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Dr. Walter Pescosta ist niedergelassener Facharzt für Innere Medizin in Wien
 
Kardiologie 7. September 2016

Nach zwei Herzinfarkten zurück auf dem Tennisplatz

Herzinsuffizienz. Entresto ist seit letztem Jahr als erster Vertreter der neuen Substanzklasse ARNI verfügbar. Die ersten Erfahrungen zeigten eine schnelle Verbesserung der Beschwerdesymptomatik. Wie sich genau eine Therapie in der Praxis gestalten kann, erzählt ein Internist, der selbst nach zwei Infarkten zum Herzinsuffizienz-Patient wurde.

Seit November 2015 ist mit Entresto ein Kombinationspräparat aus dem AT1-Rezeptorblocker Valsartan und dem Neprilysin-Inhibitor Sacubitril für die Therapie erwachsener Patienten mit symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz und reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion zugelassen. Dr. Walter Pescosta, niedergelassener Internist in Wien, geboren am 29.11.1949, wurde aufgrund zweier Myokardinfarkte in den letzten beiden Jahren selbst zum Herzinsuffizienz-Patienten. Die Behandlung mit Entresto ermöglichte ihm die Wiederherstellung von Beschwerdefreiheit und Leistungsfähigkeit.

Wie begann Ihr kardialer Leidensweg?

Pescosta: Ich war bis vor zwei Jahren völlig gesund. Am 21. Jänner 2014 hatte ich einen Vorderwandinfarkt aufgrund einer subtotalen LAD-Stenose, die innerhalb von zwei Stunden mittels Stent versorgt wurde. Allerdings erlitt ich während des stationären Aufenthalts zwei Lungenembolien, sodass bei der Entlassung ein Pleuraerguss bestand, der sich danach mithilfe von Diuretika zurückbildete. Im Mai 2015 entwickelte ich einen nicht penetrierenden Hinterwandinfarkt, der sich durch starke Atemnot bemerkbar machte. Hier wurde erst Tage nach Beginn der Beschwerden eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, die einen Thrombus von 2,5 cm Durchmesser in der rechten Koronararterie ergab. Daher mussten vier Stents gesetzt werden. Nach beiden Infarkten bin ich innerhalb einer Woche wieder arbeiten gegangen, und ich habe leider auch keine Rehabilitationsaufenthalte in Anspruch genommen. Ich konnte keine Vertretung bekommen und bin auch eher hart im Nehmen. Nach dem zweiten Infarkt betrug die Auswurffraktion allerdings nur mehr 29 Prozent bei einem Normwert von 60 bis 70 Prozent. Die Herzszintigrafie sah desolat aus; es bestand praktisch nur mehr eine Restdurchblutung rechts und lateral, in der Vorderwand hatte sich die Durchblutung nicht gebessert. Ich war nicht mehr in der Lage, Sport zu betreiben.

Haben zuvor Risikofaktoren bestanden?

Pescosta: Es bestand eine leichte Hypercholesterinämie mit Werten von 220 bis 230 mg/dl. Der HbA1c-Wert war immer normal. Nachdem ich Normalgewicht hatte und sehr sportlich war, nahm ich bis zum Infarkt keine Lipidtherapie. Allerdings ist sicher eine familiäre Belastung vorhanden. Meine Schwester hatte mit 41 Jahren den ersten Herzinfarkt und ist mit 51 an einer Aneurysmablutung verstorben. Die Mutter verstarb mit 65 Jahren an einer Subarachnoidalblutung, und mein Bruder erlitt mit 65 einen akuten Herztod.

Wie gestaltete sich die Dauertherapie?

Pescosta: Ich hatte die übliche Therapie mit Ticagrelor, einem Betablocker, einem ACE-Hemmer sowie anfänglich Clopidogrel. Nachdem massive Hämatome auftraten, habe ich mit meinem betreuenden Arzt eine Reduktion der Ticagrelor-Dosis von 90 mg auf 60 mg vereinbart. Vorübergehend nahm ich auch Sedacoron, da während des ersten Herzinfarkts passager Vorhofflimmern aufgetreten war.

Wann fiel die Entscheidung zur Therapieeinstellung auf Entresto?

Pescosta:Ich nehme Entresto seit drei Monaten anstatt des ACEHemmers. Die Idee zur Therapieänderung hatte ich aufgrund der geringen Auswurffraktion, da kam Entresto gerade rechtzeitig. Zusätzlich nehme ich Bisprolol, aufgrund meines niedrigen Blutdrucks in einer Dosis von nur 1,25 mg. Deswegen konnte ich auch Entresto nicht auf die Höchstdosis steigern. Unter Inegy sind die Blutfette mittlerweile ideal bei LDL-Werten um 58 mg/dl und einem Gesamtcholesterinwert von zirka 150 mg/dl. Es geht mir sehr gut, ich bin beschwerdefrei und kann wieder sportlich voll aktiv sein. Stiegensteigen ist über zwei bis drei Stockwerke ohne Atemnot möglich, und ich spiele jede Woche eine Stunde lang Tennis, ohne pausieren zu müssen. Mein Trainer hat mir eine schriftliche Bestätigung darüberausgestellt, dass ich bei vollem Spiel ohne Beschwerden mithalten kann. Vor der Therapie mit Entresto litt ich unter einer Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse III, jetzt hat sich eine Verbesserung um eineinhalb Klassen auf NYHA I bis höchstens II ergeben. Die Auswurffraktion werde ich im Herbst überprüfen lassen, und ich hoffe, dass sie dann um mindestens 10 Prozent gestiegen ist.

Jeder, der mich kennt, wundert sich, dass es mir so gut geht. Angesichts dieses Szintigrafiebefundes, der einer diffusen Dreigefäßerkrankung mit Beteiligung vieler Nebenäste entspricht, und der schlechten Auswurfleistung kann ich festhalten, dass Entresto für mich einen spürbaren Gewinn gebracht hat.


Judith Moser Dr. Walter Pescosta
, Ärzte Woche 36/2016

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