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Kardiologie 15. Dezember 2015

NO als Nierenschutz in der Herzchirurgie

Welchen Einfluss hat intra- und postoperativ verabreichtes Stickstoffmonoxidauf renale Komplikationen bei Herzoperationen? Dieser Frage gingen chinesische Wissenschafter in einer Placebo-kontrollierten Studie nach.

Eine wichtige Determinante für einen komplikationsarmen herzchirurgischen Eingriff ist eine möglichst kurze Bypasszeit, also die Zeitspanne an der Herz-Lungen-Maschine. Eine der häufigsten Komplikationen ist eine postoperative Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen. Eine der Ursachen hierfür ist die verstärkte Hämolyse mit erhöhtem Plasma-Hämoglobin-Spiegeln, welche im Rahmen längerer Bypasszeiten auftritt. Hierdurch wird Stickstoffmonoxid (NO) reduziert, was wiederum zu einer Vasokonstriktion, Beeinträchtigung des renalen Tubulussystems und zum Nierenversagen führen kann.

Die Überlegung der chinesischen Arbeitsgruppe um Dr. Chong Lei war, diesem Problem durch intra- und postoperative Gabe von NO entgegenzuwirken. Hierdurch sollte durch Verbesserung der pulmonalen Durchblutung das Herzzeitvolumen gesteigert werden und somit auch die Nierenperfusion, die deletären Effekte der ischämischen Reperfusion sollten gemindert werden, und vor allem sollte das zirkulierende Plasma-Hb zu metHb oxidiert werden, welches NO dann nicht mehr bindet.

Interessant, aber nicht unbedingt auf den Westen übertragbar

217 Patienten, bei denen mehrere Herzklappen gleichzeitig operiert wurden und dadurch eine verlängerte Bypasszeit notwendig war, wurden in die chinesische, Placebo-kontrollierte Single-Center-Studie eingeschlossen. Die Patienten wurden entweder unter einer Standard-Beatmung operiert oder zusätzlich mit 80 part per million (ppm) NO beatmet. In der NO-Gruppe wurde die NO-Inhalation noch 24 Stunden postoperativ fortgeführt. Der primäre Studienendpunkt war das Auftreten einer Verschlechterung der Nierenfunktion, gemessen an einem Anstieg des Serumkreatinins um 50% innerhalb der ersten 7 postoperativen Tage oder an einem Anstieg des Serumkreatinins um 0,3 mg/dL innerhalb der ersten 2 Tage nach OP bzw. nach 30 und 90 Tagen (sekundäre Endpunkte).

Es konnte eine signifikante Reduktion der Rate an Nierenschädigungen in der NO-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe (50% vs. 63 %; p=0,04) gezeigt werden. Einen Unterschied in der Mortalität oder bei schwerwiegenden Nebenwirkungen gab es nicht.

Insgesamt zeigt diese Studie sicherlich einen interessanten und unter Umständen auch erfolgversprechenden Weg einer wirksamen Nephroprotektion auf. Diesbezüglich sind schon viele unterschiedliche Ansätze unternommen worden, wobei das Nierenversagen unverändert eine der häufigsten Komplikationen bei Herzoperationen bleibt.

Problematisch ist zunächst der Single-Center-Ansatz der Studie mit ausschließlich relativ jungen asiatischen Patienten mit zudem noch geringem Body-Mass-Index - ein Kollektiv, das nicht unbedingt repräsentativ für europäische oder amerikanische Patienten ist. Des Weiteren wurden keine spezifischen Biomarker einer Nierenschädigung gemessen, sondern lediglich das Serumkreatinin. Dennoch ist die Studie sicherlich ein guter Ansatzpunkt für weitere Studien zur Nephroprotektion mittels NO.

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