zur Navigation zum Inhalt
Altenberger

fotomek/fotolia.com

fotomek/fotolia.com

 
Kardiologie 24. Februar 2016

Mit Schulung und maßgeschneiderter Bewegung der Herzinsuffizienz zu Leibe rücken

Seit Ende 2015 werden in allen Herz-Reha-Zentren der PVA Patienten mit Herzinsuffizienz strukturiert geschult. Cardio News Austria sprach mit dem Initiator des neuen Schulungsmoduls Prim. Priv.-Doz. Dr. Johann Altenberger.

Aus welchen Elementen besteht das neue Schulungsmodul?

Doz. Altenberger: Die Schulung besteht aus drei Stunden Unterricht und ein bis zwei Stunden Feedback und Gespräch. In den Unterrichtsstunden mit dem Arzt/der Ärztin bzw. dem/der speziell ausgebildeten Herzinsuffizienzberater(in) werden die medizinischen Grundlagen der Erkrankung sowie die verschiedenen Therapieoptionen vermittelt.

Fragen wie „Wo greifen die Medikamente an? Warum ist es so wichtig, sie korrekt nach Verordnung einzunehmen?“ werden hier ebenso ausführlich behandelt wie jene der Früherkennung einer Verschlechterung oder des Umgangs mit der Erkrankung in den Bereichen Alltag, Ernährung, Bewegung, Impfungen, Sexualität, auf Reisen etc. Auf die beiden Unterrichtsstunden folgt eine Feedback-Stunde mit dem/der HI-BeraterIn, in der die erlernten Inhalte mittels Fragebogen und im persönlichen Gespräch nochmals verfestigt werden. Im Bedarfsfall gibt es dann noch einmal die Möglichkeit für eine einstündige Gesprächsrunde mit dem Arzt/der Ärztin.

Insgesamt widmen wir also vier bis fünf Stunden des Reha-Aufenthalts ausschließlich der Schulung, mit dem Ziel die Selbstkompetenz der Patienten zu steigern. Es liegt außerdem eine Broschüre auf, anhand der sich die Patienten weiter in den Umgang mit ihrer Erkrankung vertiefen können. Und sie lernen während des Aufenthalts ein Protokoll zu führen, in dem Herzfrequenz, Blutdruck und Körpergewicht dokumentiert werden.

Was, außer Schulung, passiert noch mit den Patienten?

Doz. Altenberger: Neben der Schulung bietet der Reha-Aufenthalt auch andere Möglichkeiten für eine optimierte Patientenbetreuung. So haben wir drei bis vier Wochen Zeit, die medikamentöse Therapie unter alltagsähnlichen Bedingungen individuell einzustellen. In vielen Fällen heißt dies, die Medikamente für die neurohumorale Blockade unter Beobachtung aufzudosieren.

Außerdem werden die Patienten unter professioneller Anleitung in die Trainingstherapie eingeführt. Die Patienten sollen mit dem Wissen nach Hause gehen, dass Bewegung gut für Sie ist. Sie sollten wissen welche Bewegungsarten in Betracht kommen und das Ausmaß der für sie geeigneten Belastungsintensität kennen. Während des Aufenthalts kommen Ausdauer-, Kraft- und Terraintraining zum Einsatz. Patienten mit geringer Belastbarkeit können anstatt bzw. ergänzend zum aeroben Ausdauertraining ein Intervalltraining, charakterisiert durch kurze intensive Belastung gefolgt von einer doppelt so langen Erholungspause, durchführen. Die Vorteile eines solchen Trainings liegen darin, dass die kurzen Belastungsreize zwar peripher wirksam sind, jedoch ohne höhere Beanspruchung des Herzens. Sehr schwachen Patienten, z. B. solche, die auf eine Organtransplantation warten, ist es oft nicht möglich, an einer Bewegungsgruppe teilzunehmen. Hier bieten wir krankengymnastische Einzeltherapien, z. B. Muskelkräftigung mittels Theraband oder leichten Gewichten an, um die Patienten physisch bestmöglich auf die Operation vorzubereiten. Wichtig ist in jedem Fall der individuelle Zuschnitt der Bewegungstherapie. Öfter als bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist hierfür im Vorfeld eine Spiroergometrie nötig.

