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Priv.-Doz. Dr. Hannes Alber, Leiter der Kardiologie, Reha-Zentrum Münster privat
 
Kardiologie 24. Februar 2016

Kardiale Reha wirkt effektiv wie ein Medikament

In den ESC-Guidelines wird die kardiale Rehabilitationnach akutem Koronarsyndrom mit höchstem Evidenzgrad empfohlen. Zurecht, wie die Ergebnisse einer rezenten Studie erneut beweisen.

Strategien zur Optimierung des kardiovaskulären Risikoprofils sind nach einem akuten Koronarereignis von zentraler Bedeutung. Nicht nur die medikamentöse Therapie, auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Raucherentwöhnung, gezielte Bewegungstherapie und Stressbewältigungsprogramme liefern einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Rezidivrisikos.

Freilich ist eine grundlegende Umstellung des Lebensstils, die der Risikooptimierung gerecht wird, für die Betroffenen nicht immer einfach. Darum, und aufgrund der positiven Datenlage, empfehlen die Guidelines der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie nach akutem Koronarsyndrom die kardiale Rehabilitation (Evidenz IA). Trotzdem wird der Nutzen der kardialen Reha von einigen Ärztinnen und Ärzten infrage gestellt. „Brauchen wir zusätzlich zu den vielen hocheffektiven Medikamenten heute tatsächlich noch die Reha“, hinterfragt Priv.-Doz. Hannes Alber, Leiter der Kardiologie, Rehab-Zentrum Münster, im Rahmen der Veranstaltung „Kardiologie Interaktiv“ bewusst provokant die ESC-Empfehlung und liefert die Antwort gleich mit. Ja, sagt der Experte und verweist auf die Ergebnisse einer im European Heart Journal rezent publizierten Studie.

In der von niederländischer Wissenschaftern durchgeführten Analyse (De Vries et al. 2015) waren die Krankenakte von 36.000 Patienten mit akutem Koronarsyndrom (PCI, Bypass-OP oder konservative Behandlung) und/oder Herzklappenoperation eingeschlossen. 30 Prozent des Kollektivs absolvierten eine kardiale Reha, 70 Prozent nicht. Primärer Endpunkt der Analyse war die Mortalität pro 1000 Patientenjahren. Es wurden zwei verschiedene Analysen durchgeführt: eine Analyse der Gesamtkohorte und ein Propensity-Score-Matching, das sich durch die Gegenüberstellung von „Zwillingspaaren“ mit vergleichbarem Ausgangsrisiko kennzeichnet. Den einzigen Unterschied der jeweiligen Vergleichspersonen liefert der Umstand „Reha ja oder nein.“

Das Ergebnis: Die Todesrate pro 1000 Patientenjahre betrug 12,2 Prozent in der Reha-Gruppe gegenüber 39,6 Prozent im nicht-rehabilitierten Kollektiv. Das Propensitiy-Score-Matching zeigte eine Reduktion des Mortalitätsrisikos durch die Reha um 35 Prozent. Diese klaren Ergebnisse seien laut Alber ein Grund mehr, zu versuchen, die Rekrutierungsraten zur kardialen Rehabilitation nach einem akuten Koronarsyndrom weiterhin konsequent auszubauen.

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