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Kardiologie 1. Juni 2016

Notfall Herzstillstand: Sind Antiarrhythmika von Nutzen?

Bei durch Defibrillation nicht terminierbarem Kammerflimmern waren Amiodaron und Lidocain in einer großen Studie nicht besser als Placebo. Allerdings waren in einigen Endpunkten und Subgruppen doch gewisse Vorteile erkennbar.

An der nordamerikanischen Amiodarone, Lidocaine or Placebo Study (ALPS) nahmen 3.026 Patienten mit Kammerflimmern oder anderer reanimationspflichtigen Kammertachykardien teil, die außerhalb des Krankenhauses aufgetreten waren und bei denen wiederholte elektrische Defibrillationen keinen Erfolg zeigten. Notärzte bzw. in den USA Paramedics injizieren diesen Patienten mit dem Ziel einer Rhythmusstabilisierung üblicherweise Antiarrhythmika, meist Amiodaron, wofür es bisher allerdings wenig harte Daten gibt.

Die ALPS-Studie, deren Ergebnisse vom Studienleiter Prof. Peter J. Kudenchuk bei der ACC-Jahrestagung vorgestellt wurden, sollte klären, ob die Antiarrhythmika dazu führen, dass mehr Patienten als bei Placeboinjektionen das Krankenhaus am Ende wieder lebend verlassen (primärer Endpunkt).

Wichtigster sekundärer Endpunkt war der Grad der Behinderung, gemessen mit der modified Rankin Scale (mRS). Außerdem wurde analysiert, wie viele Patienten bei Aufnahme ins Krankenhaus noch am Leben waren.

In der Gesamtschau profitierten die Patienten im Hinblick auf den primären Endpunkt nicht signifikant von der Behandlung mit den rhythmusstabilisierenden Medikamenten. 24,4 % der Patienten, die Amiodaron erhalten hatten, überlebten bis zur Krankenhausentlassung. Bei Lidocain-Therapie waren es 23,7 % und bei Placebo-Therapie 21 %. Der Unterschied zu Placebo war jeweils nicht statistisch signifikant, wobei zumindest bei Amiodaron die Signifikanz nur knapp verfehlt wurde (p = 0,08).

Auch beim sekundären Endpunkt fand sich in der Gesamtschau kein statistisches Signal: 18,8 % der Patienten in der Amiodaron-Gruppe hatten am Ende einen mRS-Wert von 3 oder besser, gegenüber 16,6 % in der Placebo-Gruppe und 17,5 % bei Lidocain-Therapie.

Heißt das jetzt, dass Antiarrhythmika bei reanimationspflichtigen ventrikulären Tachykardien nicht mehr eingesetzt werden sollten? Eher nicht. Denn in der Detailanalyse gab es an vielen Punkten Vorteile für die medikamentöse Behandlung. So zeigte sich in der präspezifizierten Subgruppe der Patienten, bei denen der Herzstillstand im Beisein von anwesenden Zeugen stattfand, ein signifikanter Vorteil hinsichtlich des primären Endpunkts sowohl für Amiodaron (27,7 vs. 22,7 %; p = 0,04) als auch für Lidocain (27,8 vs. 22,7 %; p = 0,03). Das betraf mehr als zwei Drittel aller Patienten. Anzunehmen sei, dass Patienten, bei denen der Herzstillstand unter Zeugen stattfindet, notfallmäßig versorgt werden und dass die Antiarrhythmika dann besser wirken, so Kudenchuk.

Einen signifikanten Vorteil auf Ebene der Gesamtpopulation gab es außerdem beim Anteil der Patienten, die bei Krankenhausaufnahme noch am Leben waren. Das waren 45,7 % in der Amiodaron-Gruppe, 47 % in der Lidocain-Gruppe und 39,7 % in der Placebo-Gruppe (p = 0,01 bzw. p < 0,001). Die antiarrhythmische Behandlung hat also zumindest dazu geführt, dass mehr Patienten lebend das Krankenhaus erreichen, obwohl die Patienten in den Verumgruppen insgesamt weniger Defibrillatorenschocks benötigten.

Vor dem Hintergrund dieser Daten sprach sich Kudenchuk in Chicago klar für den Einsatz der Medikamente aus: Auf Basis der APLS-Studie sei davon auszugehen, dass USA-weit pro Jahr etwa 1.800 Patienten dadurch das Leben gerettet werden könne.

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