zur Navigation zum Inhalt
v. l. Doz. Dr. Otto Traindl, Präsident des VLKÖ, Prof. Dr. Heribert Watzke, Präsident der ÖGIM, Dr. Lothar Fiedler, NÖ Ärztekammer, Prof. Dr. Franz Weidinger, Past President der ÖKG, Dr. Martin Wehrschütz, ÖÄK Springer/ak
 
Kardiologie 19. Juli 2016

Noch keine Einigung beim neuen Rasterzeugnis

Neben fachlichen Neuigkeitenwurde bei der ÖKG-Jahrestagung in Salzburg auch die neue Ärzte-Ausbildungsordnung diskutiert. Bezüglich Rasterzeugnis gibt es noch Klärungsbedarf.

Die Veranstaltung „Die Zukunft des Österreichischen Gesundheitswesen“ im Rahmen der ÖKG-Tagung war hochkarätig besetzt. Ulrike Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegerverbandes, Dr. Gottfried Endel, Leiter des Bereichs „Evidence-Based Medicine“ im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Dr. Silvia Türk, Leiterin des Bereichs Qualität im Gesundheitssystem des Bundesministeriums für Gesundheit und Dr. Martin Wehrschütz, Leiter des Bildungsausschusses der Österreichischen Ärztekammer und Prof. Dr. Franz Weidinger, Past President der ÖKG standen auf der Referentenliste. Prof. Weidinger führte die Kernpunkte der neuen Ärzteausbildungsordnung aus, wobei einzelne Details zum Rasterzeugnis noch offen sind. Die Erstellung war initial rasch vorangeschritten. Weidinger: „Bezüglich der geforderten Untersuchungen war zunächst von Richtzahlen die Rede. Im April 2016 hieß es plötzlich Mindestzahlen die Rede, ein Begriff, der ausschließlich selbstständig durchgeführte Untersuchungen zulässt und nicht wie die Richtzahl auch assistierte.“ Die ÖKG ist damit nicht einverstanden, da sie sich bezüglich der Beurteilung der Ausbildung gern an den Vorgaben der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft (ESC) orientieren möchte. Diese spricht in ihrem Core Curriculum 2013 ausschließlich von Kompetenzlevels ohne Angaben von Zahlen. Eine verbindliche Mindestzahl ginge in die entgegengesetzte Richtung, so die Botschaft Prof. Weidingers in Richtung Vertreter der Ärztekammer und des Bundesministeriums.

Zur Erinnerung: Hintergrund der Reform der Ärzte-Ausbildungsordnung (ÄAO) war, die Ausbildung zum Kardiologen mit jener in anderen EU-Ländern zu harmonisieren, die Ausbildungsqualität zu steigern und die Rechtssicherheit zu verbessern. Die ÄAO „neu“ ist mit 1. Juni 2015 in Kraft getreten. Die Ausbildung zum Kardiologen/zur Kardiologin besteht nun aus 9 Monaten Basisausbildung nach dem Studium. Diese kann an allen Standard-, Schwerpunkt- und Zentralkrankenanstalten in Form einer Anstellung als Turnusarzt erfolgen. Daran schließen sich mindestens 15 und maximal 36 Monate Sonderfach-Grundausbildung Innere Medizin sowie mindestens 27 und maximal 48 Monate Sonderfach-Schwerpunktausbildung in Kardiologie. Damit ist die Ausbildung zum FA für Innere Medizin und Kardiologie wie in den meisten anderen EU-Ländern nach 6 Jahren abgeschlossen.

Ärztinnen und Ärzte, die ihre Ausbildung vor dem 31. Mai 2015 begonnen haben, können ihre Ausbildung entweder nach der alten ÄAO abschließen oder unter Anrechnung bisher absolvierter Ausbildungszeiten ab März 2016 in die „neue“ Ausbildung wechseln, wobei zunächst die Anerkennung der Ausbildungsstätten für die neue Ausbildung und die Zustimmung des Dienstgebers erforderlich sind. Laut Dr. Wehrschütz ist es nun nötig, den Bedarf an Ausbildungsstellen zu präzisieren. Aktuell sind 1200 Stellen beantragt worden und befinden sich in Bearbeitung durch die Österreichische Ärztekammer. Laut Prof. Weidinger ist bis dato (Stand: Juni 2016) aber noch keine einzige Ausbildungsstelle „neu“ bewilligt worden. Eine Vorabprüfung durch die Wiener Ärztekammer wurde für jene Fälle in Aussicht gestellt, in denen vor Bescheidausstellung eine Besetzung notwendig ist.

Für die Ausbildungsstätten bedeutet die neue ÄAO, dass eine Neuanerkennung nötig ist. Für die Ausbildung nach der ÄAO 2006 bleiben die derzeit bestehenden Ausbildungsberechtigungen weiterhin aufrecht.

Gesundheitsökonomischer Zugang entfacht Diskussion

Erstmals im Rahmen der ÖKG-Tagung fand eine große Podiumsdiskussion zur Zukunft des Österreichischen Gesundheitswesens statt. Dabei wurden anhand des Beispiels der chronischen Herzinsuffizienz Ansätze für eine bessere Versorgungsqualität chronischer Erkrankungen dargestellt. Der Einsatz von flächendeckenden Disease-Mangement–Programmen unter Einbeziehung von speziell ausgebildeten diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonal wurde von der AG Herzinsuffizienz der ÖKG zuletzt wiederholt gefordert. Wie die Diskussion zeigte, nähern sich die Standpunkte der unterschiedlichen Berufsgruppen (Kostenträger, Pflegeverband, Krankenhausärzte, niedergelassene Ärzte, Ärztekammervertreter) zunehmend an.

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion vom Gesundheitsökonomen Dr. Ernst Pichelbauer, der vor allem ökonomischen Aspekte ins Spiel brachte, was vielfach auf Skepsis stieß.

Die Ökonomie gehöre natürlich dazu, aber könne nicht der alleinige Ansatz sein, wenn es darum geht, die Zukunft des österreichischen Gesundheitswesens zu gestalten, so der Tenor der diesbezüglichen Wortmeldungen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben