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Vorhöfe des Herzens: Vorbeiist’s mit dem Schattendasein. Springer Velag
 
Kardiologie 19. Juli 2016

Konsensus Statement „Atriale Kardiomyopthien“

Beim europäischen Rhythmologen-Kongress wurde erstmals eine Definition und Klassifikation für atriale Kardiomyopathien vorgestellt. Im Folgenden die Kernbotschaften des zukunftsweisenden Konsensus Statements.

Für ventrikuläre Kardiomyopathien gibt es klare Definitionen, Klassifikationen und internationale Guidelines, die regelmäßig aktualisiert werden. Erkrankungen der Vorhöfe führten bisher ein Schattendasein. Vorhofflimmern ist zwar die häufigste Herzrhythmusstörung. Doch woher genau diese elektrische Instabilität kommt, und ob es neben sekundären Erkrankungen wie etwa die atriale Dilation bei Mitralstenose auch primäre Erkrankungen der Vorhöfe gibt, von der die Rhythmusstörung ihren Ausgang nimmt, wurde bisher wenig thematisiert. Zwar haben sich Wissenschafter wie Engelmann, Garrey, Scherf oder zuletzt Hassaguerre schon vor Jahren Gedanken zur Pathogenese des Vorhofflimmerns gemacht. Doch viele Fragen sind nach wie vor unbeantwortet. Sind es repetitive atriale Salven aus dem Mündungsgebiet der Pulmonalvenen oder doch eher multiple kreisende Erregungswellen, die das entscheidende pathogenetische Moment darstellen? Die Meinungen darüber sind verschieden. Einig ist man sich hingegen darin, dass anhaltendes Vorhofflimmern elektrisches Remodeling bewirkt, das zwar bei kurzfristigen Bestehen reversibel ist, nicht aber, wenn die Rhythmusstörung Monate oder Jahre anhält. Weitgehend einig ist man sich auch darin, dass es struktureller Veränderungen im linken Vorhof für die Aufrechterhaltung des Flimmerns bedarf. Die Erarbeitung einer Definition und Klassifikation von atrialen Kardiomyopathien ist der erste große Schritt, um sich gemeinsam auf die Suche nach „flimmerfähigen“ Substraten zu machen.

EHRAS I – IV: die neue Klassifikation von VHF

Alle vier großen internationalen Fachgesellschaften haben am Zustandekommen des Konsensus Statements mitgewirkt: die European Heart Rhythm Association (EHRA) der European Society of Cardiology (ESC), die Amerikanische Heart Rhythm Society (HRS), die Asia Pacific Heart Rhythm Society (APHRS) und die Sociedad Latinoamericana de Estimulacion Cardiaca y Electrofisiologia (SOLAECE) beteiligt.

„Die Anfangsbuchstaben dieser Gesellschaften ergeben das Akronym ‚EHRAS‘, das der Stadieneinteilung zugrunde liegt“, erklärte Professor Andreas Goette, Vorsitzender der weltweiten Arbeitsgruppe, im Rahmen der Präsentation des Konsensus Statements in Nizza. „Unser Konsensus Papier ist weltweit das erste, das atriale Erkrankungen thematisiert.“

Das Dokument beinhaltet eine Definition und Klassifikation von atrialen Kardiomyopathien. Laut Definition ist eine atriale Kardiomyopathie „jeder Komplex von strukturellen, morphologischen, kontraktilen oder elektrophysiologischen Veränderungen der Vorhöfe, der Ausgangspunkt für relevante klinische Manifestationen ist. Basierend auf histologischen und pathophysiologischen Befunden werden vier Klassen unterschieden. Professor Goette: „Die Klassifikation soll dazu dienen, die zugrunde liegende Pathologie verschiedener klinischer Zustandsbilder zu beschreiben. Sie soll uns helfen, maßgeschneiderte Therapien zur Behandlung von Vorhofflimmern zu entwickeln, die die Ursache der Rhythmusstörung berücksichtigen. So werden mögliche Trigger wie myozytäre Veränderungen und Veränderungen der Zusammensetzung der extrazellulären Matrix im Rahmen von Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes oder Alter detailliert besprochen. Auch der Einfluss von Genmutationen, des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms oder unerwünschter Medikamentenwirkungen wird aufgelistet.

Genügend Raum wird auch den Möglichkeiten gewidmet, wie das Auftreten von Vorhofflimmern verhindert bzw. zumindest hinausgezögert werden kann.

In einem eigenen Kapitel wird auf den Einsatz von Biomarkern zur besseren Risikoeinschätzung der Patienten eingegangen und es wird der der Stellenwert der bildegebenden Diagnostik diskutiert. Die Echokardiografie wird als diagnostisches Mittel der Wahl für das Screening und Monitoring der Patienten mit atrialer Kardiomyopathie empfohlen. Als Möglichkeit für den Thrombusnachweis etwa vor einer Ablation wird die Computertomografie angeführt.

Maßgeschneiderte Therapien für ein besseres Outcome

Mit dem neuen Statement wird vieles in Fluss kommen, sind sich Experten einig. Nicht nur, dass man künftig den Ursachen von Vorhofflimmern stärker auf den Grund gehen und die verschiedenen Formen von atrialen Pathologien klarer unterscheiden wird, ist von Bedeutung. Die neu geschaffene Terminologie soll vor allem auch eine Basis für weitere wissenschaftliche Forschung bilden, die das Ziel verfolgt, maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln, um das Outcome der Patienten, die an einer atrialen Erkrankung leiden, zukünftig zu verbessern.

Das Konsensus Statement wird demnächst zeitgleich in den drei Journalen „EP-Europace“, „HeartRhythm“ und dem „Journal of Arrhythmie“ publiziert.. Cardio News Austria wird Sie auf dem Laufenden halten.

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