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Fluglärm in besiedelten Bereichen ist ein Gesundheitsproblem. mitifoto/fotolia.com
 
Kardiologie 19. Juli 2016

Fluglärm lässt Hypertonierisiko ansteigen

Fluglärm ist nicht nur belastend, sondern schädigt nachweislich den Organismus, so das Ergebnis einer beim Kongress EuroPrevent vorgestellten Studie.

Laut Angaben der International Civil Aviation Organization hoben im Jahr 2013 64 Millionen Flugzeug weltweit von der Landebahn ab. „Diese Zahl wird sich laut Schätzungen von Experten in den kommenden 20 Jahren verdoppeln“, berichtete Prof. Dr. Marta Rojek von der Jagiellonian Universität Krakau. Gleichzeitig sind aufgrund des Bevölkerungswachstums und der sich ausdehnenden Stadtgrenzen zunehmend mehr Menschen in der Umgebung von Flughäfen einer immer stärkeren Lärmbelastung ausgesetzt. Die Hinweise, dass diese Exposition das Risiko für Hospitalisationen aufgrund von kardiovaskulären Erkrankung steigert, werden immer deutlicher.

Die aktuelle Studie der Arbeitsgruppe um Prof. Rojek untersuchte den Einfluss von Fluglärm auf die Entwicklung einer arteriellen Hypertonie und damit verbundenen Endorganschäden. 201 erwachsene Personen im Alter zwischen 40 und 66 Jahren, die mindestens drei Jahre lang in einem von Fluglärm belasteten Gebiet lebten, wurden per Zufallsgenerator ausgewählt. 60 der Studienteilnehmer waren stark exponiert (Lautstärke > 60 dB). Bei den restlichen 100 war die Lärmbelastung geringer (< 55 bB); sie dienten als Kontrollgruppe.

Für die Analyse wurden die Personen nach Geschlecht, Alter und Expositionsdauer eingeteilt. Bei allen wurden die Blutdruckwerte sowie die Steifigkeit der Aorta, die linksventrikuläre Funktion bzw. Masse als Ausdruck eines hypertoniebedingten Endorganschadens erhoben. Die Ergebnisse: Starke Fluglärmexposition war mit einer Hypertoniehäufigkeit von 40 Prozent assoziiert (in der Vergleichgruppe in 24 %). Ein ähnlicher Unterschied zeigte sich bezüglich der Parameter Gefäßsteifigkeit und linsventrikuläre Masse. Kein signifikanter Unterschied bestand bei der Linsventrikelfunktion.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass das Leben in der Nähe eines Flughafens langfristig mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert ist. Die Studienautoren fordern, dass in den Ländern der Europäischen Union Umweltbelastungen durch Lärm konsequent erhoben und die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen werden sollten. Aus medizinischer Sicht sei es nötig, Forschung zu betreiben, die der Frage nachgeht, über welche Mechanismen Fluglärm den Organismus schädigt und ob derlei Schäden rückgängig gemacht werden können.

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