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Vorhofflimmern: Woran liegt´s, dass Frauen häufiger einen Insult erleiden?
 
Kardiologie 19. Juli 2016

Frauen mit Vorhofflimmern sind gefährdeter als Männer

Dass das weibliche Geschlecht im CHA2DS2-VASc-Score ein eigenständiger Risikofaktor ist, fand in einer aktuellen Studie neuerlich Bestätigung.

Im Rahmen der CARDIOSTIM - EHRA EUROPACE, der Anfang Juni in Nizza stattfand, stellte Dr. Ghanshyam Shantha von der Medizinischen Universität Iowa eine Studie mit einer Laufzeit von 15 Jahren vor. Darin wurden 1,1 Millionen Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) analysiert. Es zeigte sich, dass das Risiko wegen eines ischämischen Schlaganfalls in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden bei Frauen um 23% höher war als bei Männern. Laut Shantha sei dieses Ergebnis umso besorgniserregender als bei auch die therapeutische Versorgungschlechter als bei Männern ist. 60 Prozent der Männer, bei den aufgrund von VHF die Indikation für eine orale Antikoagulation gestellt wird, bekommen diese Therapie auch. Bei Frauen beträgt dieser Anteil nur 30 Prozent. Auch bei gezielten Behandlungsformen des Vorhofflimmerns, wie etwa der Ablation, sind Frauen benachteiligt. Studien, die geschlechtsspezifische Unterschiede aufzuzeigen versuchen, sind bei Vorhofflimmern daher von besonderer Bedeutung.

Die aktuelle Studie von der Arbeitsgruppe um Shantna ging der Frage nach, welchen Einfluss das Geschlecht auf die durch ischämischen Insult bedingte Hospitalisationsrate bei Patienten mit VHF hat. Um Antwort zu finden, bedienten sich die Wissenschafter des National Inpatient Sample, einer amerikanischen Datenbank, die Information über 20 Prozent aller US-weit stationär behandelten Patienten bereitstellt. Die Datenbank beinhaltet 1,1 Millionen Patienten, die zwischen 1998 und 2012 stationär behandelt wurden und deren Patientenakte die Diagnose Vorhofflimmern aufwies. Die Daten wurden über 15 Jahre verfolgt, wobei sich zeigte, dass 2,64 Prozent der Frauen und 2,15 Prozent der Männer im Verlauf einen ischämischen Insult erlitten hatten. Nach Adjustierung des Risikos bezüglich der Risikofaktoren Alter, Diabetes, Hypertonie und Herzinsuffizienz war das Insultrisiko bei den Frauen schließlich um 23 Prozent höher als bei Männern. Daran hat sich auch zuletzt wenig geändert, wie die gesonderte Betrachtung einzelner Zeitabschnitte zeigt. Das Risiko war in den Jahren 1998 – 2002 um 28 % höher, in den Jahren 2003 – 2007 um 23 % und in den Jahren 2008 – 2012 um 22 %. Der Unterschied betraf alle Subgruppen unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft oder sozioökonomischem Status. Shantha: „Ganz egal, wie man die Daten betrachtet, analysiert und aufteilt, Frauen schneiden in Bezug auf das Insultrisiko immer schlechter ab als Männer.“

Was die Ursachen für diesen Geschlechtsunterschied sind, ist noch unklar. Es scheint jedoch nicht so sehr ein biologischer Unterschied zu sein, der Frauen anfälliger für Insulte im Rahmen von Vorhofflimmern macht, als vielmehr die unterschiedliche Behandlung mit weniger konsequentem Einsatz von oralen Antikoagulanzien trotz gegebener Indikation. Dazu Professor Michael Giudici, Senior Autor der Studie und Direktor der Behandlungseinrichtungen für Arrhythmien an allen Krankenhäuser und Kliniken in Iowa: „Frauen neigen dazu sich immer um andere, nicht aber um sich selbst zu kümmern. Sie sollten lernen, mehr auf sich selbst zu achten und ihre Beschwerden ernst zu nehmen, um Verzögerungen bei der Behandlung von VHF zu vermeiden.

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