigen. Die Wertigkeit der einzelnen Entzündungsmarker war gleich, die Bestimmung eines einzelnen dieser Biomarker ist also ausreichend.“

Eine Kombination der Entzündungsmarker mit dem derzeitigen Goldstandard-Biomarker zur Abschätzung der Herzmuskel-Schädigung, dem hochsensitiven kardialen Troponin T, führte zu keiner signifikanten Steigerung der prognostischen Vorhersage im Vergleich zum hochsensitiven Troponin T alleine. Reindl: „Ist eine serielle Bestimmung des hochsensitiven Troponin T möglich, kann bezüglich Prognoseprädiktion auf die Analyse der systemischen Entzündungsmarker verzichtet werden und es können somit Ressourcen im klinischen Betrieb eingespart werden.“

Obwohl die klinische Relevanz der systemischen Entzündungsmarker in vorherigen Studien noch nicht ausreichend geklärt werden konnte, werden bei Patienten mit akutem Herzinfarkt diese Biomarker häufig routinemäßig mitbestimmt.

CRP wird intensiv erforscht

Entzündungsprozesse spielen sowohl in der Akutphase des Herzinfarktes als auch in der chronischen Heilungsphase eine wesentliche Rolle. Neben lokalen Entzündungen im Herzmuskel werden auch systemische Entzündungsparameter aktiviert, die im peripheren Blut messbar werden. Einer der am intensivsten erforschten Marker der systemischen Entzündung ist das C-reaktive Protein (CRP).

Frühere Studien zeigten, dass bei akutem Herzinfarkt die CRP-Konzentration signifikant ansteigt und dieser Anstieg mit einem schlechteren Überleben assoziiert ist. Als weitere klinisch wichtige systemische Entzündungsmarker gelten die Leukozyten-Konzentration und das Fibrinogen, die ebenfalls eine prognostische Bedeutung bei Patienten mit akutem Herzinfarkt haben.

Ziel der Innsbrucker Studie mit 111 konsekutiven Patienten mit einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) war es, die Bedeutung der Entzündungsmarker CRP, Leukozyten und Fibrinogen für die Abschätzung der akuten und chronischen Herzmuskel-Schädigung sowie der Herzleistung nach STEMI zu evaluieren. Für die Bestimmung der Herzmuskel-Schädigung und der kardialen Funktion wurde innerhalb einer Woche nach Infarkt sowie vier Monate darauf eine Herz-MRT durchgeführt. „Trotz der begrenzten Prognoseabschätzung der systemischen Entzündungsparameter im Vergleich zum hochsensitiven Troponin T geht aus unseren Daten eine sehr enge Wechselwirkung zwischen Entzündung und Herzmuskel-Schädigung hervor“, so Reindl.

In welchem Ausmaß die Entzündung per se ursächlich für die Schädigung des Herzmuskels ist, müsse in weiteren Studien im Detail geklärt werden. Insbesondere ob anti-entzündliche Therapien zu einer Reduktion der Herzmuskel-Schädigung beitragen können, sei in diesem Zusammenhang von großem klinischem Interesse und sollte in zukünftigen randomisierten kontrollierten Studien untersucht werden, sagt Reindl.

Quelle: ESC-Vortrag – Reindl et al., Relation of inflammatory markers with myocardial and microvascular injury in patients with reperfused ST- elevation myocardial infarction (STEMI)

Kongress

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