Seit wann kann bei HI-Patienten eine Reha beantragt werden?

Doz. Altenberger: Im Reha-Plan ist die chronische stabile Herzinsuffizienz schon immer angeführt. Allerdings war das betroffene Patientenkollektiv früher deutlich kleiner. Erst seit Kurzem sind die Zuweisungsraten in dieser Indikation im Steigen, zumal nach den großen Erfolgen in der Therapie der koronaren Herzkrankheit und der steigenden Lebenserwartung die Herzinsuffizienz nun zum dringendsten Problem der Kardiologie geworden ist. Es kommen auch immer mehr Patienten mit Herzinsuffizienz bei erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) zur kardiologischen Reha, was insofern erfreulich ist, als bei dieser Erkrankung die Bewegungstherapie aus heutiger Sicht die einzige Maßnahme ist, die wissenschaftlich nachweisbar etwas gebracht, die Symptomatik der Betroffenen signifikant verbessert hat. Patienten mit Herzinsuffizienz sind in der Regel sehr dankbar für die ihnen angebotene Hilfe, weil sie selbst kleinere Steigerungen der Belastungsfähigkeit als großen Gewinn im Alltag wahrnehmen.

Warum ist das so?

Doz. Altenberger: Die Herzinsuffizienz ist eine inflammatorische Erkrankung, in deren Rahmen es sehr früh im Verlauf zu Veränderungen der Skelettmuskulatur kommt. Auf der strukturellen Ebene sind neben einer Verringerung der Muskelfaserdicke und einer Abnahme der Muskelmasse auch eine Reduktion der Kapillardichte sowie der Anzahl und Größe von Mitochondrien bekannt. Hinzu kommen metabolische Veränderungen im Sinne eines verfrühten anaeroben Metabolismus und damit einhergehender limitierter Leistungsfähigkeit. Diese Veränderungen beruhen unter anderem auf dem Einfluss proinflammtorischer Zytokine und sind durch Training reversibel. Dass sich der Verlauf und die Prognose der Herzinsuffizienz durch Trainingstherapie positiv beeinflussen lassen, liegt wahrscheinlich auch genau daran.

Wie ist die Datenlage zu den Maßnahmen körperliches Training und Steigerung der Selbstkompetenz durch Schulung?

Doz. Altenberger: Mittlerweile liegen überzeugende Metaanalysen vor, dass körperliches Training bei herzinsuffizienten Patienten nicht nur sicher ist, sondern sogar mit einer besseren Prognose, mit reduzierten Hospitalisationen und einer reduzierten Mortalität einhergeht. Die vorliegenden Studien beziehen sich vor allem auf Patienten im klinischen Stadium NYHA II-III. Ähnlich positiv sind die Studienergebnisse für die Verbesserung des Selbstmanagements durch Schulung. Wir wissen, dass geschulte Patienten besser mit Ihrer Erkrankung umgehen können, stabiler sind und weniger oft ins Krankenhaus müssen. Aufgrund der überzeugenden Evidenz stand die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) der Idee, eine Schulung in den Reha-Aufenthalt von Patienten mit Herzinsuffizienz zu integrieren, von Anfang an sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Implementierung ging rasch vonstatten, die Rückmeldungen von den Patienten sind äußerst positiv. Aufgrund der Zusatzausbildung zum/zur Herzinsuffizienz-BeraterIn, wie sie 2015 für diplomiertes Pflegepersonal in Innsbruck durchgeführt wurde, sind wir in der Lage, auch von pflegerischer Seite eine qualitativ hochwertige Schulung anbieten zu können.

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben