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Kardiologie 1. Februar 2016

Herztod im Leistungssport

Ein akuter Herztod bei Leistungssportlern findet immer eine große mediale Resonanz. Dann wird die Frage gestellt: Hätte dieses fatale Ereignis durch ein Vorsorge-Screening verhindert werden können?

Das Paradoxe beim Sport ist, dass er eigentlich gesundheitsfördernd ist, im Einzelfall aber zum akuten Herztod führen kann“, sagte Prof. Dr. Andreas Schuchert, Neumünster. Doch mit 4,6 Ereignissen pro 1 Millionen Einwohner pro Jahr handele es sich um ein sehr seltenes Ereignis; zu ca. 95 Prozent sind Männer betroffen. Doch bei Wettkampfsportlern sei das Risiko erhöht. Wenn man über ein Vorsorge-Screening spreche, müsse man zwischen jungen Wettkampfsportlern unter 35 Jahren und über 35-jährigen Freizeitsportlern unterscheiden. Daher muss man als Ursache bei jungen Wettkampfsportlern vorrangig an eine Myokarditis, hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) und Ionenkanalerkrankung denken, bei älteren Sportlern primär an eine KHK oder Aortenstenose.

Altersabhängige Strategie

Beim jungen Wettkampfsportler geht es vorrangig darum, eine genetische Erkrankung wie HCM, arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC) oder Ionenkanalerkrankung früh zu erfassen. Dies gelingt häufig mit dem Ruhe-EKG. Zeigt dieses relevante Auffälligkeiten oder bei einer Familienanamnese für den akuten Herztod, sollte eine Farbdopplerechokardiografie und evtl. eine Ergometrie erfolgen. Zur Detektion einer Koronaranomalie bietet sich heute das Cardio-MRT an.

Die häufigsten Ionenkanalerkrankungen sind das Long-QT-Syndrom (LQTS), das Short-QT-Syndrom (SQTS), das Brugada-Syndrom und die polymorphe katecholaminerge Kammertachykardie. Die Diagnose ergibt sich meist aus der Eigen- und Familienanamnese, dem EKG-Befund und womöglich einer molekulargenetischen Untersuchung.

Laut Prof. Dr. Wilhelm Haverkamp aus Berlin ist „der ICD bei symptomatischen Patienten mit einer Kanalopathie heute die Therapie der Wahl“. Nur bei asymptomatischen Patienten sei nach sorgfältiger Risikostratifizierung eine medikamentöse Therapie sinnvoll, evtl. in Kombination mit einem ICD. Das Medikament der Wahl beim LQTS sind Betablocker; am besten spricht der Typ 1 darauf an. Am effektivsten sind Propranolol und Nadolol. Metoprolol sei sehr viel schlechter wirksam. Dabei sollte man möglichst hohe Dosen einsetzen. Eine Bradykardie ist keine Kontraindikation. Im Einzelfall können abhängig vom LQTS-Typ auch andere Antiarrhythmika zum Einsatz kommen. Das Mittel der Wahl beim Brugada-Syndrom ist Chinidin, eine Alternative ist Isoproterenol. Unverzichtbar ist Chinidin als Notfallmedikament beim elektrischen Sturm, also rezidivierenden ventrikulären Tachykardien (VT), und bei ICD-Patienten mit häufigen VT, rezidivierendem Vorhofflimmern oder supraventrikulären Tachykardien.

Originalpublikation:

sti; Cardiovasc 5/2015;

DOI 10.1007/s15027-015-0711-z

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