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Kardiologie 17. Oktober 2016

Hormone mehr beachten

Herzinsuffizienz. Wiener Studie zeigt hormonelle Veränderung durch Medikamente – ein Schritt in Richtung personalisierte Kardiologie.

Forschern der MedUni Wien/ des AKH Wiens ist es erstmals gelungen, den Wirkmechanismus einer auf bestimmte Hormone wirkenden Wirkstoff-Kombination gegen Herzinsuffizienz (HI) im Detail zu analysieren und damit Einblicke in die erzielten hormonellen Veränderungen zu gewinnen.

„Die teilweise unerwarteten Resultate werden die Forschung in diese Richtung hoffentlich weiter stimulieren, um die Therapie der Zukunft zu verbessern“, so Studien-Co-Autor Dr. Raphael Wurm, Univ.-Klinik für Innere Medizin II, MedUni Wien/ AKH Wien, auf dem Europäischen Kardiologenkongress ESC 2016. „Unsere Ergebnisse könnten auch dabei helfen, die Behandlung der chronischen HI weiter zu personalisieren. Das Ziel ist, dass wirklich nur jene ein Medikament erhalten, die davon möglichst viele positive Effekte und möglichst wenig Nebenwirkungen erwarten können.“

Negative Effekte schleichen sich ein

Der Hintergrund: Zur HI-Behandlung stehen mehrere Medikamente zur Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung des Überlebens zur Verfügung. Gemeinsam ist den meisten, dass sie auf ein bestimmtes Hormonsystem („Renin-Angiotensin-System“) im Körper zielen. Diese Hormone werden in der Niere gebildet, wenn dort eine zu geringe Durchblutung festgestellt wird. Das ist bei der HI, wo die Pumpkraft des Herzens verloren geht, der Fall.

Anfänglich verbessern diese Hormone die Herz-Leistung, allmählich kommt es jedoch zu negativen Effekten, die mit Medikamenten blockiert werden können. Ein im Vorjahr neu zugelassenes Kombinations-Medikament mit zwei Wirkstoffen wirkt auch auf das Renin-Angiotensin-System, die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, allerdings herrscht noch Unklarheit darüber, wie es genau wirkt.

Massenspektrometrie schafft einen Überblick der Veränderungen

Um den Wirkmechanismus besser zu verstehen, wandte die Forschergruppe rund um Dr. Martin Hülsmann, Universitätsdozent an der Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie, MedUni Wien/ AKH Wien, das Messverfahren der Massenspektrometrie an. Das Gewicht von chemischen Stoffen kann damit so genau bestimmt werden, dass sich ein Stoff präzise identifizieren lässt.

Untersucht wurde das Blut von sechs Patienten kurz vor der Umstellung auf das neue Medikament und einige Wochen danach. „Damit konnten wir einen genauen Überblick über die Veränderungen bekommen, die durch das Medikament ausgelöst wurden“, so Wurm. „Eine Überraschung zeigte sich in einem bisher wenig beachteten Bereich in diesem Hormonsystem, wo sich entgegen den Erwartungen unter dem neuen Medikament ein höherer Hormon-Spiegel als zuvor einstellte. Nur wenn wir mehr über die genaue Wirkweise wissen, können wir in Zukunft speziell jene Patienten finden, die von einer Behandlung besonders stark profitieren würden.“

Allerdings stehe die Forschung auf diesem Gebiet noch am Anfang, so Wurm: „Es wird noch einige Jahre dauern, bis diese Ergebnisse tatsächlich bei den Patienten und in den Krankenhäusern angekommen sind.“ Chronische Herzmuskelschwäche betrifft hierzulande bis zu 200.000 Patienten. Die Erkrankung ist oft die Folge eines unbehandelten Bluthochdrucks oder eines Herzinfarkts und betrifft damit hauptsächlich Menschen ab dem 60. Lebensjahr. Durch den chronisch voranschreitenden Verlauf kann es zu einer dramatischen Einschränkung der Lebensqualität und auch der Lebenserwartung bei den Betroffenen kommen.

Quelle: ESC-Vortrag – Pavo, Wurm et al., Fingerprint of the renin-angiotensin-system during ARNI therapy in patients with systolic heart failure

Kongress

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