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CPAP-Atmung schützt Herz und Hirn bei OSA. H. Sandler/fotolia.com
 
Kardiologie 24. Februar 2016

Schlafapnoe steigert kardiovaskuläres Risiko

Im Rahmen des Cardio-Sleep-Symposiums wurde unter dem Vorsitz von Prof. Dr Kurt Huber und Prof. Dr. Peter Fitscha vor 140 Teilnehmern der Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauferkrankungen und der Schlafapnoe diskutiert.

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist keine Seltenheit. Vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen im mittleren Erwachsenenalter sind von der Erkrankung betroffen. Die Schlafapnoe steht immer in Verbindung mit Schnarchen und sehr häufig auch mit Übergewicht. Infolge einer Erschlaffung der Muskeln des weichen Gaumens fällt die Zunge zurück, sodass sich die Luftwege teilweise oder komplett verschließen. Es kommt zu einem kurz dauernden Atemstillstand (10-60 Sekunden. Die daraus resultierende Hypoxie führt über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems zu einem Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz sowie zu Vasokonstriktion und Endotheldysfunktion. Hämodynamisch führen die Atemwegsobstruktion und die vergeblichen Atembewegungen zu abrupten Änderungen des intrathorakalen Drucks, mit entsprechenden negativen hämodynamischen Auswirkungen. Zwar normalisieren sich die neurohumoralen und hämodynamischen Veränderungen nach Beendigung der Atempause durch reflektorische Weckreaktionen wieder, die Schlafqualität und die zirkadiane Rhythmik wichtiger Herz-Kreislauffunktion wird aber empfindlich gestört.

Bluthochdruck, KHK und Herzinsuffizienz sind häufige Folgen

Häufige Folgen sind dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte. 50-80 Prozent der OSA-Patienten haben in Abhängigkeit vom Schweregrad eine Hypertonie. Vor allem bei Patienten mit nächtlicher Hypertonie oder nächtlichem Blutdruckanstieg in der 24-Stundenmessung sowie bei solchen, deren Blutdrucksenkung mit drei Medikamenten ungenügend ist, sollte daher eine OSA-Diagnostik durchgeführt werden. Umgekehrt sollte bei Verdacht oder Vorliegen einer Schlafapnoe eine Messung des 24-Stundenblutdruckes erfolgen.

Auch mit der koronaren Herzerkrankung (KHK) besteht eine klare Assoziation. Bei KHK-Patienten ist die Prävalenz eines OSA in zahlreichen Querschnitts-Studien höher als in der Allgemeinbevölkerung, wobei das Vorliegen eines OSA die Prognose einer KHK nachweislich verschlechtert.

Verschiedene OSA-assoziierte Parameter sind bei Vorliegen einer KHK außerdem signifikante Prädiktoren für das Auftreten eines plötzlichen Herztodes.

Bezüglich Herzinsuffizienz zeigen Einzelstudien eine Häufigkeit von Schlaf-bezogenen Atemstörungen (SDB) im Ausmaß von 50 Prozent; bei Patienten mit Herzinsuffizienz, die einem Schlaflabor zugewiesen werden, steigert sich dieser Wert auf bis zu 70 Prozent. Im Rahmen einer akuten Herzinsuffizienz wurden sogar noch höhere Werte festgestellt. Dies ist auch nachvollziehbar, zumal die durch den Atemstillstand hervorgerufenen neurohumoralen und hämodynamischen Veränderungen für herzinsuffiziente Patienten eine besondere Gefahr darstellen.

Schlaf-Apnoe ist auch ein relevanter, unabhängiger Risikofaktor für den Schlaganfall, wobei dies sowohl für kardioembolische Insulte als auch für mikro- oder makroangiopathisch bedingte Schlaganfälle gilt.

Aktueller Stand zu Screening, Diagnose und Therapie

Bei internistisch-kardiologischen Patienten nach OSA-assoziierten Symptomen zu fahnden und, wenn nötig, eine entsprechende Diagnostik einzuleiten, ist im Sinne einer ganzheitlichen Betreuung zu fordern. Da der Zugang zu einem Schlaflabor in Österreich oft mit langen Wartezeiten und mit hohen Kosten verbunden ist, wurde ein Stufenplan zur Voruntersuchung entwickelt. Dieser umfasst primär die Anamnese, bestehend aus der Trias „Schnarchen, beobachtete Apnoen, Tagesmüdigkeit“. In weiterer Folge sollte eine ambulante apparative Diagnostik durchgeführt werden, bei der Parameter wie oronasaler Airflow, Schnarchgeräusche, Thorax und Abdomenbewegungen, Sauerstoffsättigung und Pulsfrequenz erhoben werden. Eine solche ambulante Polygrafie (im Unterschied zur Polysomnografie ohne EEG) wird bereits von einigen Internisten, Lungenfachärzten und HNO-Ärzten in den Ordinationen angeboten. Bei erhöhtem Apnoe/Hypopnoe-Index (AHI ≥15) ist eine Zuweisung an das Schlaflabor zur Durchführung einer Polysomnografie angezeigt. Eine weitere Screening-Maßnahme wäre der Einsatz von einfachen Fragebögen wie der Epworth Sleepiness Scale, dem Berliner Fragebogen oder dem Pittsburgh Sleep Quality Index.

Therapie der Wahl bei OSA ist eine nächtliche Maskenbeatmung mit CPAP (continous positive airway pressure). Eine Reihe von Studien konnte zeigen, dass die CPAP-Therapie einen Anstieg der Herzkammerleistung sowie eine Reduktion der sympathischen Nervenaktivität und der Lebensqualität der betroffenen Patienten bewirkt. Bei Begleiterkrankungen wie KHK, Hypertonie, Z. N. Insult oder Vorhofflimmern etc. ist eine CPAP-Therapie bei einem AHI >15 indiziert; bei ansonst gesunden Patienten ab einem AHI von >20-25.

Wichtige neue Erkenntnisse gibt es zur maschinellen Beatmung bei Patienten mit zentraler Schlafapnoe (CSA) und Herzinsuffizienz. Laut Ergebnissen der SERVE-Studie soll eine Behandlung mit Adaptiver Servo Ventilation aufgrund einer erhöhten Mortalität vorerst nicht mehr durchgeführt werden.

Bei Rückenlage-betonter Schlafapnoe mittleren Schweregrads ist eine Seitenlage-Therapie mittels Hilfsmitteln wie Lage-T-Shirts oder dem NightBalance-Schlaf-Positionstrainer möglich. Dieser vibriert, wenn sich der Patient auf den Rücken dreht. Der Vorteil zu Lage-T-Shirts besteht darin, dass eine Aufzeichnung und Auswertung der Schlafposition möglich ist.

Natürlich sollte bei allen Patienten, falls notwendig, eine Gewichtsreduktion stattfinden, – eine Empfehlung, die vor allem für Patienten mit REM-assoziierten Schlafapnoen gilt.

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