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Univ.-Prof. Dr. Jochen Müller Ehmsen,Asklepios Klinik Altona, Hamburg
 
Kardiologie 24. Februar 2016

Dem müden Herzmuskel auf die Sprünge helfen

Die Baroreflex-Aktivierungtherapie hat sich bei symptomatischer Herzinsuffizienz als wirksam und sicher erwiesen. NYHA-Klasse, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten können nachweislich verbessert werden.

Die Herzinsuffizienz ist durch eine gestörte Balance zwischen sympathischer und parasympathischer Aktivität gekennzeichnet. Die Schädigung des Myokards und die damit einhergehende Reduktion der Pumpleistung des Herzens setzt einen Kompensationsmechanismus in Gange, der die arterielle Perfusion aufrecht erhalten soll. Es kommt zur neurohumoralen Aktivierung mit verstärkter Sympathikusaktivität und vermehrter Ausschüttung von Angiotensin II, Aldosteron und Vasopressin, wodurch die Herzleistung gesteigert wird. „Die chronische Aktivierung dieser Systeme führt allerdings zu einem Circulus vitiosus und zu einer weiteren Verschlechterung der Herzinsuffizienz“, sagt Prof. Dr. Jochen Müller Ehmsen, 3. Med. Abt., Asklepios Klinik Altona, Hamburg.

Mit elektrischen Impulsen den Teufelskreis durchbrechen

Bei der Baroreflex-Aktivierungtherapie (BAT) werden die Barorezeptoren im Karotissinus kontinuierlich stimuliert, wodurch es zu einer Beeinflussung der afferenten und efferenten Bahnen des vegetativen Nervensystems im Sinne einer Dämpfung der sympathischen und Steigerung der parasympathischen Aktivität kommt. Die Folgen davon sind eine Reduktion der Herzfrequenz und des Blutdrucks, eine Steigerung der Vasodilatation und Diurese, eine verminderte Renin-Sekretion und letztendlich ein Rückgang des Remodelings. Das BAT-System besteht aus einer Elektrode, die auf die Barorezeptoren der Karotisbifurkation platziert wird und einem unter der Clavicula subkutan eingesetzten Impulsgenerator.

Kleiner Eingriff – große Wirkung

Dass die Wirkung der BAT langfristig gegeben ist, hat zunächst eine Untersuchung an Patienten mit therapierefraktärer arterieller Hypertonie gezeigt: Die Blutdruck senkende Wirkung war selbst nach fünf Jahren erhalten (Bakris GL et al.: J Am Soc Hypertens 2012;6(2):152-8). Mittlerweile gibt es auch Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der BAT bei chronischer Herzinsuffizienz. Müller Ehmsen verweist auf die Ergebnisse einer multizentrischen Studie, in die 146 Patienten (NYHA II, EF ≤ 35%) eingeschlossen waren. Alle erhielten eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie, 76 wurde zusätzlich ein BAT-System implantiert (Abraham WT et al.: JACC Heart Fail. 2015;3(6):487-96). Primäre Endpunkte waren die Freiheit von geräte- oder prozedurbedingten neurologischen oder kardiovaskulären Komplikationen sowie Veränderungen der NYHA-Klasse, der Lebensqualität und der Belastungskapazität.

Bezüglich der Wirksamkeit konnte gezeigt werden, dass sich nach sechs Monaten 55 % der Patienten unter BAT in der NYHA-Klasse verbessert hatten, in der Kontrollgruppe waren es nur 22%. Auch hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität (Minnesota Quality of Life Score) schnitt die BAT-Gruppe signifikant besser ab als die Kontrollgruppe (- 17,4 vs. 2,1 Punkte). Darüber hinaus war die Zunahme der Gehstrecke beim 6-Minuten-Gehtest unter BAT ebenfalls signifikant größer.

Die Sicherheitsdaten zeigen, dass nach sechs Monaten keine relevanten Ereignisse auftraten. Bei zwei Patienten kam es postoperativ zu Hämatomen an der Schrittmachertasche. Hypotonien wurden in der BAT-Gruppe nicht beobachtet.

„Es scheint nach dieser Studie die Barorezeptorstimulation bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion der alleinigen medikamentösen Therapie überlegen zu sein“, schließt Müller Ehmsen.

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